Heute: Michaela Altenberger
Leiterin „Regeneration & Longevity by Krallerhof“ I Biohacking Enthusiastin I Unternehmensberaterin & Führungskräftecoachin
Learning 1: Die eigene Gesundheit in den Fokus zu nehmen, ist extrem wichtig. Auch für den Beruf – je besser man sich um sich selber kümmert, desto länger ist man schmerzfrei, vital und fit.
Learning 2: Konflikte sind gut für ein Unternehmen. Wenn ein Unternehmen sich weiterentwickeln will, geht das immer nur über Konflikte.
Learning 3: Man sollte nicht immer starr an seinen Wünschen festhalten. Es kann auch eine Gnade sein, wenn Wünsche sich nicht erfüllen.
Jule Gölsdorf: Gemeinsam mit deinem Mann und deiner Schwiegerfamilie leitest du den Krallerhof, ein Hotel, das sich auf Langlebigkeit fokussiert hat – was hast du heute schon getan, um möglichst lange gesund zu leben?
Michaela Altenberger: Ich habe in der Früh sehr viel Wasser mit Mineralsalz getrunken. Damit füllst du auf, was wir in der Nacht über das Schwitzen verlieren. Ich merke wie ich durch diese Mischung mehr Energie habe und mich besser konzentrieren kann. Außerdem weil ich tagsüber wenig zum Trinken komme, arbeite ich morgens vor. Dann habe ich 10 Minuten meditiert und 10 Minuten Bewegungs-Übungen gemacht – dazu zwinge ich mich immer. Eiskalt duschen und dann ein spezielles, selbstgemachtes Joghurt gegessen für das Mikrobiom. Und dann bin ich zu Fuß von der Wohnung ins Hotel gelaufen.
JG: Du bezeichnest dich selbst als Hobby-Biohackerin, was heißt das?
MA: Ich beschäftigte mich schon seit zehn Jahren mit dem Thema Gesundheit, weil ich einfach ein sehr intensives Arbeitsleben habe und ich muss etwas dafür tun, dass meine Energie erhalten bleibt – das ist für mich essentiell. Mir macht es aber auch Spaß, mich damit auseinanderzusetzen, was man alles selbst tun kann, um vitaler und leistungsfähiger zu sein.
JG: Wie wichtig ist es denn für Frauen – auch durch die Doppelbelastung von Familie und Beruf – die Gesundheit in den Fokus zu nehmen?
MA: Extrem wichtig – vor allem auch, wenn man in die Menopause kommt. Man will diesem Thema ja auch nicht so ausgeliefert sein, da ist es besser, eigenverantwortlich dagegen zu steuern, bevor man Medikamente oder Hormone nehmen muss. Umso besser man sich um sich selber kümmert, desto länger ist die Spanne, in der man schmerzfrei, vital und fit ist. Wenn man das Konto nicht immer wieder auffüllt, ist es irgendwann aufgebraucht.
JG: Was sind denn die besten Tipps, um auch Stress im Job besser auszuhalten?
MA: Präventiv vorgehen und viele kleine Sachen über den Tag machen, dass funktioniert für mich am besten. Fix in den Alltag einplanen – wie zum Beispiel zu Fuß zur Arbeit zu gehen. Oder wenigstens eine oder zwei Stationen früher aussteigen. Spazierengehen ist unterschätzt – man kann damit sehr gut Stress abbauen und den Cortisolspiegel senken. Und man muss es sich leicht machen, die Ziele einzuhalten. Nahrungsergänzungsmittel stehen bei mir zum Beispiel nicht zuhause, sondern am Schreibtisch. Dann sehe ich sie im Laufe des Tages und nehme sie dann auch. Bitter-Tropfen vor dem Essen mit einem Glas Wasser trinken. Super für das Mikrobiom und die Leber. Mein Spezialthema ist auch das Mentale. Umso älter man wird, desto wichtiger wird die psychische Hygiene – man muss den Geist trainieren!
JG: Wie kam es denn generell zu diesem Thema?
MA: Der Krallerhof ist ja der elterlicher Betrieb mein Mannes. Wir sind vor 25 Jahren weggegangen und haben viele Jahre Interimsmanagement für Hotels gemacht. Das heißt, wir haben Hotels im Auftrag von Banken übernommen und neu positioniert bzw. saniert. Da war natürlich immer ein hohes Arbeitspensum. Ich bin dann relativ schnell an meine persönliche Grenzen gekommen und ich habe mich schnell gefragt: Was brauche ich, um mich selbst führen zu können, was brauchen die Mitarbeiter, um sich führen zu lassen und was brauche ich körperlich, damit ich 14-Stunden-Tage aushalten kann. Danach begann ich, zahlreiche Ausbildungen im Bereich mentale Stärke und Psychologie zu absolvieren.
JG: Wenn man sowieso schon immer für Hotels gearbeitet hat – war es dann zwingend, irgendwann den Familienbetrieb zu übernehmen?
MA: Das war nicht geplant, aber die Brüder meines Mannes haben ihn gefragt. Wir haben uns das lange überlegt, denn in ein Familienunternehmen zurückzukehren bedarf einer guten Überlegung. Als Berater wird man ja als Experte geholt und darf dann alles besser wissen, aber in einem Familienbetrieb ist das nicht so gefragt, dass man alles besser weiß! (Lach)😊 In einem Familienunternehmen kommen einfach viele Befindlichen zusammen. Du hast das System Familie und das System Unternehmen, alles vermischt sich – auch die Bedürfnisse: das wertgeschätzt werden, das gehört werden. Das führt zu Konflikten. Konflikte sind ja per se gut für ein Unternehmen. Wenn ein Unternehmen sich weiterentwickeln will, geht das immer nur über Konflikte. Aber in einem Familienunternehmen bekommen Konflikte eine andere, emotionalere Bedeutung. Das macht es so schwierig.
