Mit ihrer Y2K-Ästhetik, den radikal ehrlichen Texten, melancholisch poppigem Sound scheint Alessi Rose genau den Zahn der Generation Z zu treffen. Sie wird als der nächste große Stern am Pophimmel gehandelt, von der UK-Presse als „das heißeste neue It-Girl des Pops“ beschrieben. Wir haben mit der Newcomerin gesprochen.
Rüschen, Schleifen, Blümchenprints, Low-Waist-Silhouetten, ultrakurze Röcke und kniehohe Strümpfe: Alessi Rose meistert die aktuelle Y2K-Pop-Diva-Ästhetik mit Bravour. Und auch ihr Sound trifft genau den Sweet Spot zwischen Nostalgie und Gegenwart – und damit den Nerv der Generation Z. Das US-Magazin Billboard kürte sie jüngst zu einer der „15 Rising U.K. and Ireland Acts to Watch in 2025“.
Ihr Sound? Zeitgeistiger Pop mit einer Prise Indie, Alternative und Elektro sowie ehrliche, introspektive Texte. Ihre Einflüsse reichen von Kate Bush und Angie Stone über Madonna und Britney Spears bis hin zu Taylor Swift und Gracie Abrams.
Mit 13 schrieb Alessi Rose bereits Gedichte, verwandelte die Verse später dann in erste Songs am Klavier. An einem uralten iMac eines Freundes ihrer Mutter nahm sie die Songs mit einem gerippten Musikprogramm auf. Trotz der Liebe zur Musik fing die Britin an Englische Literatur zu studieren, arbeitete nebenher in einer Bar. Als sie sich schließlich entschied ihrer Liebe zur Musik voll und ganz nachzugehen, ging alles rasend schnell. 2023 veröffentlichte sie ihre erste Single „say ur mine“, die innerhalb von einer Woche über 40.000 Streams ansammelte. Nicht einmal zwei Jahre später tourt sie mit Dua Lipa durch Europa. Heute ist Alessi Rose 23, hat drei EPs released und begleitet derzeit Tate McRae auf ihrer Tour durch Nordamerika.
Mit ihrer EP „Voyeur“ wollte die Britin die ungefilterte Version jener Geschichten erzählen, die man sonst nur seinen engsten Vertrauten anvertraut. Und so nimmt sie kein Blatt vor den Mund, vertont ihr Oversharing mit melancholischen Sounds. Sie erzählt von Liebe, Begehren und Selbstsabotage, aber auch Freundschaft und der eigene Identität – und das radikal ehrlich. Ihre Texte changieren dabei zwischen poetischer Provokanz („He gives me head while I’ve been losing mine“) und zarter Poesie („I wish I knew you back when I was small, because you make me feel like I’m ten feet tall“). Genau in diesem Kontrast liegt ihre Kraft.
Das Voyeuristische habe zwei Aspekte, erzählt die Singer-Songwriterin. „Einerseits wird das Publikum durch die Musik zu Voyeur:innen, die meine innersten Gedanken und Gefühle erfahren. Zugleich schlüpfe aber auch ich selbst in die Rolle einer Voyeurin, denn ich betrachte meine eigenen Entscheidungen – was ziemlich oft an Selbstsabotage grenzt. Die neue EP sollte sich komplett ungefiltert anfühlen.“
Am 7. November erscheint die Deluxe-Version mit drei neuen Songs. Wir haben mit der Künstlerin über die Musik, die neuen Songs, das Leben auf Tour, ihren Stil und ihre neue Realität gesprochen.
Marie Claire: Vor gerade einmal zwei Jahren haben Sie Ihren allerersten Song veröffentlicht. Dann ging alles rasend schnell: Über 40.000 Streams in einer Woche, ein Vertrag bei Capitol Records, Tourneen mit Dua Lipa und jetzt mit Tate McRae in den USA. Wie fühlt sich Ihr Leben gerade an?
Alessi Rose: Es fühlt sich wirklich unfassbar an, wenn man bedenkt, wie es noch vor zwei Jahren war. Damals habe ich an Weihnachten noch in einem Pub als Kellnerin gearbeitet, bin nach Derby nach Hause gefahren und niemand in meiner Familie wusste so richtig, was ich da eigentlich mache. Jetzt bin ich sechs Monate unterwegs, gehe mit Dua und Tate (Anm. d. Red.: Sie spricht über Dua Lipa und Tate McRae) auf Tour und komme erst an Weihnachten wieder nach Hause. Es ist verrückt, aber ehrlich gesagt das Beste überhaupt. Ich bin sehr ehrgeizig, mein Gehirn funktioniert besser, wenn ich viel arbeite. Dieses Jahr spiele ich insgesamt 108 Shows. Das ist schon heftig für mein erstes richtiges Tourjahr. Aber ich liebe es. Ich würde nichts daran ändern. Es ist wild, wie schnell alles passiert ist. Und es ist unglaublich, von einigen der besten Popstars, die wir haben, unter die Fittiche genommen zu werden. Es ist wirklich ein Traum.
