Maria Ehrich im Interview: „Man muss kein People Pleaser sein, um ein guter Mensch zu sein.“

Von wegen Crazy Catlady: Für Maria Ehrich steht der Begriff für Unabhängigkeit und den Mut, das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Im Interview mit Marie Claire spricht die Schauspielerin über ihre Rolle im Audible Original Hörbuch „Catlady“, weshalb sie selbst lange People Pleaserin war und über den Mut, sich selbst treu zu bleiben.

Maria Ehrich liest "Catlady". Das Audible Original Hörbuch erscheint am 13. August 2026. Foto: Copyright Franz Grünewald und Audible GmbH
Maria Ehrich liest "Catlady". Das Audible Original Hörbuch erscheint am 13. August 2026. Foto: Copyright Franz Grünewald und Audible GmbH

Von der Hundefreundin zur Katzenfrau?

Mit „Mein Bruder ist ein Hund“ begann vor mehr als 20 Jahren Maria Ehrichs Schauspielkarriere – als Mädchen, das sich so sehr einen Hund wünscht, dass sich ausgerechnet ihr Bruder in einen verwandelt. Auch privat war für die Schauspielerin lange klar: Sie ist durch und durch ein Hundemensch. Für ihr neues Hörbuch wird sie allerdings zur Catlady und bekommt mit Sir Cat einen dickköpfigen Kater mit ebenso viel Charme wie Meinung an ihre Seite.

Darum geht es im Hörbuch „Catlady“

Maria Ehrich übernimmt die Rolle der Laura, deren Weg zur eigenen Hochzeit unerwartet zur Reise ihres Lebens wird. Mitverantwortlich dafür ist Sir Cat, gelesen von Stefan Kaminski. Der scharfzüngige Kater setzt sich ungefragt auf ihren Beifahrersitz und verwandelt die geplante Kurzstrecke in eine sechstägige Odyssee.

Mehr als ein Klischee

Das Bild der „Crazy Catlady“ als seltsame Einzelgängerin hat ausgedient. Die moderne Katzenfrau steht für Unabhängigkeit, Individualität und den Mut, sich nicht den Vorstellungen anderer anzupassen. Laura, die Protagonistin des Hörbuchs, muss das erst noch lernen. Als notorische People Pleaserin versucht sie es immerzu allen recht zu machen – bis ein gewisser Sir Cat ihr Leben gründlich auf den Kopf stellt.

Maria Ehrich im Interview

Im Gespräch erzählt Marie Ehrich, wie sie sich als Schauspielerin auf das Einsprechen des Hörbuchs vorbereitet hat, was für sie eine echte „Catlady“ ausmacht und von tierischen Begegnungen, die keine Worte benötigen.

Vom Set ins Studio

Marie Claire: Wir kennen dich vor allem vor der Kamera. Wie war das, im Studio zu stehen und nur mit deiner Stimme eine Geschichte zu erzählen?

Maria Ehrich: Ich fand es total toll und hoffe, dass ich bald wieder ein Hörbuch einsprechen kann. Beim Film arbeite ich mit Mimik, Gestik, dem Licht und der Kamera – ich muss auf super viel achten und freue mich, dass ich all das beim Film benutzen darf. Die Reduktion auf die Stimme fand ich aber super spannend. Ich habe vor Jahren schon die Edelsteintriologie-Bücher eingelesen und habe mich wieder daran erinnert, wie schön das ist, seine ganze kreative nur in eine Körperpartie zu channeln.  Das ist anspruchsvoller, als man denkt, weil man eben nicht einfach nur lapidar vorliest, sondern etwas rüberbringen muss.

Marie Claire: Hast du dich anders vorbereitet als auf einen Filmdreh?

Maria Ehrich: Ich habe schon versucht mit Katzen zu sprechen. Nein, im Ernst: Ich habe das Buch gelesen und war sehr schnell davon überzeugt. Besonders wichtig war für mich, zu hören, wie Stefan (Anm. d. Red.: Stefan Kaminski liest Sir Cat) seine Kapitel eingesprochen hat. So konnte ich nachvollziehen, wie er die Figuren sieht und darauf aufbauen. Ansonsten galt vor allem: viel trinken und die Stimme pflegen.

Maria Ehrich liest "Catlady"
Maria Ehrich liest "Catlady". Foto: Foto: Copyright Franz Grünewald und Audible GmbH

Was eine „Catlady“ wirklich ausmacht

Marie Claire: Schon der Titel „Catlady“ ruft bestimmte Klischees hervor: eine einsame, alleinstehende Frau mit ganz vielen Katzen. Nach dem Buch passt dieses Bild aber eigentlich gar nicht so richtig. Was macht für dich eine Catlady aus?

Maria Ehrich: Wenn mich heute jemand so nennen würde, würde ich das überhaupt nicht als Beleidigung empfinden. Im Gegenteil, ich fände das ziemlich cool. Laura ist am Anfang der Geschichte keine klassische Catlady. Sie ist eher eine People Pleaserin, die versucht, es allen recht zu machen und ihr Leben nach den Erwartungen anderer auszurichten. Im Laufe der Geschichte wird sie aber immer mehr zu einer Frau, der egal ist, was andere von ihr denken. Ja, sie macht mit einem sprechenden Kater einen Roadtrip. Und später noch viele andere Dinge, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen. Genau das verbinde ich mittlerweile mit einer Catlady: Jemand, der sein Leben so lebt, wie es sich für ihn richtig anfühlt. Und wenn das bedeutet, alleinstehend zu sein und fünf Katzen zu haben – so what, ist doch cool. Es gibt so viele Menschen, die sich viel zu ernst nehmen und ich glaube, wenn man das nicht tut, hat man viel mehr Spaß im Leben.

