Heute: Maria del Castillo Hørup
Talent Acquisition Director L’Oréal Austria / Germany / Switzerland
Learning 1: Das Mindset bei L’Oréal: Flexibles Mindset und neue Wege gehen!
Learning 2: Positionswechsel sind wichtig für das Business – sie ermöglichen einen Know-How-Transfer!
Learning 3: Als Führungsperson braucht man eine klare Vision und muss aktiv zuhören können!
Jule Gölsdorf: Du bist bei L’Oréal zuständig für neue Talente – hast daher sicher viele Interviews mit Frauen geführt – worauf schaust du bei den Bewerbern als erstes?
Maria del Castillo Hørup: Zunächst fällt der Blick auf den Lebenslauf – natürlich auf die Fachexpertise, aber viel wichtiger ist es, zwischen den Zeilen zu lesen und zu erkennen, welche Fähigkeiten die Person mitbringt und ob sie auch zu unserem Unternehmen passt. Ich möchte ja die Person hinter dem Lebenslauf kennenlernen. Auch, weil wir nicht nur kurzfristig für die eine Stelle rekrutieren, sondern immer schauen, ob die Person für eine längere Karriere bei L’Oréal in Frage kommt. Die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Mitarbeitenden ist uns wichtig. Daher habe ich auch immer Blick auf das individuelle Potenzial der Bewerber:innen und suche Menschen, die lernbereit sind.
JG: Braucht man für diese Karriere eine Affinität für Beauty-Produkte?
MdCH: Das wäre übertrieben, man muss kein absoluter Beauty-Fan sein, aber natürlich hilft es, wenn man sich mit den Produkten und vor allem mit der Unternehmenskultur und den Werten von L’Oréal identifizieren kann. Wir setzen auf Unternehmer- und Innovationsgeist sowie ein Gespür für Trends und Innovationen. Bewerberinnen und Bewerber sollten die Motivation haben, Dinge über das normale Maß hinaus weiterzuentwickeln Die Agilität und Flexibilität in der eigenen Entwicklung ist wichtig, da es ja nicht nur um den einen Job geht.
Grundsätzlich ist uns auch Diversität in den Teams sehr wichtig – viele unterschiedliche Profile bringen eine große Kreativität mit sich. Dabei freuen wir uns auch besonders über männliche Bewerber, die bei der Job-Suche vielleicht nicht sofort an unser Unternehmen denken.
JG: Gibt es denn No-Gos? Was passt gar nicht zur DNA von L’Oréal?
MdCH: L’Oréal ist ein sehr agiles Unternehmen. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, aber auch Eigenmotivation und Lernbereitschaft sind essenzielle Eigenschaften für einen Job bei uns. Es braucht ein offenes Mindset sowie die Fähigkeit, spontan umdenken zu können und neue Wege zu entdecken. Als „No-Go’s“ sehe ich daher starre Denkweisen, mangelnde Anpassungsfähigkeit, aber auch die fehlende Bereitschaft zur Teamarbeit.
JG: Weißt du bei all deiner Erfahrung schon innerhalb der ersten Sätze, ob jemand passt oder nicht?
MdCH: Nein, man muss den Kandidat:innen schon ein bisschen Zeit geben. Manchmal spielt eine anfängliche Nervosität eine Rolle. Ich versuche, gerade gegen Ende eines Gesprächs, den Kandidat:innen noch mal die Möglichkeit zu geben, mehr über sich zu erzählen und ich gebe ihnen auch die Zeit, selber Fragen zu stellen – daran sieht man, was einer Person wirklich wichtig ist.
JG: Die junge Generation ist ein gutes Stichwort – ihr wird vorgeworfen, sie sei ein wenig träge, nicht mehr so motiviert, hart zu arbeiten. Nimmst du das auch so wahr?
MdCH: Diese pauschale Kritik an der Generation Z kann ich nicht bestätigen. Meine Erfahrung zeigt mir, dass diese Generation ernst genommen, eingebunden und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden möchte. Junge Talente wollen gehört werden – und das ist im Arbeitsumfeld auch extrem wichtig. Sie wollen sich einbringen, sind super motiviert und engagiert – auch über das normale Maß hinaus. Als Führungskraft kann man viel von der jungen Generation lernen.
JG: Schauen wir mal auf den Lebenslauf: Früher hieß es – bitte nicht zu viele Lücken oder Wechsel. Gilt das noch?
MdCH: Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt – wir konzentrieren uns auf die Qualifikation und auf die gesammelten Erfahrungen der Bewerber:innen. Die Anzahl der Jobwechsel oder mögliche Lücken im Lebenslauf sind kein Ausschlusskriterium – sie bieten Raum für persönliche Entwicklung und Erfahrungen, die wertvoll sein können. Außerdem ist es ja auch spannend zu erfahren, was der Grund für eine Lücke im Lebenslauf oder einen Positionswechsel war.
Die Herausforderungen bei einer großen Fülle an Bewerbungen bestehen darin, die herauszufiltern, bei denen neben den klassischen Fähigkeiten etwas Besonderes heraussticht. Ich schaue zum Beispiel gerade bei den jungen Bewerber:innen darauf, welchen Hobbies sie nachgehen oder wo sie sich eingebracht haben. Denn das zeugt von Eigenverantwortung, Ownership und Kreativität. Und es ist ja auch interessant zu sehen, wie persönliche Erfahrungen eine Person verändert haben.
JG: Was würdest du jungen Talenten für eine erfolgreiche Karriere empfehlen?
