Part 6 – Birthday Month! Und die unweigerliche Frage: wie altert man nachhaltig?

Anna Hiltrop für Marie Claire. Foto: Peter Müller.
Foto: Peter Müller.

Auch wenn ich mit „erst“ 30 noch relativ jung bin, ist der Gedanke ans Altern nicht ganz neu für mich – schon gar nicht in meinem Beruf. Als Model galt man mit 30 früher fast schon als „Oldie“. Zum Glück hat sich da inzwischen viel bewegt. Und ich hatte immer den Vorteil, dass ich jünger aussehe, als ich bin. Als ich mit 20 nach New York gegangen bin, hielten mich viele für 15 – was zwar ein paar Club-Nächte gekostet hat, aber aus heutiger Sicht: zum Glück! Heute kann ich darüber schmunzeln, aber damals fühlte es sich an wie ein Stigma. Jugend war Kapital.

Heute erkenne ich: Diese „jugendliche Ausstrahlung“ war nicht nur genetisches Glück, sondern vor allem das Ergebnis eines bewussten Lebensstils – einer, der auf Langlebigkeit angelegt war, lange bevor ich wusste, dass es dafür ein Wort gibt. 

Nachhaltigkeit beginnt beim Ich

Ich wurde oft gefragt, was mein „Geheimnis“ ist. Und natürlich, ich lebe clean: Ich rauche nicht, trinke kaum Alkohol, habe nie Drogen genommen. Ich schlafe viel. Klingt langweilig? Vielleicht. Aber das ist der Punkt: Langlebigkeit ist keine Sensation, sondern eine Konsequenz.

Und klar: Wenn ich Kolleginnen im gleichen oder jüngeren Alter sehe, die deutlich mehr Spuren des Lebens tragen, fällt das auf. Doch wenn wir tiefer gehen, sehen wir: Nachhaltigkeit beginnt beim Körper, ja – aber sie endet dort nicht. Denn wie kann ich nachhaltig leben, wenn mein Alltag von Stress, toxischen Beziehungen oder einem Leistungsdruck geprägt ist, der mich innerlich ausbrennt?

Ich habe gelernt: Wer langfristig gesund sein will, muss auf allen Ebenen aufräumen. Nahrung, die nährt – und nicht nur füllt. Bewegung, die belebt – und nicht erschöpft. Gedanken, die bestärken – und nicht entwerten. 

Longevity – nachhaltig schön älter werden

Es gibt Begriffe, die plötzlich überall auftauchen – in Podcasts, auf Social Media, in Wellness Retreats. Longevity ist einer davon. Was früher „Anti-Aging“ hieß, nennt sich heute „Longevity“ – und das ist gut so. Denn es geht nicht mehr darum, dem Altern krampfhaft zu entkommen, sondern darum, gut zu altern. Bewusst, gesund und vor allem nachhaltig.

In den letzten Monaten habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt – beruflich, aber auch ganz persönlich. Denn wenn man in einer Branche groß wird, die Jugend fast schon glorifiziert, lernt man früh, dass Altern nicht einfach „passiert“. Heute sehe ich das anders. Langlebigkeit ist keine Strategie gegen Falten – es ist ein ganzheitlicher Lifestyle. Und Nachhaltigkeit spielt darin die Hauptrolle. 

Foto: Peter Müller.
Foto: Peter Müller.

Schönheit beginnt innen

Longevity bedeutet, unseren Körper und Geist langfristig zu pflegen. Nicht mit dem neuesten Hype oder invasiven Treatments – sondern mit echter Fürsorge. Ernährung, Bewegung, Schlaf – die Klassiker. Aber Klassiker aus gutem Grund. Und hier beginnt auch der nachhaltige Ansatz: Wer saisonal und pflanzenbasiert isst, tut nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern auch der Umwelt.

