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Designertaschen gelten als Statussymbol, werden zu Sammlerstücken und sogar als Investment gehandelt. Eine Expertin erklärt, wie man Fälschungen erkennt und worauf es sich beim Kauf zu achten lohnt.
Vor kurzem wurde die erste, originale Hermès Birkin-Bag versteigert. Den Prototyp der vielleicht legendärsten Tasche der Welt, entworfen für und getragen von Jane Birkin selbst, Muse und Namensgeberin des Accessoires. Eine Birkin, das ist für viele ein Traum – und ein Investment zugleich. Zwischen 2016 und 2025 ist der Preis der Birkin 30 in den USA von 10.900 $ auf 13.300 $ gestiegen – ein Plus von über 22 %. In Europa lag der Anstieg sogar bei 40 %, von 7.000 € auf 9.800 €. Vermutlich auch durch diese enormen Preissteigerungen im Luxussegment, sind in den letzten Jahren unzählige Designer-Fälschungen auf dem Markt gelandet. Bei manchen wissen die Käufer, dass sie ein gut gemachtes Plagiat bei sich tragen, viele jedoch gehen davon aus, ein rares Stück ergattert zu haben, dass sich dann als ein Duplikat herausstellt.
Falsche Markentaschen werden vor allem dann entdeckt, wenn sie zum Weiterverkauf angeboten werden. Landen die teuren Teile in den Händen und auf den Bildschirmen der Echtheitsprüfer, werden all die Etiketten, Seriennummern, das Material und die Hardwear genauestens untersucht. Und was kommt dabei heraus? Catawiki, die Online-Auktionsplattform für den Kauf und Verkauf besonderer Objekte und Sammlerstücke, hat jetzt ihre Ergebnisse zu Fälschungstrends veröffentlicht. In Deutschland wurden im Jahr 2024 fast 15 % der zur Versteigerung angebotenen Designer-Taschen wegen Echtheitsbedenken abgelehnt. Das ist ein Anstieg von 15 % zum Jahr davor. „Heute sind viele Fakes so gut gemacht, dass sie sogar mit Verpackung, Papieren oder NFC-Chips daherkommen“, erklärt Fleur Feijen, Senior Mode-Expertin bei Catawiki, „aber selbst die raffiniertesten Fälschungen verraten sich oft durch kleinste Details.“
Falsches Original der Prada Galleria Bag. Foto: BrandOff/Napoli/Catawiki
Heutzutage können Laien, auch die modebegeisterten, selbst kaum herausfinden, ob sie eine gefälschte oder eine originale Tasche vor sich haben. Und obwohl dem bloßen Auge diese Unterscheidung schwerfällt, ist es doch ein ganz anderes Gefühl für die Trägerin, wenn sie sicher weiß, eine echte Designertasche in ihrer Armbeuge zutragen. „Wenn man weiß, dass man eine gefälschte Tasche trägt, wird es in den eigenen Augen nie eine echte sein. Egal, was die Betrachtenden von außen vielleicht denken“, erklärt Fleur Feijen. Und auch wenn die Preise gesalzen sind, lohnt sich laut Feijen der Schritt zum ledernen Glück. Man zahle nicht nur für die Handwerkskunst der Produktion, die in einem solchen Stück steckt, sondern auch für die Kunst des Brandings, die Geschichte eines solchen Luxushauses, die Fertigungskunst in den Designs und Zeichnungen. „Einige Marken betreiben noch ihre eigenen Ateliers, hier arbeiten die Besten der Besten“, so Feijen. Doch generell sage der Herstellungsort eines Produktes heute nicht mehr viel über seine Qualität aus.
Es kann ein Stück Modegeschichte sein, das man im Regal stehen hat und zusätzlich eine wahre Geldanlage, weiß die Modeexpertin. „Einige Hermès Kelly-Bags sind, wenn sie zusammen mit dem Käufer das Geschäft verlassen, schon das Doppelte wert.“ Ähnlich sieht es aus mit der Hermès Birkin. Sie bedeutet für viele Menschen einen wahren Meilenstein, der Kauf gleicht einer Lebensleistung. Die Tasche ist ein Kultobjekt, steht für Prestige, ist ein Statement, signalisiert Zugehörigkeit.
