Lara Sophie Bothur auf der South by Southwest in Austin, Texas
ich sitze hier gerade am Flughafen in Amsterdam. Vor mir starten Flugzeuge. Neben mir mein Matcha Latte, an den ich mich seit Amerika ein bisschen zu sehr gewöhnt habe.
Und ich nutze die Zeit, um endlich mal innezuhalten. Zu reflektieren. Und dir zu schreiben, was eigentlich so die letzten Tage passiert ist.
Ich komme im Airbnb an und treffe das erste Mal auf meine Filmcrew. Dieses Mal verfilmen wir sogar meinen Alltag als Tech-Translatorin und Influencerin.
Für mich sehr besonders, weil ich sonst immer alleine reise und diesmal umgeben bin von einer Filmcrew.
Ich komme an in Austin, Texas für die South by Southwest.
Austin könnte das nächste Silicon Valley werden.
Texas hat keine State Income Tax und war deutlich entspannter rund um Corona. Deshalb ziehen gerade viele Unternehmen dorthin.
→ Apple baut einen Milliarden-Campus (15.000 neue Jobs)
→ Tesla hat dort eine neue Gigafactory
→ Oracle hat sein Headquarter verlegt
→ Meta, Google und Amazon bauen Tech-Teams auf
Über 5.000 Tech-Unternehmen, 1.500 Start-ups.
Die South by war in 1987 ursprünglich ein Musikfestival und ist heute ein Tech- und Business-Event mit mehr als 300.000 Besuchern in der Stadt.
Und ich war weder jemals in Austin noch auf dieser Konferenz.
Aber schon nach den ersten Tagen merke ich:
Es ist weniger Tech und viel mehr Entertainment.
Und genau das macht es irgendwie spannend.
Es ist kein klassisches Event. Es ist ein Ort, an dem ganz viele Disziplinen zusammenkommen:
Musik, Entertainment, Innovation und Technologie.
Und für mich war genau das besonders, weil es mal nicht so tech-lastig war. Normalerweise bin ich auf Events wie der Hannover Messe oder der CES – sehr tief drin, sehr fokussiert, sehr durchgetaktet.
Ich hatte keine festen Aufträge. Ich konnte mit Menschen connecten. Zuhören.
Und mir vor allem auch einfach mal Dinge anhören, ohne direkt in den nächsten Termin zu müssen.
Ein fast schon ungewohnt entspanntes Wochenende.
Und die Stadt … Austin war super lebendig.
Überall Cafés, Musik. Diese amerikanischen, flachen Häuser. Cowboyhüte – habe mir nur einen für’s Foto geliehen, dafür kann man richtig Geld lassen. Leuchtende Schilder an den Straßen.
So eine Mischung aus Tradition und Aufbruch.
Und genau das hat sich auch in den Inhalten gespiegelt.
Fragen wie:
→ Wohin entwickelt sich Schauspiel?
→ Was passiert mit Musik durch Künstliche Intelligenz (KI)?
→ Wie sehen Filme der Zukunft aus?
Und dann eine Keynote, die alles nochmal auf eine andere Ebene gehoben hat:
Amy Webb.
Sie ist Zukunftsforscherin und schaut sich über 700 Technologien und Future Signals an.
Während wir oft noch überlegen, was KI eigentlich bedeutet und wie wir sie in unser Business und Alltag implementieren, denkt sie diese Entwicklungen weiter … VIEL WEITER.
Und das fühlt sich manchmal fast unwirklich an.
1. Living Intelligence
Ich musste selbst kurz sortieren, weil ich erst dachte, es geht um Brain-Computer-Interfaces …
Aber eigentlich geht es um etwas ganz anderes.
Wissenschaftler:innen gewinnen aktuell aus Blutzellen sogenannte Stammzellen, programmieren sie im Labor zu Nervenzellen um und setzen sie auf einen Chip.
Diese Neuronen werden über elektrische Signale mit einem Computersystem verbunden.
Das System funktioniert so: Der Computer übersetzt Informationen – zum Beispiel aus einem Spiel – in elektrische Signale.
