Heute: Sara Basad
CEO & Owner agent home GmbH
Learning 1: Gründen ist etwas für Menschen, die im aktuellen Job nicht glücklich sind und spüren, dass sie etwas anders und besser machen wollen.
Learning 2: Die großen Investoren auf dem Immobilienmarkt sind immer noch männlich, Frauen sind eher in der Vermarktung oder im Sekretariat. Frauen müssen lernen, sich nicht verunsichern zu lassen und selbstbewusst aufzutreten.
Learning 3: Herausforderungen anzunehmen ist wichtig, dadurch bleibt man agil und entwickelt sich weiter. Das sollte man auch Kindern früh mitgeben, sie in einer Bubble aufwachsen zu lassen, bringt sie nicht nach vorne.
Jule Gölsdorf: Ihre Firma „agent home“ unterstützt Kunden bei der Suche, Vermittlung und Verwaltung von möblierten Wohnungen. Wohnen ist ein Thema unserer Zeit, die Lage ist angespannt. Wie nimmst du das wahr?
Sara Basad: Die Gründe dafür liegen bei den überlasteten Baurechtsämtern, zu viel Bürokratie und zu hohen Hürden beim Bauen. Es gibt nur eine Lösung für die aktuellen Probleme: Es muss mehr gebaut werden. Wer im Hinblick auf die Probleme mit dem Finger auf möbliertes Wohnen zeigt, will davon nur ablenken!
JG: Du bietest Wohnen auf Zeit an – in möblierten Wohnungen. Ist das eine gute Lösung für den Markt? Das Konzept steht ja auch in der Kritik?
SB: Ich halte die Kritik für nicht gerechtfertigt, weil wir niemandem etwas wegnehmen. Möblierte Wohnungen werden gebraucht und helfen Unternehmen, Fachkräfte zu bekommen. 85 % der Kunden kommen aus dem internationalen Ausland, sie wollen möbliert wohnen und suchen nach einer mittelfristigen Lösung für ein bis zwei Jahre. Wo sollen sie sonst wohnen? Da unsere Wohnungen komplett eingerichtet sind, können die Leute sofort einziehen, das ist komfortabel. Wir sind nicht die Lösung für die angespannte Lage, die Lösung ist Wohnungsbau, aber wir nehmen Druck aus dem Markt. Es will nicht jeder sofort unmöbliert wohnen, es stellen sich ja oft auch viele Fragen: Gefällt mir der Job? Gefällt mir das Land? Gefällt mir die Stadt?
JG: Für wen ist möbliertes Wohnen das Richtige?
SB: Für Unternehmen – sie brauchen Fachkräfte – und diese kommen nur, wenn sie auch eine Wohnung bekommen. Weil der Wohnungsmarkt so angespannt ist, finden sie nicht so leicht eine Immobilie – und dann nehmen sie den Job nicht an. Daher braucht es eine schnelle Lösung für mögliche Mitarbeiter – eine Wohnung, in die sofort eingezogen werden kann. Und es ist für alle Menschen etwas, die sich nicht sicher sind, ob sie in einer Stadt bleiben wollen. Klar gibt es auch die Leute, die ihre eigene Wohnung umbauen oder einen Wasserschaden haben – auch die brauchen kurzfristig Wohnraum, aber in der Regel sind unsere Hauptkunden Menschen, die aus beruflichen Gründen in die Stadt kommen. Für Vermieter ist es eine flexible Lösung, um Wohnungen auf Zeit zu vermieten und dann weiterzusehen.
JG: Wohnen bleibt ein Diskussionsthema – daher wird auch für möbliertes Wohnen die Mietpreisbremse diskutiert. Was würde das für Euch bedeuten?
SB: Es ist ja fraglich, wie man einen diskutierten Möblierungszuschlag umsetzen möchte, ohne wieder Bürokratie aufzubauen, es gibt so viele verschiedene Wohnungen mit unterschiedlichen Standards. Der Aufwand wäre riesig! Ich halte es auch nicht für nötig, das Geschäft zu regulieren, weil der Markt sich selbst reguliert. Natürlich gibt es schwarze Schafe im Markt, die gibt es immer. Aber die seriösen Agenturen arbeiten anständig und halten sich an Standards. Zudem würde es auch mehr Leerstand geben, weil Vermieter nicht mehr so flexibel wären. Nicht jeder will die eigene Wohnung nur auf lange Zeit vermieten. Es gibt viele Gründe, eine Wohnung nur übergangsweise zu vermieten – weil man vielleicht selbst irgendwann einziehen möchte oder zur Zwischenmiete, wenn man für ein paar Jahre ins Ausland geht, dafür ist möbliertes Wohnen eine angemessene Lösung und bedeutet Flexibilität.
JG: Wie bist du persönlich auf die Idee gekommen, so eine Full-Service-Agentur zu gründen?
SB: Ich bin vor 20 Jahren von Bayern nach Stuttgart gekommen und habe auch erstmal geschaut, ob mir die Stadt und der Job gefällt und überlegt, eine möblierte Wohnung zu mieten. Damals ging das noch nicht über das Internet, eher über Zeitungen, ich habe mich für eine teilmöblierte Wohnung entschieden – das hat mich auf die Idee gebracht. Grundsätzlich mag ich es, Gastgeber zu sein, Menschen aus anderen Ländern willkommen zu heißen, ihnen eine Möglichkeit zu geben, anzukommen. Wir bieten hochwertig möblierte Wohnungen an – das heißt, wir nehmen nicht jede Immobilie in unser Portfolio auf, das war mir auch sehr wichtig. Ich wollte Wohnungen anbieten, die ich auch gerne selbst bewohnen möchte – und das Preis-Leistung-Verhältnis sollte stimmen.
