Jule Gölsdorf im Gespräch mit Frauen in Business und Politik über ihren persönlichen Weg weit nach oben
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Jule Gölsdorf im Gespräch mit Frauen in Business und Politik über ihren persönlichen Weg weit nach oben #34 Sigrid Kopp

2023 gründete Sigrid Kopp ILUMAA LYMPHATIC.

Heute: Sigrid Kopp
Gründerin Ilumaa

Learning 1: Durch mangelnde Bewegung kann es dazu kommen, dass unser Lymphsystem nicht mehr richtig funktioniert. Doch mit gezielter Drainage können wir gegensteuern.

Learning 2: Ein gutes Business entsteht oft aus einem need heraus – man merkt dann schnell, ob die Nachfrage da ist. 

Learning 3: Ein nein zu bekommen, ist nicht immer negativ! Es sorgt dafür, dass man sich verändert und einen neuen Weg einschlägt.

Jule Gölsdorf: Du hast dich auf das Lymphsystem spezialisiert – warum?

Sigrid Kopp: Ich habe mich vor 10-15 Jahren mit der Faszie beschäftigt – das Thema war damals noch gar nicht aktuell – nicht mal in Anatomiebüchern. Ich komme ja aus dem Fitness-Bereich und habe angefangen, andere Trainer darüber zu informieren, was Faszien sind und warum sie wichtig sind. Heute hat fast jeder eine Faszienrolle und ich bin stolz darauf, dass ich dazu beigetragen habe. Und darüber hinaus habe ich schnell verstanden, dass nicht nur Ernährung und Sport wichtig für den Körper sind, sondern auch das Immun- und das Lymphsystem. Weltweit war über das Lymphsystem schon viel bekannt, aber in 2014 gab es bei uns kaum Ausbildungen dazu. Klar, die medizinische Lymphdrainage gab es, aber ich wollte das Thema in den Beauty-Bereich bringen. Meine Mädels in Estland kannten Shaping, Bodyforming und die Lymphdrainage schon lange – die haben das schon immer gemacht und mich ausgelacht, als ich damit ankam. In Lissabon habe ich dann eine brasilianische Lymphdrainage-Schulung absolviert und habe gesehen: Da steckt Potential! Und als die Elle noch eine Geschichte dazu gemacht hat, wusste ich – jetzt ist der Zeitpunkt da. Wir sammeln ja viel Müll im Körper an, durch Bakterien, Schwermetalle, Antibiotika oder schlechte Proteine. Unser Lymphsystem ist dafür zuständig, diese Stoffe wieder auszuscheiden, die Lymphknoten sind die Filter. Und diesem Prozess können wir unterstützen.

JG: Wie funktioniert das?

SK: Unser Körper beinhaltet ja Muskulatur – und deren Bewegung schiebt die Lymphflüssigkeit nach oben – in die Knoten in den Gelenken. Früher haben wir Menschen uns viel bewegt, heute sitzen wir zu viel herum. Daher wird die Flüssigkeit nicht mehr genügend gereinigt. Dabei kann die brasilianische Lymphdrainage helfen, sie unterstützt die Bewegung der Flüssigkeit und das ist wichtig für die Gesundheit!

JG: Woran merkt man, wenn mit dem eigenen Lymphfluss etwas nicht stimmt?

SK: Das Lymphsystem und das Immunsystem hängen eng miteinander zusammen – das eine geht nicht ohne das andere. Wenn man immer wieder kränkelt, die Haut schlechter wird, wenn es Dellen im Gewebe gibt, die Beine schwer sind und die Lymphknoten zu dick – dann sind das Anzeichen für ein überfordertes Lymphsystem. Der Körper sagt uns: Du hast schlecht gegessen, du hast zu viel Stress, du bewegst dich zu wenig, du kümmerst dich nicht genügend um dich selbst!

JG: Du hast drei Studios in München, wo du Behandlungen anbietest und auch eine eigene Kosmetiklinie. Wie kam es dazu?

SK: Ich wollte den Menschen die Lymphgesundheit nahe bringen und habe zunächst ein Studio eröffnet – für Faszien und die Lymphdrainage. Und das wurde sofort extrem gut angenommen – weil das in Hollywood auch gerade ein Hype war. Ich hatte also viel zu tun und habe dementsprechend viel Öl benötigt. Mit den Ölen war ich aber nie zufrieden! Und ich wollte auch, dass die Kunden ihr Lymphsystem zuhause pflegen können. Ich habe dann durch Zufall eine Biochemikerin kennengelernt, die eine kleine Manufaktur hatte. Und da habe ich das erste Öl entwickelt –  das hat ein Jahr gedauert, weil ich nie zufrieden war. Aber die elfte Probe war dann perfekt! Da ist Rizinusöl drin und Sesamöl, beide haben eine entzündungshemmende Wirkung.

JG: Der Prozess der Entwicklung ist ja nicht leicht – hast du die Finanzierung alleine gestemmt?

SK: Ja! Ich war eigentlich immer selbstständig, habe mir etwas vorgenommen und dann viel daran gearbeitet, das war schon immer so! Ich habe das Studio alleine gestartet, ich bin sehr kreativ, liebe Interior, habe Wände selbst gestrichen – das volle Programm! Und genauso war das mit den Produkten – ich habe lange recherchiert, mich mit der Biochemikerin besprochen. Und das ganze Geld, was auf der einen Seite reinkam, habe ich in die Produktion gesteckt. Das war hart, aber ich wusste: Ich möchte etwas mit Sinn erschaffen! Ich möchte den Leuten etwas geben!

