Natürliche Zähne feiern ihr Comeback in Hollywood. Stars wie Aimee Lou Wood und Cynthia Erivo sind stolz auf ihre natürlichen Zähne. Ist das das Ende der Veneers? Zahnärztin Marlene Schulz hat Antworten.
Lange galten sie als die ultimative Behandlung für das perfekte, strahlend weiße Lächeln. Veneers. Doch es scheint sich ein Wandel abzuzeichnen. Das sogenannte Hollywood-Lächeln entwickelt sich langsam zum Beauty-Ick. „Ich glaube, viele Menschen haben sich inzwischen einfach an diese extrem perfekten, ultraweißen Veneer-Looks sattgesehen“, meint Zahnärztin Marlene Schulz aus Berlin. „Der Wunsch ist oft nicht mehr, komplett perfekt auszusehen, sondern eher harmonischer und trotzdem noch wie man selbst.“
Auch Prominente wie Cynthia Erivo, Kirsten Dunst, Ayo Edebiri und Aimee Lee Wood sprechen offen darüber, wie sehr sie ihre natürlichen Zähne schätzen. „Gerade Schauspieler und prominente Persönlichkeiten profitieren davon, Wiedererkennungsmerkmale zu haben und dazu gehören eben auch die Zähne“, sagt Marlene Schulz.
Spätesten seit ihrer Hauptrolle in der dritten „The White Lotus“-Staffel sprechen alle über die Zähne der britischen Schauspielerin. Über den Einfluss, den ihre Zähne haben, wundere sie sich noch immer. „Dass ich weder Veneers noch Botox habe, fühlt sich inzwischen fast wie ein Akt der Rebellion an“, sagte Aimee Lou Wood in einem Interview mit dem Hollywood Reporter.
Wenn man über ikonische Zahnlücken spricht, kommt man an Model Georgia May Jagger nicht vorbei. Ihre Zahnlücke ist längst zu ihrem Markenzeichen geworden. Daran beteiligt gewesen sei auch ihre Supermodel-Mama Jerry Hall, die kosmetischen Eingriffen in jungen Jahren stets kritisch gegenüberstand.
Aber nicht nur die Britinnen stehen auf natürliche Zähne. Vor den Dreharbeiten zu „Spider Man“ im Jahr 2002 schickten die Produzenten die amerikanische Schauspielerin zum Zahnarzt – sie entschied sich gegen das Korrigieren ihrer Zähne und steht bis heute dazu.
In den sozialen Netzwerken kursieren Videos, die die Zahntransformationen prominenter Persönlichkeiten analysieren und dokumentieren. Die Zähne von Prominenten werden regelrecht auseinandergenommen – und oft wird über Behandlungen spekuliert. Aber woher kommt diese Faszination für Zähne?
Nachdem wir ihnen in die Augen gesehen haben, schauen wir Menschen schnell auf den Menschen, meint die Berliner Zahnärztin. „Das Lächeln verändert ein Gesicht extrem. Zähne können jemanden jünger, älter, symmetrischer oder insgesamt harmonischer wirken lassen.“
Doch nicht nur das. Auch die sozialen Netzwerke spielen eine entscheidende Rolle. Noch vor wenigen Jahren wussten die wenigsten wie kieferorthopädische Behandlungen, Veneers & Co. überhaupt funktionieren. Vorher-Nachher-Bilder, Behandlungsschritte und Ergebnisse: All das ist heute online zu finden. Marlene Schulz ist sich sicher: „Dadurch entsteht natürlich auch eine größere Neugier: Was ist echt, was wurde gemacht und warum wirken manche Zähne so perfekt?“
Aber genau diese perfekten Zähne sind nicht mehr automatisch das Nonplusultra. Viele der Patient:innen fragten bewusst nach Ergebnissen, die „natürlich, bloß nicht künstlich oder übertrieben weiß“ aussehen. Besonders häufig werde in der Berliner Praxis Bleaching nachgefragt – für viele der erste Schritt in die ästhetische Zahnmedizin. „Danach geht es häufig um kleinere Verschönerungen, zum Beispiel alte oder sichtbare Füllungen ästhetischer anzupassen, kleine Formkorrekturen vorzunehmen oder in manchen Fällen auch Veneers. Sehr gefragt sind inzwischen auch Aligner-Therapien, also Zahnumstellungen mit transparenten Schienen, gerade bei Erwachsenen.“
Betrachtet man das große Ganze, bewegt sich der Trend jedoch weg von extremen Veränderungen und hin zu subtileren Behandlungen. Auch die ästhetische Zahnmedizin selbst sei deutlich minimalinvasiver geworden. „Das Ziel ist nicht mehr, möglichst viel Zahnsubstanz zu verändern, sondern mit so wenig Eingriff wie möglich ein schönes und funktionelles Ergebnis zu erreichen.“
No Make-up Makeup Looks, Auflösen von Fillern und natürliche Zähne. Wandelt sich unser Schönheitsideal? „Ich glaube schon“, sagt die Zahnärztin. „Heute sieht vieles sehr gleich aus. Dieser generische Einheitslook ist nicht nur langweilig, sondern man verliert darin auch schnell die eigene Individualität. Der komplett perfekte Look wirkt oft eher austauschbar als interessant.“
Das Ende der Veneers sieht Marlene Schulz jedoch nicht in naher Zukunft. „Gut gemachte Veneers erkennt man oft gar nicht und hochwertige Keramik kann ästhetisch unglaublich natürlich wirken.“ Die Zahntrends verändern sich aber trotzdem. Vor allem sollten die Ergebnisse hochwertig aussehen, aber nicht sofort als „gemacht“ erkennbar sein.
