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Jule Gölsdorf im Gespräch mit Frauen in Business und Politik über ihren persönlichen Weg weit nach oben #44 Ayse Auth

Ayse Auth
Bereits 2006 hat Ayse Auth ihr Unternehmen Haarwerk gegründet

Heute: Ayse Auth
Gründerin Haarwerk I Authentic Blonde Haircare by Ayse Auth

Learning 1: Für strahlend blonde Haare braucht es immer die richtige Pflege! Chemisch behandelte Haare verlieren sonst zu viel Feuchtigkeit.

Learning 2: Wer gründet und eigene Produkte auf den Markt bringt, braucht eine hohe Qualität. Eine Marke ohne gute Qualität wird nicht überleben.

Learning 3: Seid authentisch, fleißig und habt Durchhaltevermögen, um erfolgreich zu sein. Aber vergesst nicht, auch das Leben zu genießen!

Jule Gölsdorf: Du bist Unternehmerin mit mehreren Friseursalons, eigene Haarpflegelinie, bist eine eigene Personality – und hattest einige Schicksalsschläge zu verkraften. Eines musstest du immer sein: Mutig. Ist Mut etwas, das man in sich hat oder kann man das lernen?

Ayse Auth: Beides! Ich wurde nicht mutig geboren und meine Schicksalsschläge waren Prüfungen. Mut steht Angst gegenüber – wenn ich Angst habe, bleibe ich stehen, dann bewegt sich nichts, es gibt keinen Wandel. Deshalb gehe ich lieber immer einen Schritt weiter, das nimmt einem die Angst und man wird Schritt für Schritt mutiger. Das kann jeder lernen!

JG: Das hast du ganz zu Beginn deiner Karriere schon so gemacht, du hast mit deiner Zwillingsschwester einen Salon in Frankfurt eröffnet, kurz danach gab es einen Wettbewerb von L´Oréal und du warst – im Gegensatz zu deiner Schwester – sofort davon überzeugt, dass ihr gewinnen würdet. Warum warst du dir so sicher?

AA: Wir sind wie Ying und Yang – wir sind zwar optisch ähnlich, sonst aber völlig verschieden. Ich glaube immer an das, was ich tue, ich bin da mutiger und großkotziger als meine Schwester. Das motiviert und überzeugt mich auch! Mein Gehirn hört das und dann klappt es auch. Ich visualisiere so einen Gewinn einfach – ich sehe mich, wie ich diesen Pokal in der Hand halte. Ich habe zu meiner Schwester gesagt: Ich gehe nicht dorthin, um mitzumachen, ich will gewinnen! Das Visualisieren ist wahrscheinlich eine spirituelle Ader von mir. Zwischen Zwillingsschwestern gibt es ja auch immer Konkurrenz! Alle Zwillinge haben das – wir messen uns am Gegenüber: Wenn sie es kann, kann ich es auch! Oder – wenn sie nein sagt, sage ich ja! Das geht in alle Richtungen.

JG: Ihr wart gemeinsam ziemlich erfolgreich, irgendwann hast du dich aber entschieden, dein eigenes Ding zu machen. Als Zwilling wird man immer im Doppelpack gesehen, war das auch ein Grund?

AA: Ich bin natürlich super dankbar für das, was wir gemeinsam erreicht haben. Und es gibt natürlich auch viele Zwillinge, die immer alles zusammen machen, aber viele von ihnen wollen eben auch eine eigene Persönlichkeit sein, mit eigenen Ideen, Visionen und einer eigenen Handschrift. Das wollte ich auch! Das war schon schwer – auf der anderen Seite, wenn man etwas Gutes loslässt, kann noch etwas Größeres hinzukommen. Dann gibt es einen Neuanfang, das ist doch schön. Wer losgeht, ist auf dem Weg!

JG: Mit Schwierigkeiten zurecht zu kommen, kanntest du ja schon. Unter anderem bist du weit weg von deinen Eltern bei deiner Großmutter in der Türkei aufgewachsen, mit der du mittelmäßig ausgekommen bist, daher warst du rebellisch. Du hast ein Kind verloren, hattest mit einer Krebserkrankung zu kämpfen. Es gab viele Neuanfänge. Wie hast du es geschafft, trotzdem immer nach vorne zu schauen?

