Tech Diary – vierter Eintrag

Lara Sophie Bothur über die Psychologie der Technologie und warum manche Roboter eigentlich so aussehen wie wir Menschen

Liebes Tech-Tagebuch,

es ist gerade 23:25 Uhr abends und ich sitze noch am Laptop. Auf der einen Seite muss ich Mails beantworten, auf der anderen Seite denke ich über die größeren Themen unsere Zukunft nach. Und zweiteres lässt mich Outlook schließen und meine Notiz-App öffnen, um euch zu schreiben.

Ich frage mich in letzter Zeit immer häufiger, was eigentlich die Psychologie hinter Technologie ist. Denn je mehr wir über KI lernen, desto mehr lernen wir über uns selbst …

Je mehr wir anfangen, uns mit Künstlicher Intelligenz, Robotern oder digitalen Assistenten zu beschäftigen, desto weniger sprechen wir plötzlich über Maschinen und desto mehr ÜBER UNS SELBST!

  • ⁠ ⁠Was macht den Menschen eigentlich aus?
  • ⁠ ⁠Wo endet die Maschine?
  • ⁠ ⁠Und warum stellen wir genau diese Fragen erst jetzt?

Vielleicht ist das gar kein Zufall … Denn Technologie zwingt uns dazu, uns selbst zu beobachten.

Je tiefer ich in meinem Studium der Tech-Psychologie eintauchte, desto klarer wurde mir: Hinter fast jeder technologischen Entwicklung steckt eigentlich eine psychologische Frage.

Nicht zuerst eine technische.

Trend 1: Das Uncanny Valley

Warum uns fast menschlich Angst macht

Stell dir vor, du kaufst einen Haushaltsroboter …

Er räumt auf. Er kocht. Er spricht. Er lächelt.

Die Frage ist nur: Wie sollte er aussehen?

Würdest du lieber einen zwei Meter großen Roboter in deiner Küche stehen haben? Oder einen kleinen, der ungefähr so groß ist wie dein Kind?

Gibt es Unterschiede?

Interaktionen mit Kindern = Kleiner Roboter

Interaktionen mit Erwachsenen = Großer Roboter

Genau mit solchen Fragen beschäftigt sich die Forschung rund um das sogenannte “Uncanny Valley”.

Je menschenähnlicher ein Roboter aussieht, desto sympathischer wirkt er zunächst. Bis zu einem bestimmten Punkt …

Kurz bevor er vollkommen menschlich erscheint, kippt unsere Wahrnehmung.

Er wirkt plötzlich UNHEIMLICH.

Unser Gehirn erkennt kleinste Abweichungen – einen starren Blick, eine minimale Verzögerung beim Blinzeln oder Bewegungen, die einfach nicht ganz menschlich wirken.

Nicht die Technologie entscheidet also darüber, ob wir einen Roboter akzeptieren. Sondern unsere Psychologie.

Trend 2: Cognitive Offloading

Was passiert, wenn KI für uns denkt?

Technologie nimmt uns schon lange Arbeit ab.

Früher mussten wir Telefonnummern auswendig kennen.

Heute übernimmt das unser Smartphone.

Früher mussten wir uns Wege merken.

Heute führt uns Google Maps.

Und jetzt?

KI schreibt unsere E-Mails. Sie fasst Meetings zusammen. Sie brainstormt. Sie beantwortet Fragen. Sie kocht. Die gibt Dating-Tipps. Sie ist unser Arzt und Anwalt to go. Sie denkt mit.

Die spannende psychologische Frage lautet deshalb nicht: Wie intelligent wird KI?

Sondern: Was passiert mit unserem eigenen Denken, wenn wir immer weniger selbst denken müssen?

Verlieren wir Fähigkeiten?

Oder gewinnen wir Raum für Kreativität?

Vielleicht verändert KI nicht zuerst unsere Arbeit.

Vielleicht verändert sie aber unser Gehirn.

Trend 3: Moral Machines

Welche Werte geben wir Maschinen mit?

Je intelligenter Technologie wird, desto häufiger muss sie Entscheidungen treffen.

Und plötzlich merken wir etwas Überraschendes:

Die schwierigsten Fragen sind gar keine technischen. Sondern die Menschlichen.