Marie Claire: Welche Möglichkeiten gibt es, seine Zähne optisch zu verschönern, ohne dass sie unnatürlich wirken?
Marlene Schulz: Das hängt immer davon ab, was jemanden konkret stört und wie groß die gewünschte Veränderung überhaupt sein soll. Wenn es zum Beispiel vor allem um Verfärbungen oder die Zahnfarbe geht, reicht oft schon eine professionelle Zahnreinigung, eine Bleaching-Beratung oder ein Bleaching, um die Zähne optisch deutlich frischer wirken zu lassen.
Grundsätzlich sollte man sich in der ästhetischen Zahnmedizin immer fragen: Wie viel muss man wirklich machen? Manche Dinge lassen sich schon mit kleinen Korrekturen aus Komposit lösen, in anderen Fällen ist eine hochwertige Keramikversorgung sinnvoller. Das ist sehr individuell und hängt von der Ausgangssituation, der Funktion und natürlich auch vom Patientenwunsch ab.
Wichtig ist vor allem eine gute Planung und Beratung. Schöne Zähne wirken meiner Meinung nach dann natürlich, wenn sie harmonisch zum Gesicht passen und nicht wie ein standardisierter Einheitslook aussehen. Und idealerweise versucht man dabei immer, die natürliche Zahnsubstanz so lange wie möglich zu erhalten.
Marie Claire: Was würden Sie jemandem raten, der mit seinen natürlichen Zähnen unzufrieden ist?
Marlene Schulz: Ich würde erstmal raten, es nicht einfach Influencern nachzumachen und spontan ein Flugticket ins Ausland zu buchen, um sich invasiv die Zähne behandeln zu lassen. Ästhetische Zahnmedizin sollte keine Schnellentscheidung sein. Stattdessen sollte man sich erstmal einen Termin bei einem Zahnarzt buchen und sich ausführlich beraten lassen.
Die Grundlage für ein gutes ästhetisches Ergebnis ist immer eine gesunde Basis. Das bedeutet: gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch. Danach muss geschaut werden: Was stört die Person eigentlich genau, was ist realistisch umsetzbar und welcher Weg dafür sinnvoll ist.
Gute ästhetische Zahnmedizin ist immer ein Abwägen. Natürlich möchte man ein schönes Ergebnis erreichen, gleichzeitig sollte man aber die natürliche Zahnsubstanz und die langfristige Gesundheit der Zähne nicht unnötig gefährden. Genau deshalb ist eine ehrliche Beratung so wichtig.
Marie Claire: Was macht ein schönes Lächeln aus?
Marlene Schulz: Ästhetik bedeutet übersetzt die Wahrnehmung von Schönheit. Unser Gehirn reagiert sehr sensibel auf Harmonie, Proportionen und bestimmte Formen oder Verhältnisse. Deshalb wirken manche Gesichter oder Lächeln sofort attraktiv, ohne dass man genau erklären kann, warum.
Bei einem schönen Lächeln spielen viele Dinge zusammen: die Form und Stellung der Zähne, die Lippenlinie beim Lachen, der Verlauf des Zahnfleisches oder wie die Zähne insgesamt zum Gesicht wirken. Oft sind es Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob etwas harmonisch aussieht oder nicht.
Gleichzeitig bedeutet Schönheit aber nicht mathematische Perfektion. Kein Gesicht ist komplett symmetrisch und genau darin liegt oft auch Persönlichkeit und Charakter. Ein schönes Lächeln muss deshalb nicht perfekt sein, sondern vor allem natürlich wirken und zur jeweiligen Person passen.
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