AA: Meine Kindheit war teils schwer. Ohne Eltern mit der Schwester bei der Großmutter aufzuwachsen, hat mir beigebracht, für mich einzustehen. Das hat mich stark gemacht, ich habe gelernt, mich um mich selbst zu sorgen, ich bin selbstbewusster geworden. Das war auch schmerzhaft, aber Schmerzen machen stark! Das gehört zum Leben. Wenn man solche Schicksalsschläge durchlebt, muss man sich Zeit geben. Man sollte niemals aufgeben, muss mutig sein, aber nicht erwarten, dass alles ganz schnell geht. Es gibt immer Licht am Ende des Tunnels, aber es geht eben nur Schritt für Schritt nach vorne. Und als Unternehmerin muss man sowieso jeden Tag mutig sein. Ich treffe jeden Tag Entscheidungen, ohne zu wissen, ob der Plan aufgeht. Mut hört nie auf!

JG: Ein Thema, ist dein Kernthema: Die Farbe blond. Was hat dich daran fasziniert?

AA: Wenn ich das Wort blond höre, geht mir direkt das Herz auf. Ich bin ja nicht blond geboren, aber immer wenn ich blonde Menschen angeschaut habe, sah ich einfach besonders strahlende Personen. Ich wollte Frauen mit den blonden Haaren immer eine tolle Ausstrahlung geben, ein neues Selbstbewusstsein, ein neues Ich. Das begeistert mich einfach jeden Tag! Ich freue mich, wenn ich meine Kundinnen anschaue und denke: Wow! Ich liebe es zu sehen, wenn ihre Augen leuchten, wenn sie ihre neuen Haare sehen. Jede Frau möchte doch im Herzen einmal blond sein! Und gerade im Alter macht das Blond die Gesichtszüge weicher. Ich mag auch Brauntöne, aber es muss eben zum Typ passen. Auch die richtigen Brauntöne kann nicht jeder färben, da muss man sich gut auskennen.

JG: Eine Blondierung ist natürlich nicht ganz unschädlich für die Haare?

AA: Nicht jedes Blond macht die Haare kaputt! Es braucht natürlich die richtige Technik und die perfekte Pflege. Wer sich die Haare färbt und auf Pflege verzichtet, muss sich nicht wundern, wenn die Haare nicht gesund bleiben. Für ein strahlendes Blond braucht es die richtige Technik und gute Produkte. Das kann auch nicht jeder Friseur, das lernt man ja nicht in der Grundausbildung, dafür muss man sich spezialisieren, das ist wirklich wichtig! Chemisch behandeltes Haar braucht immer Pflege, eine Maske, denn das Haar verliert Feuchtigkeit durch die Blondierung.

JG: Was sind denn aktuelle Trends, was die Blondtöne angeht?

AA: Es muss immer ein Blond sein, was zum Typ, zur Persönlichkeit passt, das ist das Allerwichtigste! Dieses total künstliche Blond ist out! Es braucht natürliche, individuelle Blondtöne. Ich möchte meine Kundin anschauen und sagen: Das Blond bist du!

JG: Du hast ja eine eigene Haarpflegelinie entwickelt, wie lief der Prozess ab? Zu Gründen ist ja nie leicht?!

AA: Das war eine echte Herausforderung, ich hatte 25 Jahre Erfahrung als Blond-Expertin und mir war kein Produkt auf dem Markt gut genug! Ich kannte alle Produkte und wollte etwas anderes machen. Meine Produkte sollten die Haare pflegen, silikonfrei sein, natürliche Inhaltsstoffe enthalten und das Blond zum Strahlen bringen. Ich wollte nie einfach nur meinen Namen für eine Marke hergeben, ich wollte selbst entwickeln, mit Inhaltsstoffen, die ich selber aussuche! Weil ich weiß, was blonde Haare brauchen. Das hat 4 bis 5 Jahre gedauert, bis die Produkte perfekt waren. Allein die Suche nach einem Labor hat ewig gedauert, viele haben abgelehnt, die Türen zu gemacht. Ich musste da viel ausprobieren. Mein eigener Kopf und die Köpfe meiner Freunde und der Familie mussten zum Testen herhalten. Am Ende ist die Formel wichtig – und ich habe da jetzt ein eigenes Patent! Jetzt ist es eine Produktlinie geworden, die Menschen mit jeder Haarfarbe benutzen können. Alles, was für blonde Haare gut ist, ist auch gut für andere Haarfarben. Aber bis es soweit war, brauchte es Geld und Geduld.

