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Jule Gölsdorf im Gespräch mit Frauen in Business und Politik über ihren persönlichen Weg weit nach oben #10 Lara Schimweg

Lara Schimweg, Gründerin & CEO Xeno
2018 gründete Lara Schimweg Xeno

Heute: Lara Schimweg
Gründerin & CEO Xeno

Learning 1: Wir sollten darauf schauen, was die Kunden wollen, denn wir haben ja das Ziel, ihre Probleme zu lösen! Zuhören ist dabei eine große Sache.

Learning 2: Unterschätzt zu werden, muss nicht immer ein Nachteil sein. Unter dem Radar kann man ohne Aufsehen Dinge umsetzen.

Learning 3: Es ist wichtig, langfristig zu wissen, wo man hinmöchte. Es braucht immer ein klares „why?“

Jule Gölsdorf: Bei dir passt der Satz „learning by doing“ ganz gut zur Karriere, oder?

Lara Schimweg: Auf jeden Fall! Ich habe ja studiert und eine Zeit lang als Krankenschwester gearbeitet und bin dann in die Start-up-Szene gesprungen und hatte da jede Menge learnings. Aber es ist auch typisch für mich, einfach das zu machen, worauf ich Lust habe! 

JG: Du hast Naturkosmetik entwickelt, weil du selbst Probleme mit der Haut hattest. Ist das der beste Ansatz, um Gründerin zu werden?  

LS: Für mich schon, weil ich das, was ich mache zu 100 Prozent mache! Ich möchte das alles fühlen! Ich hatte schon immer den Health-Hintergrund, also den Fokus auf Ernährung, Gesundheit und habe die erste Creme schon mit 16 im Apotheken-Praktikum selbst angerührt. Ich will immer wissen, worum es geht. Wenn ich ein Thema entdecke, beiße ich mich fest und bin sehr detailversessen! Ich hatte auch ganz früh schon mein eigenes Mikroskop, ich bin einfach sehr wissbegierig und neugierig.  Am Ende hat sich das alles gut zusammengefügt. Ob das für jeden der richtige Weg ist, weiß ich nicht, aber für mich hat es gut funktioniert.

JG: Der persönliche Ansatz ist spannend. Du arbeitest ja auch eng mit deiner Community zusammen, um perfekte Produkte zu entwickeln. Ist das eine gute Art, Kunden zu erreichen?

LS: Ja, zuhören ist eine große Sache, zu wissen, was die Kunden wollen. Für mich ist die Community alles, ohne sie wäre ich nicht hier! Und ich bin überzeugt, dass wir uns ohne sie auch nicht so organisch weiterentwickeln und wachsen könnten. Ich mache ja auch nicht einfach Produkte, sondern löse das Problem eines Menschen. Das ist mir wichtig! Deshalb finde ich Wörter aus dem Marketing wie customer journey schwierig, weil es am Ende Menschen sind, die Probleme gelöst haben. Der Gedanke kommt aus der Tech, ich habe ja vorher Food Tech gemacht, da ist ein Ansatz, dass man das Produkt direkt testet und mit den Menschen spricht, das habe ich übertragen auf einen anderen Sektor. Dann kommt am Ende auch das heraus, was die Menschen möchten, das ist das Wichtigste! 

JG: Du hast in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet, warst aber keine Unternehmerin. Wie schwer war der Sprung zum Gründen?

LS: Der Sprung war nicht schwierig, ich wollte ja unbedingt! Die Schwierigkeit war eher, nicht beides zu machen, also mir keinen doppelten Boden zu bauen. Ich wollte ja eigentlich in die Forschung und unbedingt was mit Wissen machen, habe dann aber irgendwann entschieden, auch die Masterarbeit nicht mehr weiterzuschreiben. Ich wollte dann Unternehmerin, Gründerin sein, das ist mein Lebensweg. Das war nicht einfach, auch weil ich in den vergangenen Jahren häufig unterschätzt wurde, auch aufgrund des jungen Aussehens. In der Anfangsphase habe ich oft versucht, älter zu wirken, indem ich einen ordentlichen Blazer getragen und die Haare hochgesteckt habe, für mehr Seriosität. Aber ich habe dann gemerkt, dass das nicht funktioniert, weil ich authentisch bleiben wollte.

JG: Hat das Unterschätzen primär etwas mit dem Alter zu tun oder auch damit, dass Du eine Frau bist?

LS: Es hat mit beiden Sachen zu tun, gerade wenn sich das summiert, wird es zu einer großen Problematik. In der Gründerszene gibt es leider sehr wenige Frauen, deshalb bin ich auch ehrenamtlich Gründungsberaterin und helfe super gerne Frauen dabei, weiterzukommen. So einen Support hätte ich mir am Anfang gewünscht! Ich war eigentlich immer der Meinung, dass wir sowas wie eine Frauenquote nicht brauchen, für mich gab es zwischen Männern und Frauen keinen großen Unterschied. Ich habe diese Problematik erst wahrgenommen, als ich mit vielen Frauen im Gespräch war. Es ist ja auch immer eine Frage, wie man in bestimmte Sachen reinkommt. Was ich merke ist, dass Männer untereinander andere Deals machen, wenn sie an einem Tisch sitzen. Da sage ich immer zu den Frauen: Hey, wir können auch ein Netzwerk haben und diese Deals machen, wir brauchen dafür auch keine sechs Wochen!