Marie Claire: Erkennst du dich in Laura wieder? Sowohl in ihrer Rolle als People Pleaserin als auch in ihrer Entwicklung?

Maria Ehrich: Ich war sehr, sehr lange Peopler Pleaserin und bin es in einigen Punkten immer noch. Ich arbeite aber daran, das abzulegen. Das hat bei mir auch mit der Schauspielerei zu tun. Ich habe als Kind angefangen und musste immer gut mitmachen – am Set, in der Schule und im Umgang mit Erwachsenen. Deshalb frage ich mich manchmal schon, wie ich geworden wäre, wenn ich diesen Weg nicht gegangen wäre. Eigentlich bin ich ein sehr impulsiver Mensch. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, ein kleines Schlösschen vor dem Mund zu haben. Dieses Schloss versuche ich gerade aufzuschließen. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass man kein People Pleaser sein muss, um ein guter Mensch zu sein und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Das ist etwas, was uns Frauen auferlegt wurde und eigentlich gar nicht zu uns passt. Man kann lernen, es zu lassen. Aber es ist natürlich nicht so einfach, es ist auch eine Reise, auf die man gehen muss.

Tierische Begegnungen

Marie Claire: Du warst ebenfalls längere Zeit auf Reisen und hast darüber sogar ein Buch geschrieben. Was verändert einen mehr – die Reise selbst oder die Menschen und Tiere, denen man unterwegs begegnet?

Maria Ehrich: Ich glaube, es ist alles zusammen. Eine Reise kann einen immer verändern, egal ob sie nur ein paar Tage dauert oder, wie bei mir, mehrere Monate. Auf der einen Seite sind es die Begegnungen mit neuen Menschen und anderen Sichtweisen, die einen verändern. Aber tatsächlich auch die Tiere. Es mag banal klingen, aber die Begegnungen, die man mit Tieren in freier Wildbahn hat, sind unbeschreiblich. Wir denken, man kann nur eine Verbindung zu etwas aufbauen, wenn man mit demjenigen sprechen kann oder ein Austausch stattfindet. Aber manchmal reicht es schon, ein wildes Tier zu beobachten.

Ein Erlebnis werde ich nie vergessen: Ich war vor der kanadischen Küste mit einem kleinen Schlauchboot unterwegs und plötzlich kam ein Buckelwal direkt neben uns hoch. Man möchte meinen, man hat wahnsinnige Panik, weil plötzlich dieses riesige Tier da ist. Aber man spürt nichts anderes als tiefste Ruhe, guckt diesem Tier ins Auge und denkt sich: Ich glaube, ich habe das Universum gesehen.

Marie Claire: Glaubst du, dass Tiere uns verstehen?

Maria Ehrich: Ich glaube schon. Wahrscheinlich findet man, genau wie bei Menschen, nicht mit jedem Tier eine Ebene. Aber wenn man das Tier kennt, versteht man seine Gesten und Bewegungen, wie sie sich freuen oder Ähnliches. Bei uns ist es zum Beispiel so: Unser Hund lebt inzwischen bei meinen Eltern, weil wir mit kleinem Kind und einer kleinen Wohnung nicht genug Platz hatten. Als ich ihn nach einem langen Dreh wiedergesehen habe, habe ich mich zu ihm auf den Fußboden gesetzt und einfach gesagt: „Du, ich habe dich vermisst.“ Und er hat sich zu mir umgedreht mich ganz wissend angesehen und geseufzt. Ich kriege immer noch ein bisschen Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich habe mich so verstanden gefühlt.

Marie Claire: Und wie wäre es, wenn plötzlich ein ziemlich besserwisserischer sprechender Kater neben dir auf dem Beifahrersitz sitzen würde?

Maria Ehrich: Ich glaube, dass ich mich ziemlich schnell daran gewöhnen würde. Die ersten fünf Minuten wäre ich wahrscheinlich völlig überrascht und würde denken: „Okay, es gibt also sprechende Katzen. Krass, okay. Na gut, dann ist das jetzt so.“ Das wäre wahrscheinlich sehr schnell einfach Tatsache und angenommen.

Das Hörbuch "Catlady"

Marie Claire: Sir Cat hat auch einige Lebensweisheiten parat. Ist dir etwas besonders im Kopf geblieben?

Maria Ehrich: Da gibt es ganz viele Stellen. Eine meiner Lieblingsstellen ist die, in der er für die beiden im Restaurant bezahlen möchte. Er hat natürlich kein Geld, aber er hat ein bisschen Müll gesammelt, legt diesen kleinen Müllhaufen auf den Tisch und sagt: Geht auf mich. Das finde ich einfach so süß, weil es zeigt, dass er zwar ein Sir, der sehr viel von sich hält und alles andere als ein verlauster kleiner Straßenkater ist, und doch Laura helfen will, ihr Leben so zu leben, wie sie es gerne möchte.

Marie Claire: Wie würdest du die Geschichte in wenigen Worten beschreiben?

Maria Ehrich: Es geht um Laura, eine notorische People Pleaserin, die auf dem Weg zu ihrer eigenen Hochzeit versehentlich einen übergewichtigen, strubbeligen Kater anfährt. Sie fühlt sich deswegen verpflichtet, ihn mitzunehmen und wieder aufzupäppeln. Dann stellt sich heraus, dass er reden kann und die beiden stellen gegenseitig ihr ganzes Leben auf den Kopf. Aus einem anfänglichen Misstrauen und viel Konfliktpotenzial wird eine wunderschöne Freundschaft. Ich finde, es ist eine absolut wahnwitzige, aber auch ganz warmherzige und sehr, sehr lustige Geschichte, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

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