„… mein Mann genießt die kostenlosen Canapés“ – Jessie Buckleys Golden-Globes-Moment

Als Jessie Buckley bei den Golden Globe Awards 2026 den Preis für Best Actress – Motion Picture – Drama entgegennimmt, ist es nicht nur ihr Schauspiel, das für Aufsehen sorgt, sondern auch ihre Dankesrede: Mitten zwischen tief empfundener Anerkennung und unerwartet komischen Einwürfen erinnert sie das Publikum daran, dass Leidenschaft und Alltag oft näher beieinanderliegen als gedacht

Jessie Buckley beim BFI London Film Festival im Oktober 2025. Foto: Shutterstock/Fred Duval
Jessie Buckley beim BFI London Film Festival im Oktober 2025. Foto: Shutterstock/Fred Duval

Während sie Kolleginnen wie Julia Roberts als „Heldin für uns alle“ würdigt, wirft sie zum Ende mit einem Lachen ein: „Mein Mann, er hat die kostenlosen Canapés und Cocktails wirklich genossen, also danke, dass Sie uns hierher eingeladen haben…“ und bringt damit das Publikum zum Schmunzeln.

Gerade dieser Bruch zwischen dem Ernst ihres Handwerks und dieser beiläufigen Alltagskomik zeigt ihren einzigartigen Charakter.

Herkunft, die spürbar bleibt

Jessie Buckley (*28. Dezember 1989 in Killarney, County Kerry, Irland) begann ihre Karriere weit entfernt vom glitzernden Hollywood-Zirkus. Mit einer Mutter als Stimmtrainerin und einer frühen Liebe zur Bühne zog es sie mit 17 nach London, um zunächst eine Gesangskarriere zu verfolgen. Später studierte sie an der renommierten Royal Academy of Dramatic Art (RADA) und legte damit den Grundstein für eine Karriere, die heute Kino, Theater und Musik umfasst.

Rollen, die hängen bleiben

Ihre Laufbahn ist geprägt von einer bemerkenswerten Vielseitigkeit: Nach ersten Aufmerksamkeitserfolgen in BBC-Produktionen wie War & Peace und Taboo zeigte sie früh, dass sie mehr sein wollte als ein hübsches Gesicht im Ensemble. Ihr Film-Durchbruch gelang 2017 mit dem Thriller Beast, und mit Wild Rose (2018) etablierte sie sich als eine Schauspielerin, die Musikalität und emotionale Tiefe zugleich transportiert – inklusive der unvergesslichen Performance am Glastonbury-Festival. Denn in der Schlüsselszene sing Buckley selbst – roh, ungeschönt, ohne Playback-Perfektion. Spätestens hier gewann sie die Herzen und Kommentare zahlreiche Kritiker:innen.

Jessie Buckley und Paul Mescal. Foto: Agata Grzybowska - © 2025 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.

Jessie Buckley und Paul Mescal. Foto: Agata Grzybowska – © 2025 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.

Seitdem hat sie in Filmen wie The Lost Daughter (2021) und I’m Thinking of Ending Things (2020) bewiesen, dass sie komplexe innere Welten und zerbrechliche Figuren mit ebenso großer Wucht wie Präzision darstellen kann. In Hamnet(2025), der literarischen Adaption des gleichnamigen Romans von Maggie O’Farrell, schenkt sie Agnes Shakespeare – der Ehefrau von William Shakespeare – eine Stimme und Tiefe, die von Kritikern als „eine der bewegendsten Leistungen des Jahres“ gefeiert wird. David Fear vom Rolling Stone etwa schrieb, man werde „noch jahrelang über Jessie Buckleys Performance sprechen“. Und diese Rolle bringt ihr nun neben dem Golden Globe 2026 für Best Actress – Motion Picture – Drama auch breite Anerkennung und Oscar-Spekulationen ein.

Jessie Buckley in Chanel PreFall 26. Foto: Spotlight/Launchmetrics

Jessie Buckley in Chanel PreFall 26. Foto: Spotlight/Launchmetrics

Stil und Selbstentwurf: Mode als Ausdruck

Nicht nur ihre Rollenwahl, auch ihr Stil verrät etwas über den neuen Stern an Hollywoods Himmel. Bei den Golden Globes 2026 setzte sie ein starkes, bewusst gewähltes Statement: Sie erschien in einem strapless Dior-Abendkleid in zartem Baby-Blau, das sie mit eleganten High Heels kombinierte – ein Look, der sowohl klassische Hollywood-Eleganz als auch eine gewisse frische, unaufgeregte Modernität ausstrahlte.

Zwischen Anspruch und Selbstironie

Jessie Buckleys Karriere lässt sich nicht auf ein Genre oder eine einzige Facette festlegen. Sie ist am Theater gefeiert – The Times zählte ihre Sally Bowles in der West-End-Neuinszenierung von Cabaret zu den eindrucksvollsten Interpretationen der Rolle der vergangenen Jahre – und sie war schon vor dem Golden Globe international als Filmschauspielerin anerkannt. Ihre Engagements reichen von periodischen Dramen wie War & Peace (2016) bis zu psychologisch dichten Charakterstudien wie Charlie Kaufmans I’m Thinking of Ending Things (2020).

Und dann ist da ihre Fähigkeit, sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen: Ob sie nun im Interview über Windeln und rote Teppiche spricht oder in einer Rede über Canapés lacht – Buckley schafft es, Tiefe und Leichtigkeit zu verbinden. Genau das ist es, was sie zu einer der spannendsten Schauspielerinnen ihrer Generation macht: eine Künstlerin, die in ihren Rollen wie im Leben die Widersprüche nicht aussortiert, sondern sie erprobt.

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