Die Zellen reagieren darauf. Und ihre Reaktionen werden wieder in Aktionen zurück übersetzt.
So lernen diese Nervenzellen Schritt für Schritt.
Es sind quasi: Biologische Computer.
Und das Spannende daran ist nicht nur, dass es funktioniert, sondern warum es relevant ist:
Unsere heutigen KI-Systeme brauchen EXTREM viel Energie.
Und genau hier könnten biologische Systeme überlegen sein – vor allem beim Lernen und Entscheiden in komplexen Umgebungen.
Das heißt: Wir könnten in Zukunft energieeffizientere Datenzenter bauen.
Was sich komplett absurd anhört … aber gleichzeitig einer der spannendsten Trends ist.
Verrückte Welt!!
Ist das erlaubt? Wessen Blutzellen werden da genutzt? Welche ethischen Fragen sollten wir hier stellen?
2. Emotional Outsourcing
Dieser Trend hat mich wahrscheinlich am meisten beschäftigt, weil er nicht erst in der Zukunft passiert. Sondern jetzt schon.
Wenn man sich das Internet anschaut, merkt man:
Durch Anonymität teilen Menschen ihre Gefühle leichter. Sie öffnen sich schneller. Und genau das passiert jetzt auch mit KI.
Ein Beispiel: Ein Kind kommt nach Hause und statt zur Mutter zu gehen und Probleme aus der Schule zu teilen, die Mama zu umarmen und Trost zu bekommen, spricht es vielleicht zuerst mit einer KI (z.B. ChatGPT oder Gemini).
Es teilt dort seine Probleme. Seine Gedanken.
Und gleichzeitig ist es ein Irrglaube zu denken, dass KI ein guter Sparringspartner ist … denn KI reagiert auf das, was du eingibst. Je nachdem, wie du promptest, stimmt sie dir oft zu.
Sie spiegelt dich. Aber sie widerspricht dir nicht wirklich. Und das macht sie … bequem. Schön und schrecklich und nicht unbedingt hilfreich.
Auf der anderen Seite: Machen wir das nicht auch im echten Leben?
Wir gehen zu einer bestimmen Freundin, wenn wir eine bestimmte Antwort hören wollen. Und eigentlich kennen wir die Antwort schon.
Aber jetzt wird das systematisiert durch einen Chat, der rund um die Uhr verfügbar ist.
Und ich merke das auch bei mir selbst …
Ich nutze KI nicht nur praktisch und für die Arbeit – auch privat: zum Beispiel, um ein Foto von meinem Kühlschrank zu machen und zu fragen, was ich aus den Resten kochen kann. Oder wenn im Geschirrspüler Wasser steht und ich wissen will, welchen Knopf ich drücken soll, damit es so schnell, wie möglich abläuft.
Sondern ich habe auch schon Chats genommen und sie in KI eingegeben und gefragt:
Wie würdest du diese Situation interpretieren? Wie würdest du diese Beziehung einordnen?
Und das ist ein Moment, in dem man merkt:
Man beginnt, Emotionen auszulagern. Das nennt man Emotional Outsourcing. Und das kann natürlich auch beunruhigend sein.
Es gibt eine Frau in China, die ihre KI geheiratet und daraus einen Avatar erstellt hat.
Und Studien zeigen: 15% der erwachsenen Amerikaner haben bereits eine emotionale Beziehung zu KI.
Und wenn KI jetzt noch einen Körper bekommt durch Physical KI und Robotik … dann wissen wir, dass wir erst am Anfang dieser Bewegung stehen.
Und die Frage ist:
Was bedeutet das für uns? Für unsere Beziehungen? Unsere Gesellschaft?
Werden wir eine Verhaltensveränderung erleben? Wie wir Nähe definieren? Wie wir Gespräche führen?
Trotzdem glaube ich: Angst ist kein guter Begleiter.
Ein Messer kann töten oder ein Butterbrot schmieren. Schokolade ist gut und schlecht.
