L’Oréal, die Deutsche UNESCO-Kommission und das Deutsche Humboldt-Netzwerk haben am Mittwochabend in Düsseldorf vier Nachwuchsforscherinnen ausgezeichnet. Marie Claire war dabei
Unter 30 Prozent. So hoch ist der Frauenanteil in der Wissenschaft in Deutschland, einer der niedrigsten Werte Europas. Am Mittwochabend standen im Düsseldorfer Schauspielhaus vier Frauen auf der Bühne, die zu diesen knapp 30 Prozent gehören – und die zeigen, wie viel Potenzial in den fehlenden 70 liegt.
Rund 150 Gäste aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur waren zur Verleihung des L’Oréal UNESCO „For Women in Science“-Förderpreises gekommen, durch den Abend führte Arabella Kiesbauer. Ausgezeichnet wurden vier Frauen, die an deutschen Universitäten und Instituten forschen – von Stuttgart über Dresden und Eichstätt-Ingolstadt bis Straubing.
Jeweils 25.000 Euro gingen an:
Auf der Bühne standen an diesem Abend nicht nur die Preisträgerinnen. Ein paar von ihnen hatten ihre Kinder dabei, und mindestens eine stemmt Forschung und Familie allein. Dieses Bild sagte mehr über die Realität wissenschaftlicher Karrieren als jede Statistik: Vereinbarkeit ist hier kein Nebenthema, sondern die Bedingung, unter der diese Arbeit überhaupt stattfindet.
Genau an dieser Stelle brechen in Deutschland überdurchschnittlich viele Laufbahnen ab- und zwar die von Frauen.
Der Frauenanteil in der Wissenschaft liegt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt weiterhin bei unter 30 Prozent – einer der niedrigsten Werte im europäischen Vergleich. Und je weiter man in der akademischen Hierarchie nach oben schaut, desto dünner wird die Luft.
Schirmherrin Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, brachte es in ihrer Videobotschaft auf den Punkt: Der Weg vor uns sei weiterhin lang, und je höher es hinaufgehe, desto weniger Frauen gebe es.
Elke Bogner, Vorsitzende des Deutschen Humboldt-Netzwerks, das als akademischer Partner die Auswahl der Preisträgerinnen verantwortet, ergänzte einen Punkt, der im Moment besonders wiegt: Angesichts der wirtschaftlichen Lage sei das Wissenschaftssystem von erheblichen Einsparungen betroffen – umso wichtiger sei die gezielte Unterstützung von Wissenschaftlerinnen.
Das Programm gibt es seit 1998, initiiert von der L’Oréal Stiftung und der UNESCO, seit 2007 auch in Deutschland. Weltweit sind über 4.700 Wissenschaftlerinnen ausgezeichnet worden, sieben von ihnen erhielten später den Nobelpreis – darunter Katalin Karikó, ohne deren Arbeit es die mRNA-Impfstoffe nicht gäbe, und Emmanuelle Charpentier, Mitentwicklerin der CRISPR-Genschere. In Deutschland ging der Förderpreis bislang an mehr als 50 Nachwuchsforscherinnen.
Der Preis setzt an einer Schlüsselstelle der Karriere an: dort, wo Frauen statistisch am häufigsten aussteigen. Er bringt Geld, ein internationales Netzwerk – und Sichtbarkeit. Genau die fehlt oft am meisten.
Unter den Gästen waren unter anderem Modedesigner Guido Maria Kretschmer, Karriere-Mentorin und „Machtgebiete“-Autorin Christina Sontheim-Leven sowie Zukunftsforscherin Prof. Anabel Ternès von Hattburg. Nach der Verleihung blieben die meisten noch lange – und es entstanden genau die Gespräche, für die solche Abende gemacht sind: zwischen Forscherinnen, Mentorinnen und Frauen aus Wirtschaft, Medien und Politik, die sich sonst selten im selben Raum begegnen.
Sichtbarkeit entsteht nicht allein durch einen Preis. Sie entsteht auch dadurch, dass Frauen einander kennen, empfehlen und weiterreichen. Vier Preisträgerinnen sind ein Anfang. Bis der Anteil von unter 30 Prozent nicht mehr die Nachricht ist, braucht es viele solcher Abende.
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