JG: Wie schwer ist dir die Entscheidung zurückzugehen gefallen?
MA: Mir war bewusst, dass es keine einfache Entscheidung ist. Mein Mann ist zuerst gegangen, ich kam dann ein Jahre später nach. Jetzt haben wir untereinander, eine gute Form gefunden – nicht konfliktfrei, aber machbar – mit einer sauberen Rollentrennung und der Fähigkeit, immer besser mit Verletzungen und Missverständnissen umzugehen. Jetzt wollen wir gemeinsam den Krallerhof fit für die Zukunft machen – mit neuen Strukturen, die ihn stärken und für die nächste Generation bereitmachen.
JG: Du hast gesagt, Konflikte bringen ein Unternehmen nach vorne. Viele Menschen gehen Konflikten lieber aus dem Weg – vielleicht auch aus der Angst heraus, Fehler zu machen?
MA: Wir sind in einer Zeit, in der wir glauben, Harmonie und Glückseligkeit sei das Ziel. Niemand spricht über Realitäten, Enttäuschungen, Konflikte. Viele Menschen meiden Konflikte, weil sie mit negativen Emotionen verbunden ist. Wir alle wollen bestimmte Gefühle nicht fühlen, wie Scham („Ich schaffe das nicht!“), und ja Angst („Was, wenn ich einen Fehler mache?“), Ablehnung („Was, wenn man mich nicht akzeptiert?“), und oft auch Ohnmacht („Ich habe keine Kontrolle über die Situation!“). Und gerade deshalb sind Konflikte Wachstumsmotoren – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Mitarbeitenden, denn sie bringen verborgene Themen ans Licht, fordern uns heraus, neue Perspektiven zuzulassen, und ermöglichen echte persönliche und betriebliche Weiterentwicklung – vorausgesetzt, man geht lösungsorientiert und respektvoll damit um.
JG: Kommunikation ist wichtig in Unternehmen – in der Hotellerie aber besonders, oder?
MA: Ja, wir haben so viele Tools und scheitern trotzdem fast täglich daran. Wir haben fast 350 Mitarbeiter im Winter – und man denkt, man tut alles, damit alle gut informiert sind, trotzdem klappt es nicht immer. Am besten hilft immer noch das gute „alte“ Management by walking around: Man muss mit den Menschen reden, sie auf Neuigkeiten hinweisen, fragen, ob sie alles verstanden haben. Es gibt dieses Prinzip: „Der Empfänger ist der Boss“, weil du keinen Einfluss hast, was der Empfänger aus dem Gesagten macht. Was er wirklich verstanden hat. Das ist immer wieder eine neue Challenge. Ich bin total dankbar , denn ohne meine ganzen Ausbildungen, zum Beispiel als systemischer Coach würde ich vieles missverstehen. So habe ich auch die Chance, mich immer wieder selber zu stabilisieren. Auch als Führungskraft ist man mal enttäuscht oder gekränkt. Damit muss man umgehen lernen.
JG: Wenn wir mal auf die Karriere als Frau schauen – wie hat sich diese im Laufe der Zeit bei dir verändert?
MA: In der Hotellerie gibt es ja viele Frauen in Führungspositionen, was gut ist. Frauen sind da auch enorm wichtig, weil es viel um Empathie geht, um das Gespür für den anderen. In Österreich werden ja viele Betriebe von Familien geführt, da ist es trotzdem nach wie vor so, dass die Frauen eher im Hintergrund sind und sich natürlich auch mehr beweisen müssen.
JG: Hat man dich auch mal nicht ernst genommen?
MA: Ja, oft. Wir haben das ja immer zu zweit gemacht, mein Mann und ich. Mein Mann war meistens der Ansprechpartner für Banken und Co – da ist das schon so, dass die Männer eher die Männer ansprechen – und immer noch nicht verstanden haben, was die Frauen beitragen können, auch wenn sie nicht so laut schreien. Aber am Ende geht es um Fachwissen, wenn du was kannst, überzeugst du einfach. Man sollte sich in einem Thema spezialisieren, zu einer Expertin werden, dass hilft ungemein.
JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?
MA: Dass ich diese Herausforderung im Krallerhof angenommen habe, war ein Geschenk, weil ich viele, eigene Themen und Triggerpunkte habe lösen dürfen. Das war eine große Herausforderung. Dass ich mich dem gestellt habe, nicht ausgewichen bin, war wirklich ein Geschenk an mich selbst. Tests hatte ich unzählige: als Interimsmanager übernimmt man Standorte und beginnt immer wieder neu. Niemand wartet auf dich. Du fängst immer wieder von vorne an. Das ist immer ein Test für dich selbst, ob du dir selbst treu bleibst, an dich glaubst und nicht so viel (Selbst)zweifelst. Die größte Strafe ? Da gab es den Wunsch nach einer Realisierung eines Projektes, dass ich mir wirklich sehnlichst gewünscht habe. Nach erheblichen Kosten, Zeitaufwand und Mühen kam erst spät die Einsicht: Manchmal ist es eine Gnade, wenn sich ein Wunsch nicht erfüllt – auch wenn zuerst die Enttäuschung überwiegt. Lehrgeld nennt man so was- oder?
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