WOT Newsletter · September 2026

Nena Brockhaus, Gründerin von WoMen on Top, Porträt in rundem Ausschnitt vor orangefarbenem Hintergrund
Nena Brockhaus, Gründerin von WoMen on Top (WoT). Foto: WOT Media

Träumen Sie groß: Was Haribo-Gründer Hans Riegel uns über Mut lehrt

Wann haben Sie das letzte Mal richtig groß geträumt? Nena Brockhaus über Haribo-Gründer Hans Riegel, die Krabbentopf-Theorie und den Mut, die Freiheit über die Sicherheit zu stellen.

 Liebe Neugierige,

wann haben Sie das letzte Mal geträumt? Ich meine so richtig groß geträumt? Die Ratschläge der Menschen um Sie herum in den Wind geschossen und Ihr eigenes Ding gemacht? Wann haben Sie die Freiheit über die Sicherheit gestellt und gewonnen? Sei es im Berufsleben oder in der Liebe? 

Historisches Haribo-Plakat mit dem Goldbären in Gelb und Blau
Der Goldbär wurde nach dem Krieg zum Symbol des Haribo-Aufschwungs. Foto: WOT Media

Hans Riegel: Der Traum von der eigenen Süßwarenfabrik

Haribo-Gründer Hans Riegel hat das sein Leben lang gemacht. In einer Zeit, in der die Arbeiterschicht nicht gefragt wurde, was sie will. In der der Spruch „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ an der Tagesordnung war. Der Sohn des Bauern wurde eben Bauer. War der Vater auf dem Bau, ging man selbst auf den Bau.

Die Härte dieser Zeit wird im neuen Roman „Haribo“ eindringlich beschrieben: „Er ist der Sohn vom Chef, und du bist nur der Arbeitsjunge. Unsereins kommt nicht nach oben. Wir sind das Bestimmen nicht gewohnt, mein Junge. Eduard Meier schon. Wir müssen tun, was uns gesagt wird.“

Hans Riegel war das nicht genug. Er träumte von einer eigenen Süßwarenfabrik. Davon, die Enge seiner Gesellschaftsschicht hinter sich zu lassen, in die Welt hinauszuziehen und aus seinem Leben etwas Besonderes zu machen. In einer Zeit, in der Sicherheit lebensnotwendig war, nahm er sich die Freiheit, seinen Traum zu leben. Ein eigenes Badezimmer galt damals als größter Luxus. Hans Riegel aber war von etwas anderem besessen: Bonbons.

Historisches Schwarz-Weiß-Porträt von Haribo-Gründer Hans Riegel
Hans Riegel gründete Haribo 1920 in Bonn – mit einem Sack Zucker. Foto: WOT Media

Nie wieder wollte er wie im Krieg sinnlosen Befehlen folgen. Er wollte sein eigener Herr sein. So gründete er 1920 Haribo. Mit einem Sack Zucker. Von seinem Ersparten. Und er suchte sich die richtige Gefährtin. Seine Frau Gertrud war seine erste Angestellte, die ihrer Mutter auf die Aussage „Liebe vergeht. Acker besteht“ geantwortet haben soll: „Ich glaube an Hans.“ Sie verpackte seine ersten Bonbons und fuhr sie mit dem Fahrrad aus. Am Ende siegte er. Und sie. Was aus Haribo geworden ist, ist Geschichte.

Historisches Schwarz-Weiß-Porträt von Gertrud Riegel, Ehefrau von Hans Riegel und erste Angestellte von Haribo
Gertrud Riegel war Hans Riegels erste Angestellte – und glaubte an ihn. Foto: WOT Media

Wenn Hans Riegel das geschafft hat, in einer Zeit, in der sein Traum utopisch war: Was können wir, die Glückseligen, die im Jahr 2026 leben, erreichen? Wie viel größer dürfen wir träumen? Und warum tun das so wenige? Diese Frage beschäftigt mich nicht erst, seitdem ich mich beim Lesen in den Roman „Haribo“ verliebte.

Wieso leben wir den Menschen um uns herum nicht stärker vor, dass sie nach den Sternen greifen sollen? Warum bekommen wir in unserer Gesellschaft nicht das „Kiss the Sky“-Lebensgefühl etabliert? Wenn Hans Riegel seinen Traum verwirklichen konnte, in einer Zeit, in der er utopisch erschien: Was können dann wir erreichen, die wir das Glück haben, im Jahr 2026 zu leben? Wie viel größer dürfen wir träumen? Und warum tun wir es nicht?

