… die Tür macht weit. Eine Tür – das ist die Visitenkarte eines Hauses.
Einige sind weltberühmt. Die Tür des Petersdoms in der Vatikanstadt ist der Eingang zur wichtigsten katholischen Kirche der Welt. Sie wird nur zu besonderen Anlässen geöffnet. Die Holztür der Westminster Abbey in London ist eine der ältesten erhaltenen Türen Englands und führt zum Chapter House der Abtei, in der britische Monarchen gekrönt werden. Die Tür zum Tresor von Fort Knox ist berühmt für ihre Sicherheit und Mythen über das eingelagerte Gold. Ihre Symbolik? Sie gilt als „unüberwindbare“ Tür. Last but not least ist da die Tür von 10 Downing Street, ebenfalls in London. Der Eingang zur Residenz des britischen Premierministers ist eine der bekanntesten Adressen der Welt. Alles schön und gut. Wesentlich scheint bei einer wichtigen Adresse zu sein, was HINTER der schönen Tür liegt. Stimmt das?
Im Falle unseres barocken Bijous konnten wir mit Werde noch punkten. Denn als wir das Château im Februar kauften, prunkte die Nordfassade zwar mit einer riesigen barocken Eingangstür – 300 Jahre alt und 3 Meter hoch –, doch sie war verschlossen, mit Silikon verschandelt und mit Tesafilm (!) zugeklebt, um jeden Luftzug abzuhalten. Zudem war sie den Anforderungen der Versicherung nicht gewachsen: Diese will 5 verschiedene Punkte, an denen die Tür verriegelt wird. Und eine Versicherung für ein barockes Château zu bekommen, ist gar nicht so einfach. „Non, désolé“, sagten 3 von 4 Agenturen, ehe der Freund eines Freundes uns aushalf. Doch auch er sagte: Behaltet den bisherigen Eingang bei.
Eine schlichte, doppelte, blau angemalte Holztür in einem Seitenhof, die – tada! – in die Waschküche führt. Und hier sollen wir Gäste aus aller Welt willkommen heißen, das Brautpaar glamouröser Hochzeiten ins Innere führen und Freunde und Familien zu unvergesslichen Urlauben einlassen? Mit Blick auf die Waschmaschine? Wohl war uns nicht dabei, aber was konnten wir momentan schon ausrichten? Nichts. Die ‚To-do‘-Liste war eh schon meterlang, und es gab so viele andere Dinge zu überdenken. Vieles im Layout des Hauses und seinem ‚Fluss‘ war unpraktisch. Die Tür kann warten – oder so dachten wir zumindest.
Ostern hatte es eine ganze Woche lang geregnet und unsere Söhne hatten dennoch jeden Tag im Garten und an den Seen gearbeitet. Alle Kleider waren nass und schmutzig. ‚Ich brauche Pause. Kommt, wir fahren nach Avignon!‘ schlug Tobias vor – und ich warf noch schnell die Waschmaschine an. Schließlich will man im Palais des Papes nicht aussehen wie Pig Pen. Trocken wird es durch Aufhängen nicht mehr, also in den Trockner damit. Ein BOSCH, der auch noch neu aussieht. Super, ein 40-Minuten-Express-Programm. Es ist zwar schon 22.00 Uhr, aber das klappt. Wir gehen derweil schlafen. Um 1.00 Uhr morgens rüttelt mich jemand wach – Es brennt! Mein Herz raste, als aus dem Treppenhaus des ‚Escalier de Service‘ schon dichter Rauch quoll. Wir schliefen im 2. Stock und es war unpassierbar. Meine Füße flogen den Gang hinunter, zu den Schlafzimmern der Jungs. Im Dunklen stolperte ich über Honey und schrie alle wach. Hinter uns kam der Rauch und die Flammen in den Gang. Eine irrsinnige Hitze baute sich auf, als wir das Haupttreppenhaus hinunterstürzten. Das Erdgeschoss war komplett leer – Wände aufgerissen, Kabel hingen überall.
Die Jungs griffen jeden Baueimer und jede Schale, in der Pinsel lagen, und füllten sie mit Wasser, während ich von außen die hölzerne Tür aufsperrte. Innen Gluthitze, und die Trommel des Trockners wie ein böses, glitzerndes, flammendes Auge. Ich rief die Feuerwehr an, während die Jungs löschten, was das Zeug hielt. Mir fiel weder die Adresse noch der Name des Châteaus ein, so tief saß der Terror. Dann – Sirenen! Caspar und Gustav schaufelten Wasserschale um Wasserschale in die Flammen, und Linus joggte durch die Nacht zum Tor – aber aller Strom war ausgefallen und es öffnete sich nicht. Wir saßen in der Falle! ‚Das Tor für die Bienenstöcke!‘ fiel einem Sohn ein, und Linus kletterte über die Mauer, um die Feuerwehr zu dem zweiten, weit entfernt gelegenen Tor zu führen. Als sie ankamen, waren die Flammen gelöscht und ich saß zitternd auf der Treppe im Freien. Nach dem Messen des CO₂ gab es für alle einen Cognac – und am Morgen sahen wir den Schaden: die ausgebrannte Waschküche, die geschmolzenen Maschinen. Ein Geruch, der auf Monate an den Wänden haftet. Hier kann man nun ganz gewiss niemanden mehr hineinbitten.
Intrat die Grande Porte, samt ihrem honigfarbenen Holz und den gusseisernen Beschlägen. Jahrzehnte an Spinnweben bedeckten ihre Planken und Zentimeter an Silikon mussten weggekratzt werden. Ein besonderes Wachs gab ihr ihren Glanz wieder. Der Schlosser schafft ein Meisterwerk: fünf Riegel, die in Wand und Decke gehen. Stolz nehmen mir die Schlüssel zu unserer Grand Porte in Empfang. Als unsere ersten Gäste kommen, stehen wir auf ihrer Schwelle, oben auf der Freitreppe, und heißen sie willkommen. Und selbst Hund Honey liegt gerne dort in der Sonne.
Denn ja, die Tür ist wichtig.
Fast so wichtig wie das, was dahinter liegt: unser barockes Bijou, das Chateau du Jonquier. Seid willkommen!
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