Frauen sind in der Wissenschaft nach wie vor unterrepräsentiert. Doch es gibt einige Pionierinnen, die beweisen, dass Wissenschaftlerinnen die Zukunft gehört. L’Oréal hat gemeinsam mit der UNESCO und dem Humboldt-Netzwerk vier von ihnen ausgezeichnet.
Die Wissenschaft ist noch immer männerdominiert. „In der EU beträgt der Anteil der Forscherinnen nur 34 Prozent, in Deutschland sogar unter 30“, erzählt Jean-Christophe Letellier, CEO von L‘Oréal DACH. Obwohl Frauen bahnbrechende Arbeit leisten, wird ihre Leistung häufig nicht anerkannt. Etwa gingen seit Beginn der Verleihung vor mehr als 120 Jahren nur vier Prozent aller naturwissenschaftlichen Nobelpreise an Frauen.
Das ist kein neues Phänomen. In ihrem Buch „Beklaute Frauen“ erzählt Leonie Schöler etwa von Rosalind Franklin, deren bahnbrechende Röntgenaufnahmen der DNA den entscheidenden Hinweis auf die Doppelhelix lieferten. Den Nobelpreis erhielten 1962 ausschließlich ihre männlichen Kollegen. Sie berichtet außerdem von Frauen wie Jocelyn Bell Burnell oder auch Lise Meitner. Schon immer wurden Frauen systematisch in der Wissenschaft übergangen. „For Women in Science“ möchte diesem Missverhältnis entgegenwirken und Frauen in der Wissenschaft dabei nicht nur fördern, sondern sichtbar machen.
Wieso das so ist? Noch immer gibt es die veraltete Vorstellung, wonach Mädchen nichts in MINT-Fächern zu suchen haben. Das führt zu mangelndem Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten. Wie das geändert werden kann? „Es braucht Zugänge, es braucht die gleichen Chancen für Jungen und Mädchen, für Frauen und Männer“, betont Dr. Nina Schmidt, CEO der Siemens Stiftung während der Preisverleihung. Solche Zugänge entstehen auch durch Vorbilder, darin sind sich alle Teilnehmenden einig.
Die Probleme enden jedoch nicht mit der Schulzeit. Entscheidet sich eine Frau für die Wissenschaft, ist sie häufig mit systematischen Hürden konfrontiert. Noch immer werde es Frauen schwer gemacht, in der Forschung Fuß zu fassen und Karriere zu machen, beschreibt die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Maria Böhmer die aktuelle Lage. „Gerade die Vereinbarkeit von einer wissenschaftlichen Karriere mit einer Familiengründung ist in Deutschland noch eine zu große Herausforderung.“ Viele Frauen steigen nach dem Mutterwerden aus der Wissenschaft aus. Besonders fehlt es laut Chemikerin Dr. Line Murad an der Kinderbetreuung.
Das Programm wurde 1998 ins Leben gerufen, um sich für mehr Frauenpower in der Wissenschaft einzusetzen. Seitdem wurden weltweit über 4.400 Wissenschaftlerinnen aus mehr als 110 Ländern ausgezeichnet und finanziell unterstützt, unter ihnen auch sieben spätere Nobelpreisträgerinnen. In Deutschland gibt es das Programm seit 2007.
Wie wichtig solche Auszeichnungen insbesondere für Frauen sind, betont Gästin, Wissenschaftlerin und Vorstandsvorsitzende des Deutschen Humboldt-Netzwerks Prof. Dr. Elke Bogner: „Mir hat der Preis Türen geöffnet und geholfen, meinen wissenschaftlichen Weg weiterzuverfolgen. Deshalb bin ich letztlich in der Wissenschaft geblieben.“
Gemeinsam mit der deutschen UNESCO-Kommission und dem Deutschen Humboldt-Netzwerk veranstaltete L’Oreal am Donnerstag, 18. September die jährliche „For Women in Science“-Preisverleihung im NRW-Forum in Düsseldorf. Mit dem Förderpreis werden vier Wissenschaftlerinnen für ihre Forschungsbeiträge ausgezeichnet. Moderiert wurde der glanzvolle Abend von TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer.
Unter die vier Preisträgerinnen mischten sich auch Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien wie etwa Unternehmerin Tijen Onaran, Dr. Lutz Möller (stellvertretender Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission) und Susanne Sorg (Vorständin Hartmann Tresore AG).




„Die Frauen, die mit diesen Preisen ausgezeichnet wurden, kamen mir immer wie Superstars vor“, sagt Dr. Casey Paquola während ihrer Ehrung.
Die Förderpreise werden in diesem Jahr an folgende Superstars, allesamt Mütter in der Wissenschaft, verliehen:
Sie konzentriert sich in ihrer Forschung in Frankfurt am Main auf die Photosynthese. Ohne diese gäbe es kein Leben auf der Erde. Der Prozess dahinter? Aus Sonnenlicht, Wasser und Kohlendioxid erzeugen Pflanzen, Algen und Cyanobakterien Energie und Sauerstoff. Wie genau Protonen und Wasserstoffatome daran arbeiten Sauerstoff zu entwickeln, möchte die Biochemikerin herausfinden. Mit ihrer Arbeit könnten Konzepte für saubere Energie wegweisend unterstützt werden.
Ihre Message? „Es ist sehr wichtig, neugierig und mit Leidenschaft bei der Sache zu sein. Auch Widerstandsfähigkeit ist sehr wichtig. Lassen Sie sich von niemandem entmutigen!”
Wie lichtgesteuerte organische Reaktionen Wasser als umweltfreundliches Lösungsmittel nutzen können erforscht Dr. Line Muradi in Münster. Sie vergleicht das mit einer Tanzfläche: Manche Menschen legen sofort los, andere bleiben zunächst am Rand stehen und müssen erst in Schwung gebracht werden. Genau so verhalten sich die Moleküle. Muradi interessiert sich besonders für die schwerer zu aktivierenden Moleküle. Bei ihnen übernimmt das Licht die Rolle des Motivators.
Mit ihrer Forschung trägt sie langfristig zu einer grüneren Chemie bei. Ihre Message? „Ich empfehle jungen Frauen, stets ihrer Motivation zu folgen.“
70 Prozent aller psychischen Erkrankungen manifestieren sich bereits bis zum 24. Lebensjahr. Ein weiteres Problem: Häufig werden sie falsch oder gar nicht diagnostiziert. Das möchte sie ändern. Um die Erkrankungen besser verstehen, frühzeitig erkennen und präventiv behandeln zu können, analysiert die Neurowissenschaftlerin Dr. Casey Paquola deshalb menschliche Gehirnentwicklungen von Kindern und jungen Erwachsenen durch MRT-Scans.
Über Frauen in der Wissenschaft sagt sie: „In meinem Fachgebiet gibt es, wie in vielen anderen Bereichen der Wissenschaft auch, viele Frauen mit Doktorgrad. Wenn man dann weiter nach oben schaut, stellt man fest, dass es nur sehr wenige Professorinnen in hohen Positionen gibt.“
Kühlungsprozesse sind für etwa 20 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs verantwortlich. Die gebürtige Chinesin forscht deshalb in Karlsruhe an der Entwicklung umweltfreundlicher Kühltechnologien. Ihre innovative Methode ermöglicht eine energieeffizientere Kälteerzeugung von Kühlschränken bis hin zu Klimaanlagen.
Über Frauen in der Wissenschaft sagt sie: „Die Herausforderung als Frau in der Wissenschaft ist oft der Mangel an weiblichen Vorbildern. Auch ist es nicht einfach, ein gutes Gleichgewicht zwischen Forschung und Familie zu finden.“
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