MC: Und wie sieht Ihr Alltag in dieser neuen Realität aus?
A.R.: Er ist sehr abwechslungsreich. Gerade in den USA bin ich an Orten, an denen ich noch nie zuvor war. Also laufe ich gerne herum, erkunde Städte, gehe shoppen oder thriften. Ich bin sehr eng mit meiner Band befreundet, wir hängen ständig zusammen ab. Abends spielen wir die Show, schauen danach oft noch Tate zu. Das fühlt sich jedes Mal wie ein Clubabend an. Aber es gibt auch lustige Tage, an denen wir irgendwo mitten in Nevada landen, während der Busfahrer schläft und wir den ganzen Tag auf einem Parkplatz verbringen, verrückte Sachen bei Walmart kaufen und uns selbst beschäftigen. Es ist nicht so glamourös, wie man denkt, aber es ist der absolute Traum.
MC: Touren Sie immer mit derselben Band?
A.R.: Ja, wir touren im Grunde das ganze Jahr über zusammen. Tom und Stella, mein Gitarrist und meine Schlagzeugerin, sind seit meiner allerersten Tour dabei, das ist wirklich schön. Und Seth, der jetzt mit uns unterwegs ist, ist seit Anfang des Jahres dabei, also der Neueste. Wir sind super eng befreundet, was alles viel einfacher macht, weil man auf Tour natürlich auch mal Heimweh bekommt. Ich bin meiner Familie sehr nah und so lange weg zu sein ist nicht leicht. Aber mit so einem tollen Team fühlt es sich an, als hätte ich eine zweite Familie unterwegs.
MC: In Ihrem Song „First Original Thought“ singen Sie „But you’ll always be you, and I’ll be a star“. Wollten Sie schon immer ein Popstar werden?
A.R.: Ja und nein. Ich war schon als Kind sehr dramatisch, wahrscheinlich übertrieben selbstbewusst, habe bei jeder Familienfeier eine Show performt. Aber meine Familie hat nichts mit Musik zu tun, niemand spielt ein Instrument. Für sie war die Musik mein Hobby. Ich wollte eigentlich Jura studieren, bis mir klar wurde, dass das nicht mein Lebenstraum ist. Ich war im Chor, habe Songs geschrieben, produziert. Also warum das nicht ernsthaft verfolgen? Mit 17 fing ich an, mich selbst zu pushen, Leute zu kontaktieren und ab da hat sich alles verändert. Ich wollte immer jemand sein, den man für ihre Musik kennt, aber es schien lange unerreichbar. Deshalb bin ich froh, dass alles so gekommen ist, wie es kam.
MC: Sie erzählen in Ihrer EP „Voyeur“ als Beobachterin von den verschiedenen Facetten der Liebe: Von Verliebtsein und Romantik, von Sehnsucht und Heuchelei, von Herzschmerz und Enttäuschung. Ihre Texte sind radikal ehrlich, klingen wie Tagebucheinträge. Sind all Ihre Songs autobiographisch?
A.R.: Definitiv. Sie sind alle stark in der Realität verwurzelt. Die Deluxe-Version ist komplett aus dem echten Leben gegriffen. Ich habe früh gelernt, Alltägliches zu romantisieren, Freundschaften, Schuldramen, Jungs, obwohl mein Umfeld eigentlich langweilig war. Heute schreibe ich über ähnliche Dinge: OCD, obsessive Gedanken, Unbehagen. Themen, die unangenehm sind, aber die auch viele kennen. Ich führe selbst kein Tagebuch, aber Songs zu schreiben ist wohl mein Weg, Dinge festzuhalten. Ich liebe es, ehrliche, manchmal unbequeme Texte in Popmusik zu packen. Denn Pop neigt dazu, Dinge zu romantisieren. Ich versuche sie eher zu ent-romantisieren. Ich sage Dinge ganz direkt, manchmal fast unangenehm ehrlich, aber eben in einem Popsong. Ich mag es, wenn Leute bei bestimmten Zeilen denken: „Moment, hat sie das wirklich gesagt?“.
MC: In der Voyeur-EP waren sie ungefiltert ehrlich, bald erscheint die Deluxe Version. Was erwartet uns?