JG: Was waren die größten Herausforderungen in der Unternehmensgründung?
SB: Am Anfang – also vor 15 Jahren – habe ich klein angefangen, im home office – ich wusste nie genau: Wann ist der nächste Schritt nötig? Wann brauche ich ein richtiges Büro? Wann stelle ich den ersten Mitarbeiter ein? Und bekommt man überhaupt, was man will? Als Unternehmer hat man einfach viele Herausforderungen, gerade als kleines Unternehmen. Man muss alles können und jede Abteilung abdecken: Vom Personal über Marketing über Vertrieb bis zur Buchhaltung. Sich das alles anzueignen – das war nicht leicht!
JG: Was war die Initialzündung, sich selbständig zu machen? Wann weiß man, dass es der richtige Schritt ist?
SB: Wenn man merkt, dass man im bestehenden Job keinen Spaß mehr hat, man bessere Ideen hat, die man gerne umsetzen möchte. Man muss die Energie spüren, dass man etwas anders und besser machen will!
JG: Du schreibst bei Linkedin, dass es immer gut ist, Herausforderungen anzunehmen, sich einer Challenge zu stellen. Ist das immer positiv?
SB: Ich finde schon. Der Wettbewerb gehört dazu, um die eigenen Grenzen zu kennen, sich zu verändern, Fehler zu machen, daraus zu lernen – dadurch bleibt man agil und entwickelt sich weiter. Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber für mich ist es wichtig.
JG: Würdest du das auch jungen Frauen empfehlen – keine Angst zu haben, das Risiko einzugehen?
SB: Auf jeden Fall! Ich habe zwei Töchter und die kriegen viel mit, hören, welche Einstellung ich zu bestimmten Themen habe, nehmen Rückschläge war und das ist auch gut so. Sie sollen lernen, damit umzugehen, und verstehen, dass das Leben so funktioniert. Es gehört dazu, Fehler zu machen, wieder aufzustehen und am Ziel festzuhalten. Es bringt nichts, in einer Blase aufzuwachsen.
JG: Der Immobilienmarkt war lange sehr männlich geprägt?
SB: Makler sind mittlerweile auch weiblich, aber es ist schon so, dass die großen Investoren und Vermieter, die viele Einheiten haben, fast immer männlich sind. Die Frauen sind eher in der Vermarktung oder im Sekretariat. Das ist leider immer noch so, vielleicht hat es damit zu tun, dass Frauen kommunikationsstärker sind.
JG: Musstest du dich als Frau in diesem Geschäft besonders durchbeißen?
SB: Ja. Man muss doppelt so gut sein wie ein Mann! Man muss hartnäckig sein, neugierig und ausdauernd und beharrlich. Das ist wichtig, wenn man Eigentümer von seinem Service überzeugen möchte. Man merkt, dass die Männer skeptisch sind oder einen nicht ernst nehmen, gerade, wenn man ein kleines Unternehmen hat. Man muss lernen zu sagen, was man will, man muss auch nein sagen können und sich nicht verunsichern lassen, sondern selbstbewusst auftreten.
JG: Dieses nicht ernstgenommen werden – kommt das gerade bei frauengeführten Unternehmen vor?
SB: Als kleines Unternehmen wird man gerne belächelt, meine Anfangsjahre waren anstrengend. Heute können die Leute sehen, wie sieht mein Unternehmen aus, was habe ich aufgebaut? Das hat sich schon verändert, aber dennoch ist es so, dass Männer besser nein sagen können, fokussierter und zielstrebiger sind. Da muss man mithalten können.
JG: Wie kreativ muss man sein, wenn man sich mit möbliertem Wohnen und der Innenausstattung beschäftigt?
SB: Wir richten ja nicht selbst ein, aber ich sehe viele Wohnungen und habe im Laufe der Zeit ein Gefühl dafür entwickelt, was funktioniert und was nicht. Aber am Ende des Tages braucht es einfach einen bestimmten Standard, es muss ästhetisch, aber funktional sein. Natürlich gebe ich Vermietern Hinweise, wie die Wohnungen aussehen sollten, welche Immobilien sich gut vermieten lassen, aber das Einrichten gehört nicht zu unseren Leistungen.
JG: Wie haben sich die Trends denn verändert?
SB: Früher hat es gereicht, eine IKEA-Ausstattung anzubieten, das hat sich verändert. Die Möblierung muss hochwertiger sein, man muss sich wirklich wohl fühlen, es braucht eine Waschmaschine mit Trockner, eine gute Kaffeemaschine, schnelles Internet, einfach eine Kombination aus komfortabel, hochwertig und wirtschaftlich.
JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?
SB: Von Strafen halte ich nichts – die gibt es nicht. Es ist einfach immer so wie es ist, und man muss das beste daraus machen! Man kann meistens selbst entscheiden, wie die Dinge laufen. Ein Geschenk sind meine Kinder und mein Mann, die mich immer unterstützen. Tests habe ich immer wieder, dann, wenn ich merke, dass Dinge nicht so funktionieren, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich merke dann: Das war ein Fehler, jetzt muss ich etwas ändern.
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