Jule Gölsdorf im Gespräch mit Frauen in Business und Politik über ihren persönlichen Weg weit nach oben
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Jule Gölsdorf im Gespräch mit Frauen in Business und Politik über ihren persönlichen Weg weit nach oben #24 Céline Widmer

Céline Widmer auf marieclaire.de zu ihren Career Learnings.
Céline Widmer gründete im Dezember 2022 ihr Schmucklabel aloé jewelry.

Heute: Céline Widmer
Gründerin aloé jewelry

Learning 1: Wenn man gründet, sollte man mit dem Produkt emotional verbunden, authentisch sein. Die Kunden spüren, ob man wirklich mit Herz und Power bei der Sache ist!

Learning 2: Man muss nicht alle Chancen nutzen, die einem geboten werden. Manchmal ist es auch richtig, einen Schritt zurückzugehen und mit Respekt etwas abzulehnen.

Learning 3: Nimm dir nur konstruktive Kritik zu Herzen! Alles andere bremst dich nur aus – halte dich lieber an die Dinge und Menschen, die positiv sind.

Jule Gölsdorf: Ein Unternehmen zu gründen, ist ein großer Schritt. Wolltest du vor allem selbständig arbeiten oder fehlte dir ein Produkt auf dem Markt?

Céline Widmer: Es war eine Kombination, ich war schon immer sehr ambitioniert, arbeite sehr gerne, wenn mir die Arbeit Spaß macht. Eine mögliche Selbständigkeit hatte ich immer schon im Hinterkopf.

Ich habe vor ein paar Jahren gemerkt, dass es auf dem Markt keinen Initialen Schmuck gibt mit filigranen und trotzdem alltagstauglichen Buchstaben. Zudem habe ich selbst in hochwertigen Juweliergeschäften nur Standard-Armbandgrößen gefunden. Also habe ich mir dann gedacht: Ich mache das einfach selber!

JG: Viele haben eine Idee, die wenigstens setzen sie um – wie sahen deine ersten Schritte aus?

CW:. Ich hab erstmal all meine Gedanken und Ideen versucht zu sammeln. Dann habe ich mich damit auf die Suche nach einem Goldschmied gemacht. Es stellte sich heraus, dass alles so umzusetzen, wie ich es wollte, gar nicht so einfach werden würde. Zum Glück habe ich dann die Produktion entdeckt, mir der ich jetzt auch zusammenarbeite. Und dann habe ich meinen Mann gefragt, wie ihm der Name Aloé gefällt. Also – die Mischung aus den Namen meiner Töchter Alissa und Zoé – und habe ihm erklärt, dass ich jetzt gründe. Dann ging es darum, zusammen mit einer Anwältin alles richtig aufzugleisen, was den Namen, die Rechte und so weiter angeht. Und dann war schnell klar: Der Name steht, die Produktion auch, der Name wird als Marke eingetragen, in Deutschland und Europa, ich bin ja ambitioniert – und los ging’s!  Dann brauchte es eine Online-Boutique – das war richtig viel Arbeit! Wir mussten ein Shooting machen, Texte für die Website schreiben, einen Social-Media-Kanal aufsetzen – und das alles parallel.

JG: Was den Namen angeht – warst du einfach von Aloé überzeugt und hast ihn so genommen oder habt ihr eine Marktforschung gemacht?

CW: Wir haben juristisch geprüft, was geht. Grundsätzlich finde ich, dass ein Name nicht zu kompliziert sein darf, die Leute müssen ihn sich gut merken können – und es hilft natürlich, wenn die Kunden merken, dass du als Gründerin mit dem Namen emotional verbunden bist. Und diese Punkte sind ja gegeben. Ich bin stolze Mama, stehe voll hinter dem Namen, der sich aus den Namen meiner Kinder zusammensetzt. Deshalb war das für mich richtig!

JG: Hattest du trotzdem Momente in der Gründungszeit, wo du an dir gezweifelt oder dich gefragt hast, warum habe ich das gemacht?

CW: Bereut habe ich es nie, aber natürlich gibt es Momente, wo man sich fragt: War das die richtige Entscheidung? Hätten wir das anders machen können? Aber ich glaube, das gehört auch zum Gründen dazu. Es gibt ja auch immer gute und schlechte Verkaufsphasen – wichtig ist immer das Mindset in diesen Situationen! Bleibst du dran? Kannst du damit umgehen? Oder denkst du sofort, Hilfe, ich höre auf! Aber das wäre überhaupt nicht meine Art. Und wir sind ja auch schnell gut gewachsen – und wenn viele Sachen schnell passieren, hast du gar keine Zeit, übers Aufhören nachzudenken.

JG: Man muss dann ja überlegen: Wie viele Produkte produziere ich, wie viele bringe ich gleichzeitig auf den Markt? Nicht, dass man zu viel produziert und dann will niemand die Produkte haben?

CW: Das Problem hatten wir zum Glück nicht, weil die Produktion auf Bestellung liefert. Das gibt uns natürlich die Sicherheit, zu wissen, dass wir nicht auf tausend Ketten sitzen bleiben. Wir produzieren auf Kundenwunsch und können deshalb auch auf individuelle Wünsche eingehen. Wir müssen nicht vorab produzieren – außer wir gehen mal in einen Popup-Store – klar, dann müssen wir Produkte da vor Ort haben.

JG: Individualität macht Produkte natürlich teurer – ein Unternehmen, das 10 Tausend Stück produziert, kann sie hinterher günstiger anbieten. War dir diese Individualität wichtig?