A.R.: Die neuen Songs sind deutlich poppiger. Ich habe sie in L.A. geschrieben, nachdem „Voyeur“ fertig war. Sie sind inspiriert von Madonna, Britney Spears, Gwen Stefani, 80s- und 90s-Pop. Ich wollte sehen, wie es klingt, wenn ich musikalisch mehr in Richtung Pop gehe, die Texte aber weiterhin roh und unangepasst bleiben. Ich hatte gar nicht geplant, eine Deluxe-Version zu machen, aber die neuen Songs haben sich so organisch ergeben, sie machen das Gesamtbild runder. Alle drei sind energiegeladene Pop-Songs.
MC: Sie bezeichnen sich selbst als Oversharerin. Wann behalten Sie Dinge lieber für sich?
A.R.: Es gibt definitiv Dinge, die ich privat halte. Meine Fans sind zwar meine Safe Zone, aber online gibt es viele Menschen, die glauben, sie wüssten mehr über mich, als sie tun. Ich habe schon viel Falsches über mich gelesen. Deshalb bewahre ich manches nur für mich. Kleine Dinge, die niemand wissen muss. Ich bin von Natur aus eine Oversharerin, aber es ist schön, ein paar Dinge für sich zu behalten.
MC: Würden Sie sagen, dass Sie ein eher extrovertierter oder introvertierter Typ sind?
A.R.: Es gibt absolut nichts Introvertiertes an mir. Ich bin zu 100 Prozent extrovertiert.
MC: Großbritannien hat unzählige Musiklegenden hervorgebracht. Gibt es Künstler:innen, die Sie besonders geprägt oder inspiriert haben?
A.R.: Ich liebe Kate Bush, ihre Stimme, ihren Mut, ihre Produktion. Als Teenager habe ich sie entdeckt und seitdem beeinflusst sie mich sehr. Manche Songs wie „Falling Forever“ tragen Spuren davon. Madonna ist mein größtes Vorbild. Nicht nur musikalisch, sondern auch als Performerin und visuelle Künstlerin. Sie hat mir gezeigt, dass man eine klare Vision haben darf, auch wenn man weit weg vom Musikbusiness aufgewachsen ist.
MC: Ihre eigene visuelle Präsenz ist selbstbewusst, sinnlich und gleichzeitig verspielt, sie spielen offen mit Weiblichkeit und Verführung. Was möchten Sie damit ausdrücken?
A.R.: Ich bin sehr selbstbewusst in meiner Performance. Ich weiß, dass ich vielleicht nicht immer die Talentierteste im Raum bin, aber ich kann ein Publikum unterhalten. Natürlich bewegt sich das manchmal an der Grenze zur Sinnlichkeit, was manche Leute stört. Aber meine Musik geht ja genau darum, Dinge zu ent-romantisieren und einfach so zu zeigen, wie sie sind. Eine junge Frau kann sexy, selbstbewusst und stark sein und eine Bühne allein für sich einnehmen. Ich liebe es, wenn Mädchen bei meinen Shows gemeinsam singen, sich frei fühlen. Es ist schön, Teil einer positiven Gemeinschaft zu sein, in der Menschen zusammenkommen, um für etwas einzustehen. Nämlich, dass man stark und kraftvoll sein kann, ohne jemand anderem zu schaden.
MC: Wie würden Sie Ihren Kleidungsstil selbst beschreiben?
A.R.: Feminin, aber leicht schräg und ein bisschen chaotisch, aber auch dramatisch. Ich liebe es, Muster zu mixen, verrückte Dinge zu tragen. Mode war für mich schon immer eine Form des Ausdrucks, besonders weil es in meiner Heimatstadt wenig Möglichkeiten dazu gab. Ich finde es schön, bei Shows Menschen zu sehen, die sich ähnlich anziehen wie ich.
MC: Vielleicht sogar ein kleiner „Ich hab’s geschafft“-Moment?
A.R.: Ja und es macht meinen Eltern ein bisschen Angst. Sie sagen dann immer: „Warum sind plötzlich alle angezogen wie unsere Tochter? Das ist ja verrückt! Wir haben ihr doch früher gesagt, sie soll sowas nicht anziehen. Was ist da los?“ Aber ehrlich gesagt finde ich das einfach nur total süß. Es zeigt mir, dass die Leute mich wirklich verstehen und verstehen, worum es bei all dem geht
MC: Marie Claire möchte Frauen eine Stimme geben. Was wollen Sie unseren Leser:innen gerne mit auf den Weg geben?
A.R.: Es wird immer jemanden geben, der dich unterschätzt. Aber ich glaube fest daran, dass man alles schaffen kann, wenn man sich wirklich darauf fokussiert. Also: Träumt so groß, wie ihr wollt und habt keine Angst, euch durchzusetzen. Auch nicht, weil ihr Frauen seid. Wenn ihr wüsstet, was ihr erreichen könntet, würdet ihr so viel einfordernder sein.
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