  • ⁠ ⁠Wenn ein autonomes Fahrzeug in einen unvermeidbaren Unfall gerät – wen schützt es?
  • ⁠ ⁠Wenn ein Pflegeroboter weiß, dass sein Besitzer schwer krank ist – sagt er immer die Wahrheit? Oder schützt er ihn, indem er die Wahrheit bewusst etwas sanfter formuliert?
  • ⁠ ⁠Soll ein Roboter lügen, wenn er dadurch einen Menschen emotional schützt?
  • ⁠ ⁠Soll eine KI widersprechen, wenn sie glaubt, dass wir gerade einen Fehler machen?
  • ⁠ ⁠Oder soll sie uns einfach nur unterstützen?

Es gibt auf diese Fragen keine objektiv richtige Antwort. Denn sie handeln nicht von Technologie.

Sie handeln von Moral.

Von Empathie.

Von unseren Werten.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Revolution der KI …

Wir müssen plötzlich definieren, welche menschlichen Werte wir ihnen mitgeben möchten.

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Trend 4: Anthropomorphisierung

Warum wir Maschinen vermenschlichen

Vielleicht hast du dich auch schon einmal bei ChatGPT bedankt.

Oder dich bei Alexa entschuldigt.

Oder deinem Auto einen Spitznamen gegeben.

Meins hieß schon mal “Eisprinzessin” – don’t judge me!

Psychologen nennen das Anthropomorphisierung.

Wir schreiben Maschinen menschliche Eigenschaften zu. Und genau deshalb stelle ich mir manchmal ganz bewusst Fragen, wie:

  • ⁠ ⁠Was passiert eigentlich, wenn ein Roboter jeden Abend unsere Lieblings-Spaghetti Arrabbiata kocht?
  • ⁠ ⁠Wenn er merkt, wann wir traurig sind?
  • ⁠ ⁠Wenn er mit uns spricht und uns berät?
  • ⁠ ⁠Wenn er uns jeden Morgen begrüßt?
  • ⁠ ⁠Bauen wir dann Beziehungen auf?

Vielleicht keine romantischen. Aber emotionale? Oder vielleicht doch romantisch? Geht das überhaupt? Darf man das? Wie kann das passieren?

“Und dann liebte sie ihren Roboter”. Echt jetzt?

Nicht weil Maschinen Gefühle haben, aber WIR!

Die eigentlichen Zukunftsfragen

Ich stelle mir manchmal ganz bewusst Fragen, auf die heute niemand eine Antwort hat.

  • ⁠ Brauchen wir irgendwann Garagen für Roboter, weil wir sie nicht dauerhaft bei uns wohnen lassen möchten?
  • ⁠ ⁠Oder werden sie ganz selbstverständlich Teil unserer Familie?

Werden unsere Kinder eines Tages überrascht fragen:

“Mama, du hast mich wirklich selbst ausgetragen?”

Heute klingt das nach Science-Fiction. Aber viele Technologien, die heute selbstverständlich sind, klangen vor wenigen Jahren genauso.

Die spannendere Frage lautet deshalb gar nicht, ob all das technisch möglich wird.

Sondern:

  • ⁠ ⁠Wollen wir das überhaupt?
  • ⁠ ⁠Wo ziehen wir unsere Grenzen?
  • ⁠ ⁠Welche Beziehung möchten wir mit Technologie eingehen?
  • ⁠ ⁠Und welche Dinge sollen für immer menschlich bleiben?

Ich finde Tech-Psychologie sehr faszinierend.

Denn wenn ich Technologien übersetzen möchte, reicht es nicht zu verstehen, wie sie funktionieren. Ich muss verstehen, wie sich Menschen damit fühlen.

Welche Hoffnungen sie auslösen, welches Ängste, welche Erwartungen und welche Fragen.

Vielleicht ist das die größte Erkenntnis meines Studiums:

Je mehr wir über Technologie lernen, desto mehr kommen wir immer wieder bei uns selbst an.

Ich sage es immer wieder:

KI ist ein Spiegel unserer selbst.

Und manchmal wissen wir gar nicht, ob uns gefällt, was wir darin sehen. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, uns zu fragen:

Wer wollen wir als Menschen in dieser Zukunft eigentlich sein?

Gute Nacht

Deine Lara

P.S.: Nächstes Mal erzähle ich euch, wie es war, meinen absoluten Lieblings-Tech-CEO zu treffen: Jensen Huang und warum ich glaube, dass er einer der spannendsten Zukunftsdenker unserer Zeit ist.

Und bis dahin freue ich mich, wenn du mir auf LinkedIn folgst!

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