MdCH: Eine solide Ausbildung durch Studium und Praktika bildet die Basis für eine erfolgreiche Karriere, aber auch die praktische Erfahrung ist wichtig. So können junge Menschen herausfinden, welche Tätigkeiten und Unternehmen zu ihnen passen. Zudem muss man kommunikativ sein, auf andere Menschen zugehen und Dinge selber in die Hand nehmen.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist zudem die persönliche Motivation, Verantwortung zu übernehmen und selbst aktiv zu werden. Und es ist natürlich auch immer wichtig, sich zu vernetzen und mit Kolleg:innen aus anderen Abteilungen auszutauschen.
JG: Sich einzubringen kann aber auch nach hinten losgehen, gerade als Frau. Noch immer bekommen Frauen vorgehalten, sie seien überengagiert, wollten es zu sehr, während es bei Männern heißt: Sie wissen, was sie wollen. Kennst du das?
MdCH: Bei uns im Unternehmen habe ich diese Erfahrung glücklicherweise noch nicht gemacht, ganz im Gegenteil: Bei L’Oréal ist es wichtig zu sagen, was man will und welche Vision man für sein Projekt hat. Das wird sogar eingefordert. Aber wir haben auch eine sehr gute Genderbilanz – in der DACH-Region sind rund 60% aller Mitarbeitenden Frauen, rund 50% in Führungspositionen. Ich persönlich war zu Beginn meiner Berufstätigkeit übrigens eher schüchtern und musste erst lernen, nach vorne zu gehen und mich klar zu positionieren.
JG: Du hast einen internationalen Hintergrund, sprichst fünf Sprachen – die Voraussetzungen für einen internationalen Konzern waren gut, oder?
MdCH: Ja, Sprache ist ein wunderbares Werkzeug – sie vereinfacht den Einstieg in unterschiedliche Kulturen. Offenheit und Verständnis für andere Perspektiven und Arbeitsweisen sind in einem internationalen Umfeld sehr hilfreich – in Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeiten bei L’Oréal beispielsweise Menschen mit mehr als 60 verschiedenen Nationalitäten zusammen. Ich selbst bin in Spanien groß geworden, habe mein Studium in Deutschland beendet und bin damals über einen Innovationswettbewerb von L’Oréal im Unternehmen gelandet.
JG: Du hast viele unterschiedliche Positionen gehabt, Produkt, Marketing, Vertrieb – und sprichst dich auch für einen Wechsel aus, weil es einen Know-How-Transfer ermöglicht. Was steckt dahinter?
MdCH: L’Oréal bietet als Unternehmen so viele Möglichkeiten und unterschiedliche Bereiche, dass sich für mich jeder Wechsel innerhalb des Konzerns wie ein Wechsel in ein neues Unternehmen angefühlt hat. Das ist unglaublich spannend. Ein Positionswechsel fördert das Verständnis für das Business und erweitert den Horizont enorm – wenn man beispielsweise aus dem Marketing in den Vertrieb wechselt, hat man die andere Seite schon kennengelernt und entwickelt ein tieferes Verständnis für beide Seiten. Das macht die Kooperation leichter, schafft bessere Kompromisse und Lösungen. Ich befürworte den Positionswechsel innerhalb eines Unternehmens ausdrücklich, da das Heraustreten aus der Komfortzone die persönliche und berufliche Weiterentwicklung fördert. Das macht doch auch extrem viel Spaß und hilft bei der persönlichen Weiterentwicklung.
JG: Der Mensch ist aber manchmal nicht so für Veränderungen gemacht, manch einer richtet sich ganz gemütlich in der Komfortzone ein. Viele scheuen sich vor einem Wechsel, haben Angst vor Fehlern. Warum sollen wir uns trauen?
MdCH: Es braucht eine gute Fehlerkultur. Man kann immer Fehler machen, nur nicht den gleichen Fehler mehrfach. Bei L’Oréal leben wir eine offene Fehlerkultur. So haben wir beispielsweise so genannte „Fuck-up-Nights“, bei denen ganze Teams und auch Führungskräfte von ihren Fehlern erzählen und zeigen, was sie daraus gelernt haben. Generell bin ich der Meinung, dass man neue Herausforderung annehmen und sich trauen sollte, denn wer nichts Neues wagt, kann auch nicht weiterkommen.
JG: Aus welchem Fehler hast du gelernt?
MdCH: Ich habe einige Fehler gemacht und bin dadurch, gerade in meiner Rolle als Führungskraft, gewachsen. Für mich gab es aus diesen Erfahrungen heraus zwei Learnings. Erstens: Als Führungskraft braucht man eine klare Vision. Wenn man die nicht hat, passieren viele Fehler. Es braucht einen klaren Rahmen für das Team, in dem es sich bewegen und eigene Initiativen einbringen kann. Das zweite Learning: Aktives Zuhören ist enorm wichtig – man macht Fehler, wenn man keine Fragen stellt. Zuhören fördert die Kooperation!
JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?
MdCH: Für mich war jede einzelne neue Position im Unternehmen und das damit verbundene Hineindenken in neue Geschäftsbereiche ein Test. Ein Geschenk ist meine Familie: Mein Mann, der mich immer unterstützt hat in meiner Karriere und meine Kinder, die mir viel Kreativität und Inspiration geben. Die größte Strafe für mich ist gerade, wenn mein kleiner Sohn nicht mehr mit mir spricht, weil er sich nicht verstanden fühlt. Das finde ich ganz schrecklich. Gerade weil er ja mein größtes Geschenk ist.
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