Heute: Martina Buckenmaier
CEO & Inhaberin RIANI GmbH I Mitglied CEU
Learning 1: Nicht aufgeben – auch wenn der Wind kräftig von vorne bläst! Man selbst kann mehr bewirken, als man denkt!
Learning 2: Um als Mittelständler mitspielen zu können, muss man wendig und agil sein, es braucht kurze Wege und schnelle Entscheidungen!
Learning 3: Nicht zu klein denken! „Made in Europe“ und globales Denken ist wichtiger, als „made in Germany“.
Jule Gölsdorf: RIANI ist eine Womenswear-Premium-Marke, ihr sagt, sie steht für ein bestimmtes Lebensgefühl. Welches?
Martina Buckenmaier: Das einer autarken, selbständigen Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und die sich in unserer Mode selbstsicher fühlt. Wir bieten einfach unterschiedlichen Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen die richtige Mode. Ob sportlich, elegant oder für den Sommerurlaub, RIANI begleitet die Frau zu allen Anlässen – und ist natürlich auch etwas für die unterschiedlichen Generationen.
JG: Viele sind überrascht, dass RIANI deutsch ist, denn die Marke wirkt sehr international. Wie habt ihr das geschafft?
MB: Wir arbeiten seit der Gründung mit italienischen Manufakturen zusammen, wir fertigen in Europa, Kaschmir kommt aus der Mongolei, Ziegenvelours aus Indien – aber in der Hauptsache sind wir von der Fertigung und den Stoffmanufakturen und Druckereien europäisch, das ist einfach international. Wir orientieren uns an weltweiten Trends – und dabei geht es ja nicht nur um Mode, sondern auch um Interior, Farbwelten, wir schauen, was auf den internationalen Bühnen passiert, wir orientieren uns an der Kunst und lassen uns durch Reisen inspirieren. Wir hoffen, dass wir uns global entwickeln – wir haben tolle Kunden, wie Breuninger oder die KADEWE-Group, aber auch in unseren eigenen Läden oder online. Wir haben ständig neue Ideen, jetzt machen wir zum Beispiel eine neue Kollektion „on the go“ – für all die Frauen, die sportlich unterwegs auf Reisen sind. Wir machen Kooperationen, es gibt neue Editionen, man muss einfach beweglich sein.
JG: Das Unternehmen wurde von deinem Mann gegründet. Du warst ja aber auch schon in der Branche?
MB: Richtig. Meine Familie ist seit über 400 Jahren in der Branche, kommt ursprünglich aus den Niederlanden, aus Rotterdam und hat mit Stoffen gehandelt. Meine Großeltern hatten eine Firma im Münsterland, da haben wir erst Herrenbekleidung und dann Lederbekleidung gefertigt. Und als ich meinen Mann kennengelernt habe, hatte ich selbst ein Familienunternehmen – und nachdem wir uns ungefähr sieben Jahre kannten, haben wir die beiden Unternehmen fusioniert, aber den Namen RIANI behalten.
JG: Jetzt ist die Firma frauengeführt. Macht das einen Unterschied?
MB: Auf jeden Fall, warum sind wir wohl so erfolgreich? Wir sagen, wir machen Mode für Frauen von Frauen und das ist ja oft nicht der Fall in der Branche. Ich glaube, dass wir mit einem ganz anderen Verständnis an die Sache herangehen. Wie fühlen wir uns? Wie möchten wir auftreten? Was haben wir für Aufgaben? Arbeiten, Kinder abholen, Freunde treffen, ins Theater gehen, Sport, ein Date – das alles haben wir im Kopf und das können wir auch in unserer Mode zum Ausdruck bringen.
JG: Ihr habt eine interessante Arbeitsatmosphäre, u. a. gibt es bei euch ein Spa, das trägt sicherlich eine weibliche Handschrift?
MB: Natürlich! Und wer ist am liebsten im Spa? Die wenigen Männer, die wir haben! Mein Mann ist ganz vorne mit dabei, der als geborener Schwabe gesagt hat, wie kommt ihr denn auf diese verrückte Idee? Mittlerweile planen wir sogar noch ein Sportstudio dazu, in dem es dann Rückenkurse, Pilates oder Kickboxen geben wird. Das kommt richtig gut an bei den Mitarbeitern. Und wir fahren auch super mit dem Modell, dass sich die Mitarbeiter während der Arbeitszeit eine Behandlung gönnen können, die bekommen 50 Prozent Rabatt auf den Preis – und sie müssen ihre Zeiten auch nicht angeben, wir arbeiten auf Vertrauensbasis.
JG: Deine Tochter ist auch im Unternehmen, wie gut funktioniert das Family-Business?