JG: Hast du dich einschüchtern lassen von Männern?

LS: Ich hatte auch meine Unsicherheiten, habe mich gefragt, ob ich das kann. Ich hatte aber auch ganz andere Phasen, wo ich Männern klare Ansagen gemacht habe, das führte dann zu Reaktionen wie „was möchte mir dieses kleine Mädchen jetzt sagen?“. Gerade wenn ich verhandelt habe oder an Tischen saß, wo es um wichtige Themen ging, konnten die Männer das nicht einordnen. Aber man kann das lernen!

JG: Unterschätzt zu werden kann Nachteile haben, aber hatte es vielleicht auch Vorteile?

LS: Ja, hat es! Mit manchen Dingen fährt man dann ganz gut unter dem Radar. Ich bin ein sehr innovativer Typ und denke viel darüber nach, wie man Dinge verändern kann. Und wenn andere das erstmal nicht mitbekommen, ist das auch okay. Ich nutze es in die eine oder andere Richtung. Ich würde jungen Frauen immer empfehlen, authentisch zu sein, sich selber nicht zu verstecken, keine Maske aufzusetzen und wenn es gerade nicht läuft, andere Frauen und auch Männer um Hilfe bitten und das auch einzufordern. Ich habe früher oft nicht gefragt, das ist ein Fehler.

JG: Beim Aussehen geht es ja nicht nur um das Alter, auch darum, ob man auffällig ist, man knallige Farben oder Highheels trägt. Oft landet man dann in einer bestimmten Schublade. Was müssen wir tun, damit sich das ändert?

LS: Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen! Wir brauchen immer noch Frauen, die Lust auf knallige Farben und hohe Schuhe haben, die den Gegenwind aushalten und den Weg freimachen – bis wir da sind, wo wir landen wollen. Es ist einfach wichtig, dass jede Frau selber entscheiden kann, wie sie sein will. Ob eine Frau laut und durchsetzungsfähig ist oder auch schüchtern und introvertiert – das ist ihre Sache und genau richtig! Wir brauchen nur leider noch ein wenig, bis die Welt das begriffen hat.

JG: Dir ist gesunde Ernährung, ein gutes Körpergefühl sehr wichtig. Wieviel Einfluss hat das auf eine Karriere?

LS: Einen großen Einfluss! Wenn ich anders mit mir umgehe, wenn ich mich anders ernähre, wenn ich mehr Sport mache, verändert sich auch mein Leben! Aber nicht dogmatisch, man muss ein gutes Maß für sich finden, eine gute Balance. Wenn man mit sich selbst gut umgeht und sich selber mag und wertschätzt, gehört auch eine gesunde Ernährung dazu. Wir müssen nicht aussehen wie perfekte Magermodels oder übertrieben Sport machen, um einem Ideal entsprechen, es braucht ein gesundes Mittelmaß. Man kann ja auch Prävention breiter denken – auch im Unternehmertum. Es geht darum, langfristig zu denken und so zu gestalten, dass es in deinem Leben läuft! Das kann beruflich oder privat sein, das ist wirklich wichtig. Man sollte langfristig wissen, wo man hinmöchte. Ich habe immer ein klares „why“! Eine langfristige Vision kann man runterbrechen auf kurzfristige und mittelfristige Ziele und die kann man weitergeben. Das gilt für Unternehmen, aber auch für das eigene Leben! Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass ich mal meditieren würde. Das mache ich jetzt aber, das tut mir gut. Am Anfang wollte ich nur Ruhe für mich finden, mittlerweile baue ich anderen Menschen einen Raum damit.

JG: Gibt es Fehler, aus denen du gelernt hast?

LS: Auf jeden Fall! Ich habe zu häufig an meinen Schwächen gearbeitet. Man sollte seine Schwächen akzeptieren, aber sie sollten nicht zu viel Raum einnehmen. Wir sollten den Fokus auf die Stärken legen. Jetzt kann ich meine Stärken herausstellen und schaue nicht ständig auf die Schwächen! Und ich musste lernen: Ich kann nicht alles, ich bin nicht in allem gut. Heute mache ich das besser.

JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?

LS: Ich finde, nichts im Leben ist eine Strafe! Es geht darum, wie man mit Schicksalsschlägen umgeht. Ich habe sehr viel Mobbingerfahrungen gemacht und dachte lange, das sei eine Strafe. Als ich angefangen habe, das anzunehmen und ich die Herausforderung gemeistert habe, war das keine Strafe mehr, sondern ein Test. Das größte Geschenk ist natürlich, dass ich in die Startup-Szene reinspringen durfte. Viele Menschen können das nicht, je nachdem, was sie für Startbedingungen hatten. Ich kann mir mein Leben so bauen, wie ich es mir wünsche, auch wenn mir Steine in den Weg gelegt worden sind. Wenn eine Herausforderung da ist, muss man sie annehmen und geduldig sein.

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