Lara Sophie Bothur über die Psychologie der Technologie und warum manche Roboter eigentlich so aussehen wie wir Menschen
es ist gerade 23:25 Uhr abends und ich sitze noch am Laptop. Auf der einen Seite muss ich Mails beantworten, auf der anderen Seite denke ich über die größeren Themen unsere Zukunft nach. Und zweiteres lässt mich Outlook schließen und meine Notiz-App öffnen, um euch zu schreiben.
Ich frage mich in letzter Zeit immer häufiger, was eigentlich die Psychologie hinter Technologie ist. Denn je mehr wir über KI lernen, desto mehr lernen wir über uns selbst …
Je mehr wir anfangen, uns mit Künstlicher Intelligenz, Robotern oder digitalen Assistenten zu beschäftigen, desto weniger sprechen wir plötzlich über Maschinen und desto mehr ÜBER UNS SELBST!
Vielleicht ist das gar kein Zufall … Denn Technologie zwingt uns dazu, uns selbst zu beobachten.
Je tiefer ich in meinem Studium der Tech-Psychologie eintauchte, desto klarer wurde mir: Hinter fast jeder technologischen Entwicklung steckt eigentlich eine psychologische Frage.
Nicht zuerst eine technische.
Stell dir vor, du kaufst einen Haushaltsroboter …
Er räumt auf. Er kocht. Er spricht. Er lächelt.
Die Frage ist nur: Wie sollte er aussehen?
Würdest du lieber einen zwei Meter großen Roboter in deiner Küche stehen haben? Oder einen kleinen, der ungefähr so groß ist wie dein Kind?
Gibt es Unterschiede?
Interaktionen mit Kindern = Kleiner Roboter
Interaktionen mit Erwachsenen = Großer Roboter
Genau mit solchen Fragen beschäftigt sich die Forschung rund um das sogenannte “Uncanny Valley”.
Je menschenähnlicher ein Roboter aussieht, desto sympathischer wirkt er zunächst. Bis zu einem bestimmten Punkt …
Kurz bevor er vollkommen menschlich erscheint, kippt unsere Wahrnehmung.
Er wirkt plötzlich UNHEIMLICH.
Unser Gehirn erkennt kleinste Abweichungen – einen starren Blick, eine minimale Verzögerung beim Blinzeln oder Bewegungen, die einfach nicht ganz menschlich wirken.
Nicht die Technologie entscheidet also darüber, ob wir einen Roboter akzeptieren. Sondern unsere Psychologie.
Technologie nimmt uns schon lange Arbeit ab.
Früher mussten wir Telefonnummern auswendig kennen.
Heute übernimmt das unser Smartphone.
Früher mussten wir uns Wege merken.
Heute führt uns Google Maps.
Und jetzt?
KI schreibt unsere E-Mails. Sie fasst Meetings zusammen. Sie brainstormt. Sie beantwortet Fragen. Sie kocht. Die gibt Dating-Tipps. Sie ist unser Arzt und Anwalt to go. Sie denkt mit.
Die spannende psychologische Frage lautet deshalb nicht: Wie intelligent wird KI?
Sondern: Was passiert mit unserem eigenen Denken, wenn wir immer weniger selbst denken müssen?
Verlieren wir Fähigkeiten?
Oder gewinnen wir Raum für Kreativität?
Vielleicht verändert KI nicht zuerst unsere Arbeit.
Vielleicht verändert sie aber unser Gehirn.
Je intelligenter Technologie wird, desto häufiger muss sie Entscheidungen treffen.
Und plötzlich merken wir etwas Überraschendes:
Die schwierigsten Fragen sind gar keine technischen. Sondern die Menschlichen.
Es gibt auf diese Fragen keine objektiv richtige Antwort. Denn sie handeln nicht von Technologie.
Sie handeln von Moral.
Von Empathie.
Von unseren Werten.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Revolution der KI …
Wir müssen plötzlich definieren, welche menschlichen Werte wir ihnen mitgeben möchten.
Vielleicht hast du dich auch schon einmal bei ChatGPT bedankt.
Oder dich bei Alexa entschuldigt.
Oder deinem Auto einen Spitznamen gegeben.
Meins hieß schon mal “Eisprinzessin” – don’t judge me!
Psychologen nennen das Anthropomorphisierung.
Wir schreiben Maschinen menschliche Eigenschaften zu. Und genau deshalb stelle ich mir manchmal ganz bewusst Fragen, wie:
Vielleicht keine romantischen. Aber emotionale? Oder vielleicht doch romantisch? Geht das überhaupt? Darf man das? Wie kann das passieren?
“Und dann liebte sie ihren Roboter”. Echt jetzt?
Nicht weil Maschinen Gefühle haben, aber WIR!
Ich stelle mir manchmal ganz bewusst Fragen, auf die heute niemand eine Antwort hat.
Werden unsere Kinder eines Tages überrascht fragen:
“Mama, du hast mich wirklich selbst ausgetragen?”
Heute klingt das nach Science-Fiction. Aber viele Technologien, die heute selbstverständlich sind, klangen vor wenigen Jahren genauso.
Die spannendere Frage lautet deshalb gar nicht, ob all das technisch möglich wird.
Sondern:
Ich finde Tech-Psychologie sehr faszinierend.
Denn wenn ich Technologien übersetzen möchte, reicht es nicht zu verstehen, wie sie funktionieren. Ich muss verstehen, wie sich Menschen damit fühlen.
Welche Hoffnungen sie auslösen, welches Ängste, welche Erwartungen und welche Fragen.
Vielleicht ist das die größte Erkenntnis meines Studiums:
Je mehr wir über Technologie lernen, desto mehr kommen wir immer wieder bei uns selbst an.
Ich sage es immer wieder:
KI ist ein Spiegel unserer selbst.
Und manchmal wissen wir gar nicht, ob uns gefällt, was wir darin sehen. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, uns zu fragen:
Wer wollen wir als Menschen in dieser Zukunft eigentlich sein?
Gute Nacht
Deine Lara
P.S.: Nächstes Mal erzähle ich euch, wie es war, meinen absoluten Lieblings-Tech-CEO zu treffen: Jensen Huang und warum ich glaube, dass er einer der spannendsten Zukunftsdenker unserer Zeit ist.
Und bis dahin freue ich mich, wenn du mir auf LinkedIn folgst!
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