MB: Unter Geschäftspartnern funktioniert das gut, in der Familie kracht es manchmal, das ist ja ganz normal. Wir werfen hier nicht mit Wattebäuschchen. Wir sagen uns die Meinung, versuchen einen Konsens im Sinne der Firma und der Mitarbeiter zu finden. Für mich war es klar, dass meine Tochter irgendwann im Unternehmen arbeiten würde. Sie hat erstmal Philosophie und dann Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert, um dann hinterher den Master in Mailand zu machen. Da war es dann klar. Zwischendurch war sie zwei Jahre bei „MYTHERESA“, hat dann federführend unseren Online-Shop aufgebaut, die IT-Abteilung übernommen, das funktionierte hervorragend, da gab es dann nicht mehr viel drüber nachzudenken.
JG: Welche Werte und Erfolgskonzepte gibst du ihr mit auf den Weg?
MB: Sei authentisch, sei wie du bist, verstelle dich nicht – und das Wichtigste: Nie aufzugeben! Das ist extrem wichtig, auch wenn dir ein starker Wind ins Gesicht bläst – wie bei Corona, das war eine schwere Prüfung – wir haben da aber mit dem Team gute Lösungen gefunden.
JG: Euer Team ist frauenfreundlich, aber in der Gesellschaft hapert es nach wie vor daran, was würdest du deiner Tochter diesbezüglich mit auf den Weg geben?
MB: Ich würde lieber der Politik etwas mit auf den Weg geben. Viele fragen sich immer noch, wie kann ich die Familienplanung mit dem Beruf vereinbaren? Die Bürokratie macht uns das Leben schwer – die meisten dürfen in der Zeit, in der sie Elterngeld bekommen, nicht arbeiten, nichts dazu verdienen. Das ist doch nicht gut! Es muss beides möglich sein!
JG: Das zweite Thema, mit dem Frauen zu kämpfen, ist es, ernst genommen zu werden. Welche Erfahrungen hast du da gemacht?
MB: Am Anfang meiner Karriere musste ich doppelt so gut sein, wie jeder andere Mann. Aber ich glaube, das hat sich mittlerweile geändert, zumindest bei uns! Wir werden mittlerweile als Experten zu Rate gezogen, wir sind in Netzwerken aktiv, zum Beispiel im CEU, im Club Europäischer Unternehmerinnen, das ist ja das, was Männer schon seit Jahrhunderten machen. Das fangen wir jetzt erst langsam an. Da sind ganz unterschiedliche Frauen aktiv, nicht nur Unternehmerinnen, auch Medizinerinnen, Künstlerinnen, eine große Vielfalt und ein tolles Networking. Männer sind aber übrigens auch willkommen bei unseren Veranstaltungen!
JG: Wie nimmst du die Lage generell wahr? Viele Unternehmen klagen über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen?
MB: Die geopolitische Lage ist angespannt, trotzdem wenden sich unsere Kundinnen den positiven Dingen zu, sie möchten Spaß haben, sie möchten gut aussehen, ausgehen, sie wollen sich nicht runterziehen lassen. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter, die Händler und wir sind auch selbst in den Geschäften, auf den Flächen und sprechen mit den Kundinnen. Ja, die Menschen sind beunruhigt, aber der Wille, eine gute Zeit zu verbringen, ist da. Die Weltuntergangsstimmung machen wir grundsätzlich nicht mit! Das sind wir nicht, das waren wir nie und werden wir auch nicht sein. Wenn es schwierig ist oder wird, dann gilt mein Rat von vorhin: Nie aufgeben und einfach positiv weitermachen! Man kann selbst viel bewegen.
JG: Wie wichtig ist Agilität?
MB: Extrem wichtig! Wenn du ein Schnellboot bist, bleibst du dabei. Als dicke Armada hast du es schon schwerer. Man muss wendig und agil sein, es braucht kurze Wege, schnelle Entscheidungen – und das geht in einem mittelständischen Unternehmen auch sehr gut. Wir haben direkt Entscheidungswege und wir können das auch schnell. Wenn man in einem Konzern hängt, ist das natürlich schwieriger.
JG: Wie wichtig und angesehen ist denn „made in Germany“ noch?
MB: Für uns ist „made in Europe“ wichtiger und auch globales Denken. Wir denken nicht so klein! Wir müssen in Europa stark sein und das sind wir!
JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?
MB: Ein Test war auf jeden Fall die Corona-Zeit! Als Strafe würde ich kaum etwas bezeichnen, eher Momente, in denen man sich bewähren musste. Für mich war es auch nicht so einfach, mein Familienunternehmen im Münsterland zu verlassen, aber ich musste eben schauen: Wo geht die Reise hin? Als mein Mann und ich dann gemeinsam neu gebaut haben, war das eine Umstellung. Wenn du deine Heimat verlässt und wohin gehst, wo die Mentalität eine andere ist, da muss man sich erstmal bewähren. Und das größte Geschenk ist mein Kind. Es macht so einen Spaß, RIANI gemeinsam weiter nach vorne zu bringen – mit einem tollen Team, dass der Spirit bei den Menschen ankommt. Wir merken, dass wir uns auch in schwierigen Zeiten weiterentwickeln, das macht wirklich Freude.
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