Und genauso ist es mit Technologie. Im Internet gibt es das Dark Net, aber was wären wir ohne das Internet, ohne Google Maps, ohne die Suchfunktion?
Was passiert mit Menschen, die nicht so schnell adaptieren können? Werden sie aussortiert? Müssen sie umschulen?
Oder einfach nicht mehr „gut genug“ sein?
Und die größere Frage:
Warum müssen wir überhaupt so schnell werden?
Wir bauen Roboter, die genau diese repetitiven Tasks übernehmen sollen. Und trotzdem beschleunigen wir uns selbst immer weiter.
Die Welt wird doch dadurch nicht größer oder dreht sich schneller. Also wofür das alles?
Und ehrlich gesagt: Ich glaube nicht, dass KI uns automatisch mehr Zeit für Menschlichkeit gibt.
Wir werden einfach mehr machen. Schneller, effizienter & klüger (nur im Zusammenspiel mit dem Menschen).
Aber nicht unbedingt bewusster.
Deshalb frage ich mich: Wie gut muss der Mensch überhaupt sein? Wer bewertet das? Und wofür wollen wir diese Technologie wirklich nutzen?
Was ich bei Amy Webb sehr schön fand auch wenn ich mich danach ein bisschen „alleine gelassen“ gefühlt habe mit all diesen Gedanken:
Sie hat nicht gefragt:
“Do you have a question?”
Sondern:
“WE SHOULD HAVE QUESTIONS.”
Und genau das ist hängen geblieben. Ein Fragezeichen. Und vielleicht ist genau das der richtige Umgang mit Technologie:
Nicht Angst, sondern Gespräch.
Mehr darüber reden, mehr verstehen.
Und genau das habe ich mir auch zur Aufgabe gemacht.
Vor vier Jahren hat alles angefangen.
Ich habe meinen 101-jährigen Opa in Berlin besucht. Und er hat mich gefragt:
„Lara, wie bist du eigentlich zu mir gekommen?“
Ich war mit Carsharing da.
Und ich habe es ihm erklärt – so, dass er es verstehen konnte.
Kurz zuvor hatte ich bei Deloitte angefangen und gemerkt, dass selbst ich viele Tech-Themen nicht verstanden habe.
Weil sie so kompliziert erklärt wurden. Ohne Geschichte, ohne Kontext.
Also habe ich einen LinkedIn-Post darübergeschrieben, dass wir Tech besser erklären müssen und wie ich Car-Sharing meinem Opa nähergebracht habe.
350.000 Menschen haben ihn gesehen. Und seitdem übersetze ich Technologie. Heute mache ich das selbstständig. Erreiche auf LinkedIn fast 400.000 Menschen und arbeite mit den führenden Tech-Unternehmen dieser Welt zusammen, um ihre Technologien der Business-Welt näher zu bringen.
Und jetzt euch! Ich möchte diese Kolumne nutzen, um euch noch näher mitzunehmen:
In meinen Alltag. In meine Gedanken. In die Welt der Technologie. In all das, was zwischen den LinkedIn Posts passiert.
Und ich hoffe, dass ich damit auch mehr Frauen für Technologie begeistern kann.
Weil ich glaube: Technologie muss nicht so kompliziert sein. Sie darf menschlich und verständlich sein.
Menschen schaffen Technologie für Menschen, aber irgendwo auf dem Weg verlieren wir den Menschen.
Deshalb mein Wunsch an euch:
Stellt mehr Fragen. Redet mehr über Technologie.
Was denkt ihr zum Beispiel über diese drei Trends?
Es tut gut, das mit euch zu teilen, zu reflektieren.
Und das Schöne ist:
Wir können diese Zukunft gestalten, denn es ist unsere Zukunft.
Deine Lara
P.S.: Nächstes Mal erzähle ich dir von der wertvollsten Tech Firma weltweit, meinem Lieblings-Tech-CEO und meinem ersten Mal im Silicon Valley!!!
Und wenn du bis dahin Fragen hast, schreib mir gerne auf LinkedIn.
Be the first to know about new arrivals and promotions