Ein Grund: Hans Riegel hatte eine Frau an seiner Seite, die voller Leidenschaft an ihn glaubte. Und eine Mutter, die ihn unterstützte, soweit sie das konnte. Auch sein Bruder half ihm. Und er hatte einen Vater, der ihn zwar nicht verstand, aber auch nicht aufhielt. Im Roman klingt das so: „Du bist anders, Hans. Du hast den Mut, etwas anzufangen, was in unserer Familie noch nie jemand gemacht hat. Ich wünsch dir Glück. Hoffentlich ist Gott wirklich mit den Mutigen. Aber wenn es einer schafft, dann du.“ Sein Umfeld hat Riegel wachsen lassen. Leider erleben zu viele Menschen auch das Gegenteil: ein Umfeld, das sie zurückhält. Sagt Ihnen die Krabbentopf-Theorie was?

Historische Haribo-Werbeanzeige mit dem Slogan „macht Kinder froh“
Historische Haribo-Werbung: „macht Kinder froh!“ Foto: WOT Media

Die Krabbentopf-Theorie: Wer hält Sie zurück?

Der Krabbenkorb wird oft als Metapher verwendet für das Verhalten „Wenn ich es nicht haben kann, kannst du es auch nicht haben“. Hintergrund: Den Krabben wird nachgesagt, dass sie einfach aus einem Krabbenkorb entkommen könnten. Wenn eine Krabbe allerdings versucht, aus dem Korb auszusteigen, würde sie von den anderen Krabben wieder zurückgezogen.

Horchen Sie einmal in sich rein: Ist Ihnen das noch nie passiert? Es kann banal sein: Sie wollen einen Abend nichts trinken und schon fangen die Menschen um Sie herum an, Sie zu überreden. Im Krabbenkorb sitzt es sich halt gemütlicher, wenn alle betrunken sind.

Illustration: Krabben ziehen eine Krabbe, die aus dem Korb klettern will, wieder zurück
Die Krabbenkorb-Theorie: Wer aussteigen will, wird von den anderen zurückgezogen. Illustration: WOT Media

Oder Sie träumen von der Selbstständigkeit, während alle um Sie herum Sie an Ihre Lebensstelle erinnern? Wir alle sind die Summe der fünf Menschen, mit denen wir am meisten Zeit verbringen. Wir sollten also aufpassen, dass wir nicht von Krabben umgeben sind, die unser Wachstum aufhalten wollen und uns zu sich wieder herunterziehen wollen.

Spannend ist die Krabbentopf-Theorie auch mit Blick auf die beruflichen Aufstiegschancen von Frauen. So fühlten sich Frauen nach einer Umfrage der German Consulting Group vor allem von ihren Kolleginnen auf dem Karriereweg behindert. Eine bittere Wahrheit, die aber auch ich in der Realität zu oft mitangesehen habe. Solange beide auf derselben Stufe standen, wurde nach außen Sisterhood gelebt. Doch kaum wurde eine befördert, hieß es: Warum die denn? Und nicht ich?

Träumen Sie groß – so groß Sie können

Wir brauchen Menschen, die uns wachsen lassen. Und wir brauchen eine Gesellschaft, durch die wieder ein Ruck geht. Zurück zum Leistungsglück. Es fehlt an leidenschaftlichen Diskussionen und visionären Gedanken. Deswegen möchte ich Ihnen heute zurufen: Träumen Sie groß! So groß Sie können! Lassen Sie sich nicht beirren, und wenn Sie die Zeit finden, lesen Sie den Roman „Haribo“, Band eins und Band zwei. Die Lektüre wird etwas mit Ihnen machen. Das verspreche ich Ihnen.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie sich alles zutrauen. Dass Sie keine Angst haben, Ihre Träume zu leben. Und dass Sie sich vor den Krabben in Ihrem Leben in Acht nehmen, die Sie zurückziehen wollen. Unabhängig davon, ob das aus Angst, Gewohnheit oder Neid entsteht.

Schließen möchte ich diesen monatlichen Brief an Sie mit den Worten von Patti Smith: „Never let go of that fiery sadness called desire!“

Ihre Nena Brockhaus

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