Ernährung als Lebensstil, nicht als Diät

Die größte Veränderung meines Verständnisses von „Health“ kam mit dem Blick auf meine Ernährung. Ich esse überwiegend pflanzlich, Fleisch seit 15 Jahren nicht mehr und keine Milchprodukte – nicht dogmatisch, aber bewusst. Ich habe gelernt, wie sehr unsere Nahrung nicht nur unsere Haut und unsere Energie beeinflusst, sondern auch Entzündungen im Körper, das Mikrobiom, die Hormonbalance. Themen wie intermittierendes Fasten, adaptogene Kräuter oder Omega-3-Fettsäuren gehören heute zu meinem Alltag wie früher das obligatorische Abschminken.

Longevity ist hier auch eine Frage der Herkunft: Ich achte auf regionale, saisonale Produkte, unterstütze kleine Biohöfe, versuche Plastik zu vermeiden. Denn nachhaltiges Altern heißt auch, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für mich, sondern für das System, in dem ich mich bewege. 

Hautpflege: Intelligenz statt Überfluss

Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Mehr Produkte machen die Haut nicht schöner. Unsere Haut ist intelligent – sie braucht keine zehn Schritte, sondern klare Impulse. Wenige, hochwertige Produkte mit guten Inhaltsstoffen – das ist mein Ansatz.

Ich setze auf Marken, die nicht nur clean sind, sondern auch ethisch. The Nue Co. mit ihren probiotischen Supplements, Typology mit transparenter Formulierung, oder Dr. Hauschka, das Unternhemen, das Nachhaltigkeit schon gelebt hat, als es noch niemand auf Instagram geteilt hat. Und: UV-Schutz. Jeden Tag. Punkt. 

Mentale Langlebigkeit: das unterschätzte Fundament

Ein Aspekt, über den wir viel zu selten sprechen: Unsere mentale Verfassung beeinflusst, wie wir altern. Studien zeigen, dass chronischer Stress den Alterungsprozess massiv beschleunigt – auf zellulärer Ebene. Es geht also nicht nur um das „gute Leben“, sondern um das richtige Verhältnis zu sich selbst.

Für mich ist Meditation kein Lifestyle-Accessoire, sondern ein Werkzeug. Genauso wie Tage ohne Social Media. Zeit in der Natur. Freundschaften, die nähren, nicht zehren. All das ist Selfcare – und langfristig gesehen: Longevity pur. Fragen Sie sich doch mal selbst, wo Sie am glücklichsten sind? Ich bin es mit meinem Hund am Meer, in der Natur, und suche mir dort bewusst immer wieder diese kleinen Auszeiten, wenn ich merke, dass ich nicht mehr in der Balance bin. 

Altern als Akt der Selbstermächtigung

Altern wird oft als Verlust erzählt – von Schönheit, Frische, Wert. Ich sehe das anders. Altern ist ein Zuwachs: an Erfahrung, Tiefe, Klarheit. Aber wir müssen lernen, es selbst zu gestalten. Nicht passiv, sondern aktiv. Nicht angepasst an äußere Maßstäbe, sondern aus einem inneren Wissen heraus.

Das hat für mich auch mit Nachhaltigkeit zu tun: Wie sehr bin ich im Einklang mit mir? Lebe ich auf Verschleiß oder in Balance? Und was kann ich heute tun, damit mein Leben morgen noch tragfähig ist – körperlich, emotional, sozial? 

Expertinnen für ein langes, gutes Leben

Weil nachhaltiges Altern kein Zufall ist, sondern Wissen und Haltung braucht, habe ich zwei spannende Frauen gefragt, was Longevity für sie bedeutet – und welche Tipps sie weitergeben.