JG: Hattest du einen Businessplan?

AA: Nein! Ich liebe das an mir, finde es aber auch riskant – frei nach dem Motto: No risk, no fun – ich habe nicht groß kalkuliert, ich habe erstmal nur Geld ausgegeben. Ich wusste, ich muss investieren, für den Namen, die Marke, die Entwicklung der Verpackung, den Slogan, die Produkte sollten optisch auffallen! Eigentlich hätte ich als Werberin geboren werden sollen, ich habe immer Ideen. Und ich hatte eine Vision: Die Produkte sollten im Regal gesehen werden. „Shine like a diamond“ musste auf den Flaschen stehen. Da habe ich mit Agenturen zusammengearbeitet – eigentlich habe ich die ersten fünf Jahre nur investiert: Zeit, Geduld und Geld! Aber ich wusste, dass Qualität sich durchsetzt, das ist ja wichtig für die Marke. Die Leute sollen die Produkte ja immer wieder kaufen. Eine Marke ohne Qualität wird nicht lange überleben!

JG: Spielte dein Geschlecht eine Rolle beim Gründen?

AA: Nein! Das war kein Thema. Der Friseur ist ja ein Männerberuf, aber für mich hat das immer gut gepasst. Ich habe mein Kind alleine großgezogen, ich habe mein Unternehmen alleine gegründet – klar anfangs mit der Zwillingsschwester. Aber wir hatten nicht das Gefühl, dass Männer es leichter haben, jedenfalls nicht grundsätzlich. Ich habe mich damit nicht beschäftigt und mich nicht aufhalten lassen. Ich freu mich auch, dass mittlerweile immer mehr Mädchen – auch gerade in der Türkei – den Friseurberuf lernen. Früher haben die Frauen ja auch häufig aufgehört zu arbeiten, wenn sie Kinder bekommen haben. Für mich war das nie eine Option! Was ich jungen Frauen mit auf den Weg geben möchte, die sich selbstständig machen oder eine Firma übernehmen wollen: Bleibt euch treu! Lasst euch nicht verbiegen. Seid authentisch und fleißig. Man muss immer dranbleiben und durchhalten. Erfolg stellt sich nicht in ein paar Wochen ein. Trotzdem darf man nicht vergessen, auch zu leben! Auch das ist wichtig!

JG: Wenn du zurückschaust, würdest du etwas anders machen?

AA: Eigentlich nicht. Mein Leben ist ein Geschenk, es ist genauso, wie ich es haben wollte. Ich lebe ein Leben, das ich selbst gestalte und das macht mich glücklich! Stolpersteine machen mich stärker. Ich liebe einfach meinen Beruf, ich liebe Haare, ich liebe Menschen, ich liebe das Blond! Wenn mir das nicht mehr gefallen würde, würde ich aufhören. Ich mache das wirklich aus Leidenschaft!

JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?

AA: Also ein Geschenk sind meine Erfolge, das sind die Sahnehäubchen. Wenn ich ein Produkt launche und das funktioniert, das macht mich glücklich. Für mich sind meine Produkte die Stars! Oder wenn ich einen Wettbewerb gewinne oder ich positive Rückmeldungen bei Instagram erhalte. Strafen sehe ich nicht – ich bin ein Mensch, der sich an den schönen Dingen erfreut. An den schlechten halte ich mich nicht lange auf. Ich lebe im Jetzt, ich wühle auch nicht in der Vergangenheit. Das alles macht mich zu dem Menschen, der ich heute bin. Der letzte Test war ein Immobilienkauf in Südfrankreich. Die Renovierung ist eine echte Herausforderung. Wir sind da sehr gut gestartet, aber jetzt zum Schluss wird es gerade etwas mühsam. Ich versuche gerade, die Leute zu motivieren, dass wir fertig werden. Eine echte Prüfung für meine Geduld!

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