Zwei Mal im Monat erscheint hier mein Tagebuch: Ich freue mich auf alle, die mich auf diesem Weg begleiten. Zusammen schaffen wir das …
So beginnen die besten Geschichten Oder so: Es war einmal eine junge Frau die von Kenia nach Bayern und dann nach Paris zog. Es war auch einmal ein junger Mann, der von Stockholm ebenfalls nach Paris zog. Für fünf Jahre wohnten sie in denselben Arrondissements, gingen in dieselben Ausstellungen, nutzten denselben Waschsalon (winzige Studios in Paris haben keine Waschmaschine) und besuchten dieselben Cafés. Aber sie trafen einander nie, bis sie an einem regnerischen Sonntag im Dezember an einer Avenue darauf warteten, dass die Ampel gegenüber auf grün schaltet. Beim Warten begannen sie zu sprechen, und …
Tobias und ich in Arles
Das war ein Sinnbild, denn hier geht die Geschichte von Tobias, der Provence und mir richtig los: Unsere erste gemeinsame Reise ging nach Arles, und wir beschlossen: Hier in der Provence wollen wir einmal ein Chateau haben! Aber gut Ding will Weile haben – wir zogen erst zusammen nach London, wo er seine Firma gründete und ich erst beim Fernsehen arbeitete und dann Schriftstellerin historischer Romane wurde. Britannia war cool, aber auch hart: Träume wahr machen ist Knochen-Arbeit. Als wir unsere erste, winzige Mansarden-Wohnung in Notting Hill kauften, konnten wir unser Glück kaum fassen und ich weinte beim Einzug dicke Kuller-Tränen. Das Leben ging weiter – Erfolge, Verluste, Wachstum, Schrumpfen, drei Söhne und ein dicker Hund. Der Traum blieb uns – über Jahre sandten wir einander Annoncen zu von Châteaux in Süd-Frankreich. Wie findest Du das/ Oder dieses? Oder doch jenes? Nur kamen das rechte Haus, am rechten Ort samt dem rechten Preis nie zusammen. Wir hatten eine ‚goldene Liste‘, was das Chateau haben sollte – und sie klingt wie der Fischer und seine Frau! Nicht zu groß und nicht zu klein. Im Ort aber von einem Park umgeben. Renovierungs-bedürftig ist ok, aber DIY muss möglich sein.
Erst vor ein paar Jahren wagten wir uns an Besuche – und gingen erst Mal fremd, in anderen Regionen als der Provence. Bei Toulouse war ein wunderschönes kleines Chateau, in dessen Kapelle noch die Gazetten aus dem Jahre 1898 am St. Petersburger Hof lagen und im Pool hüpften Frösche: Doch wir waren in London gerade umgezogen, und komplett pleite (wenn ich sage komplett, dann meine ich komplett: für drei Monate gab es jeden Abend Spaghetti). In einem anderen Schloss am Canal du Midi wohnte ein von Waffen besessener Brite. In seiner Eingangshalle stand eine echte scharf-blitzende Guillotine, samt Wachskopf im Korb davor – mein Jüngster versteckte sich weinend im Auto. Wieder nichts. Dann kam das Nachbargut zu Brad Pitt und George Clooney zum Verkauf, doch die 13-köpfige Erben-Partei konnte sich nicht einigen. Zudem war das Ding eine Ruine! Damit fiel der ‚DIY möglich‘ Punkt flach und die notorisch schwierigen französischen Banken sagten: „Non, Madame, desolee.“
Tobias und ich am Palais des Papes
Zum 25. Hochzeitstag fuhren wir wieder in die Provence und vorher scrollte ich mich in Gedanken verloren durch eine Immobilien-Webseite, die eher eBay gleicht. Doch plötzlich war ich hellwach: ‚Chateau a vendre dans le Vaucluse‘ las ich da, und die Bilder zeigten ein Butterblumen-gelbes barockes Bijou. Zwei Wochen später besuchten wir es zum ersten Mal. Frösche hüpften im Pool, der Mont Ventoux erhebt sich dahinter, Weinfelder erstrecken sich drum herum, das Dorf mit seinem mittelalterlichen Herzen ist willkommen heißend und alles badet im goldenen Licht der Provence: Der Flugplatz ist eine Stunde Fahrt weit weg und Höhepunkte der Region wie Avignon, Gordes und Isle-sur-la-Sorgue sind nur 25 Minuten Fahrt entfernt. Le Coup du Foudre – Liebe auf den ersten Blick. Wir besuchten es noch einmal, um uns ganz sicher zu sein. Nach hartem Ringen war es dann soweit: wir tanzten jubelnd durchs Haus – und ich musste wieder weinen: Unser Angebot war angenommen!
Aber hier geht die Geschichte erst richtig los – denn vor den Einzug hat Gott die harte Arbeit gesetzt: Böden, Wände, Badezimmer, Kueche, Nebengebäude, alles muss renoviert werden… Denn das Haus ist mir mit meinen runden Hüften und meinem Geburtsdatum als Abba noch auf Welt-Tournee ging, nicht unähnlich: Außen barock, von innen ein Kind der 70er Jahre, als es zum letzten Mal renoviert worden ist.
Und wie wird es aussehen? Sicher kennen alle die „Vorher/Nachher“-Bilder? Um Menschen für die 550 qm des ‚Chateau du Jonquier‘ zu begeistern, so habe ich die „Nachher/Vorher“-Bilder erfunden: Es hilft dem Traum! Und wer oder was sind wir ohne Träume? In zwei Wochen gehört das Chateau du Jonquier uns und wir spucken sofort in die Hände. Mein Mann und ich werden abwechselnd dort sein und den Arbeitern (die wir noch nicht rekrutiert haben) bei allem helfen (Ich kann ein bisschen nähen und Wände streichen, zählt das? Mein Mann ist Ingenieur aber wechselt ungern auch nur eine Glühbirne: wobei kann er helfen, bitte 😊?) und selbst zupacken.
Ab Mitte Juni 2025 soll das Haus die ersten Gäste für unvergessliche Urlaube willkommen heißen; die erste, intime, Hochzeit ist für Ende Juni gebucht, und die Braut ist eine chinesisch-stämmige Amerikanerin. Es heißt in die Hände spucken.
Zwei Mal im Monat erscheint hier mein Tagebuch: Ich freue mich auf alle, die mich auf diesem Abenteuer begleiten. Zusammen schaffen wir das …
Alles Liebe, Ellen
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