Einige gefälschte Designertaschen, die heute im Umlauf sind, überraschen selbst Experten mit jahrelanger Erfahrung und Expertise. Die so genannten „Super Fakes“. Jede originale Markentaschen war einst mit einem bestimmten Code versehen, heute sind es oft NFC-Chips (Near Field Communication), aber selbst die werden schon kopiert. Auch Rechnungen sind längst keine Garantie für Echtheit mehr und werden immer realistischer gefälscht, ähnlich steht es um die Verpackungen. Und auch die Qualität der Fälschungen nimmt zu. Bei Turnschuhen finden die Experten ab und an ein gefälschtes Paar, das hochwertiger ist als das Original. Für die imitierten Taschen wird oft kein Lederimitat mehr verwendet, sondern Echtleder, so kann eine Fake-Tasche schnell mal 2.000 € wert sein. Damit ist die fälschlich weit verbreitete Annahme widerlegt, dass Imitate immer billig und daran zu erkennen seien. „Eine der größten Herausforderungen in meinem Job ist, Menschen zu erklären, dass ihre Tasche nicht authentisch ist, obwohl sie fest davon ausgingen, ein Original zu besitzen“, erklärt Fleur Feijen. Und wie steht das Thema künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit Duplikaten? „Gerade durch die KI sind Kopien immer realistischer – die ganz Struktur einer Tasche kann durch die Software erkannt werden. Gleichzeitig hilft KI auch dabei, Fakes auszusortieren. Es hat ein bisschen was von beiden Welten“, sagt Feijen.
Die LOUIS VUITTON Monogram Graffiti Speedy 30 Tasche aus dem Jahr 2001 wird oft kopiert.
Doch wenn wir selbst vor dem Bildschirm sitzen, die Tasche unserer Träume zweidimensional vor uns – worauf können wir achten, um nicht auf ein Imitat hereinzufallen? „Die präsentesten Designer-Taschen und die am meisten kopierten kommen von Chanel, Louis Vuitton und Hermès, und selbst wenn man kein Experte ist, wird man diese Marken und ihre Logos schon einmal wahrgenommen haben. Man wird vielleicht den Font kennen, in der ein Logo gestaltet ist. Sollte man ein Logo in einer der Marke fremden Schrift sehen, ist dies in den aller meisten Fällen ein Fake“, weiß Feijen. „Man sollte auch hier auf sein Bauchgefühl hören. Wenn es sich nicht richtig anfühlt, wenn die Silhouette der Tasche dir fremd vorkommt – lass es sein. Und, ein wichtiges Detail: Schau dir genau an, wie die Tasche verarbeitet ist. Die Nähte müssen sorgfältig und präzise gefertigt sein, ebenso die metallenen Details. Natürlich muss auch der Authentizitäts-Code vorhanden sein“, erklärt Feijen. Was laut Feijen immer mehr auftaucht, sind Fake-Taschen, die niemals von Modehäusern designt wurden. Es sind Mixe aus unterschiedlichen Modellen, die von den Fälschern „erfunden“ werden. Wenn also ein Design auftaucht, dass einem völlig unbekannt scheint, sollte das auch ein Alarmsignal sein. Am wichtigsten ist nach der Expertin, einen vertrauenswürdigen Marktplatz für den Kauf einer Designertasche zu wählen. Dort haben die geschulten Augen der Echtheitsprüfer schon die wichtigsten Verifizierungen vorgenommen.
Oben: Das Original der Chanel Bag Timeless in pink. Unten: Fälschung in schwarz. Foto: Houlux/Catawiki
Die Welle von falschen Originalen ist nicht neu, denn Mode und Taschen gehörten laut Feijen zu den ersten kopierten Produkten. Schon ab dem 19. Jahrhundert erfragte Louis Vuitton Patente für seine Designs. All seine bekannten und beliebten Muster, wie etwa das heute noch viel genutzte „Damier“, wurden imitiert. Und der berühmte LV-Logo-Print ist vermutlich das meistkopierte Mode-Muster der Welt. Wie wehren sich Luxus-Marken heute gegen den Diebstahl ihrer Designs? „Replika werden besser und besser, viele Marken werden zunehmend zurückhaltender mit Informationen. Markeriungscodes werden zu digitalen Chips, diese werden mit einem QR-Code gescannt, so kann man die gesamte Chronik einer Tasche einsehen und zurückverfolgen, wer diese Tasche in der Vergangenheit besessen hat. So hat sie eine spannende Geschichte zu erzählen.“
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