Nina Ruge, Journalistin, Autorin, Podcastern (STAYOUNG) und Longevity-Vordenkerin, plädiert für Selbstverantwortung und smarte Tools:

  • Daten statt Rätselraten: Mit Wearables wie Ring oder Smartwatch lassen sich Schlaf, Stress und Fitness ganz einfach tracken – für einen klaren Blick auf den eigenen Lifestyle.
  • Bye, Zucker!, sagt sie – und empfiehlt: eine Woche Ernährungstagebuch führen, dann mit Glukose Tracker die versteckten Zuckerfallen entlarven.
  • Muskeln sind Jungbrunnen: Täglich Bewegung, gezieltes Krafttraining – und den VO2max kennen, um die eigene Fitness wirklich zu verstehen.
  • Wissen, was in den Genen liegt: Ein Blick auf die Krankheitsgeschichte der Familie (plus evtl. Gentest) hilft, Risiken frühzeitig zu erkennen.
  • Ernährung clever ergänzen: Besonders bei veganer oder unausgewogener Kost können personalisierte Supplemente sinnvoll sein.

Dr. Britta Kühlmann, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Gründerin der nachhaltigen Pflegemarke CINEOLUX, bringt die medizinisch fundierte Sicht auf moderne Schönheit:

  • Autophagie aktivieren: Fasten, Bewegung, Kälte – kleine Impulse mit großer Wirkung auf Zellebene. Der Effekt? Mehr Zellenergie, weniger Entzündungen und straffere Haut. Tipp: Wer morgens auf Frühstück verzichtet und sich statt Croissant & Cappuccino 30 Minuten bewegt, startet nicht nur frischer, sondern auch zelljünger in den Tag.
  • Zombie-Zellen loswerden: Mit natürlichen Senolytika wie Quercetin (rote Zwiebel, Apfel) und Fisetin (Erdbeeren) gegen stille Entzündungen.
  • Gesunde Haut beginnt im Darm: Fermentiertes, Präbiotika und täglicher Apfelessig-Shot stärken das Mikrobiom.
  • Minimalismus auf der Haut: Wenige, wirksame Produkte mit Retinol, Cineol & Co. – statt Überpflegung.
  • Mentale Jugend schützen: Atemübungen, Pausen, Offline-Zeiten – denn Chronischer Stress lässt uns nicht nur älter aussehen, sondern auch biologisch schneller altern – durch Verkürzung der Telomere, also der schützenden Enden unserer DNA. Ihr Tipp : Box-Breathing 

Mein Fazit

Nachhaltiges Altern bedeutet nicht Verzicht, sondern bewussten Genuss. Es geht nicht um das ewige Jungsein – sondern darum, mit sich selbst in Balance zu bleiben. Schönheit ist kein Ziel. Sondern ein Prozess, den wir gestalten können.

Beide zeigen: Nachhaltig altern bedeutet nicht, der Zeit davonzulaufen – sondern ihr mit Klarheit, Wissen und Selbstfürsorge zu begegnen.

Je mehr ich mich mit dem Thema Longevity beschäftige, desto klarer wird mir: Nachhaltig zu altern ist kein Trend – es ist eine bewusste Entscheidung. Eine Haltung. Es geht nicht darum, ewig jung zu bleiben, sondern darum, gut älter zu werden. In Würde, in Gesundheit – und im Einklang mit sich selbst.

Was ich mitnehme? Dass kleine, tägliche Entscheidungen langfristig große Wirkung haben. Dass Pflege innen beginnt. Und dass wir uns das Recht nehmen dürfen, selbst zu definieren, was Schönheit für uns bedeutet – jenseits von Alter, Idealbildern oder Oberflächen.

Altern ist kein Mangel. Es ist ein Zuwachs. An Tiefe, an Klarheit, an Authentizität. Und genau das ist für mich heute das schönste Geschenk zum Geburtstag.

In diesem Sinne: Happy Longevity – für Sie, für mich, für uns alle. 

Foto: Peter Müller

Anna Hiltrop hat ihren Bachelor-Abschluss in Fashion Luxury Retail Management mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Wirtschaft am renommierten Berkeley College in New York absolviert.

Bereits während ihres Studiums setzte sie sich intensiv mit nachhaltigen Projekten auseinander und wurde dafür 2022 mit dem Green Award sowie dem Model Icon of the Year Award ausgezeichnet.

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