JG: Was waren die größten Herausforderungen und auch Fehler, aus denen du gelernt hast?

SK: Ich sage immer: Mein Ziel ist mein Weg. Daher würde ich auch nichts anders machen. Die Höhen und Tiefen, die Aufregung waren wichtig, sonst wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin – und wahrscheinlich auch nicht so klar, was meine Ziele angeht. Ich habe auf dem Weg viel gelernt. Heute kann ich auch mal nein sagen, früher wollte ich immer für alle da sein. Aber natürlich, wenn man jung ist und keine wohlhabende Familie hat, die einen finanziell unterstützt, ist es schwierig, mit wenig Geld große Schritte zu machen. Das bremst natürlich, aber es heißt nicht, dass man es nicht schaffen kann.

JG: Wie bist du in der Design-Entwicklung vorgegangen?

SK: Das, was man heute sieht, ist unser Rebranding. Das haben wir erst in 2025 rausgebracht, vorher war das Logo noch anders und alles ein wenig weicher. Ich hatte schon immer ein Auge für Ästhetik, habe aber auch Unterstützung von einer Markenagentur bekommen. Und genauso wie ich wachse, wächst auch meine Marke. Deswegen sieht sie heute reifer, stärker und eleganter aus. Jetzt sage ich mehr mit der Struktur aus als mit der Farbe. Wir haben jetzt beispielsweise Wellen auf der Verpackung, ansonsten sind die Produkte sehr clean gehalten. Da stehe ich voll dahinter, das bin ich!

JG: Hast du einen Businessplan gehabt?

SK: ja, wir hatten einige Business-Pläne, ich hatte dabei auch Unterstützung durch meinen Mann. Und wir haben auch ein tolles Team, was wir auch brauchen, weil wir wachsen und auch spannende Kooperationen haben. Der Plan stand zu Beginn, aber er hat sich auch geändert. Ich habe neulich gerade meinen alten Business-Plan gelesen, das war spannend. Damals wusste ich ja nicht, dass diese Stepps wirklich mal real werden – und wir sind wirklich gut geworden! Wir haben zum Beispiel eine Spa-Kooperation mit dem Krallerhof. Dort gibt es jetzt auch Massagen und Drainagen mit unseren Produkten. Und wir sind auch mit einem Hotel auf den Malediven in Kontakt – und sprechen auch mit größeren Gruppen. Da bewegt sich gerade richtig viel!

JG: Das klingt toll, aber macht auch Druck, oder?

SK: Natürlich – aber man darf da keine Zweifel aufkommen lassen! Unsere Antwort ist immer: Wir schaffen das! Wir haben das Team dafür! Und insgeheim denke ich manchmal – können wir das wirklich? Aber das ist ja auch normal. Natürlich muss man einigermaßen realistisch denken. Aber wir haben auch einfach ein tolles Team – da heißt es anpacken und dann klappt das schon. Als Gründerin muss man einfach Stärke zeigen! Und wir haben unsere Nische gefunden, in dem Bereich gab es ja noch nicht so viele Produkte. Wir wollten die ersten sein, die mit richtig guter Qualität Kosmetik anbieten, die positiv für die Lymphgesundheit ist. Unser Produkt ist aus einem need entstanden und dann haben wir gesehen: Die Nachfrage ist da, das hilft.

JG: Hat es je eine Rolle gespielt, dass du eine Frau bist?

SK: Ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht. Aber vielleicht liegt das auch an meiner lockeren Art. Klar gab es Termine, wo Männer erstmal skeptisch waren und sich wahrscheinlich gefragt haben: Was will die von mir? Aber meistens konnte ich die Begegnungen ins Positive drehen. Aber ich war natürlich auch immer selbständig, musste immer mit eigenen Mitteln kämpfen – und konnte die meisten überzeugen. Und was die Finanzierung angeht – ich gehe jetzt auch nicht zu den Leuten und sage, ich möchte jetzt 5 Millionen, sondern ich erkläre erstmal meinen Weg.

JG: Hast du Tipps für junge Frauen in der Gründer-Szene?

SK: Junge Frauen sollen an sich glauben, sich klar positionieren, straight bleiben, nicht so viele Emotionen zeigen. Ich versuche immer, mit positiver Energie in Gespräche zu gehen. Natürlich bin ich aufgeregt, aber ich lasse mir keine Angst einjagen! Es kann niemand mehr als nein sagen. Selbst wenn, dann geht es weiter! Ich hatte immer wieder Situationen, in denen etwas nicht geklappt hat, aber dann war es auch nicht das Richtige. Und ein nein kann ja auch bewirken, etwas anders zu machen. Man muss einfach an sich glauben!

JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?

SK: Mein Leben testet mich ständig, das wird wohl auch nie aufhören. Ich freue mich auch darauf, weil ich weiß, dass ich mich weiterentwickele. Da gehören auch Rückschläge dazu, auch die sind in Ordnung. Meine Familie ist ein Geschenk, meine Kinder, mein Mann – aber auch mein Team. Das hilft uns, zu wachsen – und das Team soll auch mitwachsen und etwas davon haben. Strafen würde ich eher als Herausforderungen bezeichnen – und die gehören zum Leben dazu.

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