CW: Ja, ich wollte den Kunden was Individuelles bieten. Wir können ganz transparent sein, jeder kann sehen, wie ist der Schmuck produziert, für welche Werte stehen wir und woher das Material kommt. Unsere Diamanten kommen zum Beispiel aus Kanada – das ist der teuerste Ort, aber ich weiß, wie da produziert wird. Ich möchte nicht nur an das große Business und die Marge denken, ich möchte, dass der Kunde ein gutes Produkt bekommt. Klar, da fallen ein paar Kunden hinten runter, aber die Kunden, die wir haben, die wertschätzen auch, dass wir keine Massenware bieten und sind auch bereit, den Preis zu bezahlen.

JG: Ein Vorteil, wenn man auf Bestellung produzieren kann, ist auch, dass man nicht so viel Kapital braucht. Du hast ja alles selbst finanziert, war das eine bewusste Entscheidung?

CW: Mir war es wichtig, alles selber entscheiden zu können und keinen Druck von außen zu haben!
Ich habe mich bewusst gegen Investoren entschieden. Klar, hätten manche Investoren noch andere Netzwerke, die man noch nicht hat, wenn man neu in Geschäft ist, aber wir haben auch so vieles richtig gemacht. Ich stehe dazu und mache genauso weiter!

JG: Gab es denn Stolpersteine, aus denen du gelernt hast? Kannst du anderen jungen Gründerinnen etwas mitgeben?

CW: Das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist, dass man nicht alle Chancen, die einem geboten werden, annehmen muss.  Ich habe immer gedacht – wenn ich das jetzt nicht mache, wer weiß, ob die Chance nochmal wieder kommt. Verpasse ich jetzt einen Wachstumsschritt? Ich hätte sicher einige Möglichkeiten einfach entspannt ablehnen können. Man muss nicht alles machen! Wir sind schnell gewachsen und andere sind auf uns aufmerksam geworden – das ist toll, aber es baut auch Druck auf. Man darf immer einen Schritt wieder zurückgehen und sich fragen: Möchte ich das wirklich? Respektvoll etwas abzulehnen, ist völlig in Ordnung.

JG: Klein anzufangen, ohne Investoren, selber der Chef zu sein und zu bleiben, würdest du das weiter empfehlen?

CW: Für mich war das genau richtig. Es ist aber schwierig, da zu verallgemeinern. Gründen ist extrem individuell. Ideen haben viele, aber man muss sich eben genau überlegen, welches die eine Idee ist, die man durchzieht. Man muss gut überlegen und dann mit viel Herz und Power gründen.

JG: Hat man es als Frau eigentlich leichter im Schmuckbusiness?

CW: Nicht zwingend, nein. Der Vorteil der Frau ist vielleicht, dass wir sehr emotional sind – so können wir Emotionen auch im Verkauf gut rüberbringen. Schmuck ist ein Produkt mit hohem emotionalem Wert. Nehmen wir uns einen Heiratsantrag als Beispiel. Wir begleiten die Kunden dabei, versuchen sie zu unterstützen und auf emotionaler Ebene abzuholen falls gewünscht.

JG: Hattest du generell schon mal das Gefühl, dass du unterschätzt wurdest, weil du eine Frau bist?

CW: Ja, sehr oft in meinem Leben. Wobei man sich ja nicht beweisen muss, nur weil man eine Frau ist. Aber ich hatte es schon oft, dass Leute zu mir sagen: Dich habe ich mir ganz anders vorgestellt. Ich weiß nicht, ob Männern das auch so häufig passiert.

Ich werde vom Aussehen her oft jünger geschätzt, als ich eigentlich bin. Dann sitz ich manchmal an einem Tisch – und ich weiß ja, dass ich die Berechtigung habe, da zu sitzen – und da sind da Menschen, die mich nicht kennen, die denken, wer ist denn das junge Mädchen da am Tisch?

Wenn die Leute dann hören, wie erfolgreich wir mit Aloé in so kurzer Zeit geworden sind, dann kommt sowas wie: Ach, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Als Frau hat man da schon mit Vorurteilen zu kämpfen – so nach dem Motto: Kann man Make-up mögen und trotzdem eine gute Unternehmerin sein? Aber am Ende möchte ich einfach damit punkten, was ich leiste. Qualität, eine gute Arbeitseinstellung – die Menschen, die mir beruflich wichtig sind, verstehen das schon.

JG: Was würdest du Frauen empfehlen, die mit Vorurteilen zu kämpfen haben – welcher Art auch immer?

CW: Wir Frauen sind so gute Multitasker, ich glaube nicht, dass wir schlechter im Business sind als Männer. Eine Frau ist anders als ein Mann, das hat immer Vor- und Nachteile. Die Emotionalität habe ich ja schon angesprochen, aber auch die Fähigkeit, viele Dinge gleichzeitig zu erledigen. Wenn ich sehe, was ich an einem Tag schaffe, da bin ich schon stolz drauf!

Wir Frauen müssen für das einstehen, was wir können und was uns ausmacht. Und Kritik, welche nicht konstruktiv ist, sollten wir uns nicht so zu Herzen nehmen.

Man muss für das einstehen, was man kann und sollte sich Kritik nicht so zu Herzen nehmen, zumindest wenn sie nicht konstruktiv ist. Wenn man immer nur darüber nachdenkt, was andere denken, bremst einen das aus. Man sollte sich an das halten, was positiv ist – und auch an die Menschen, die mit einem wachsen wollen. Mich irritieren negative Kommentare nicht so. Klar höre ich mir das an, weil ich immer schaue, ob ich daraus was mitnehmen kann. Aber wenn das nicht der Fall ist, dann kann ich sowas gut ausblenden und mich auf die wichtigen Dinge konzentrieren.

JG: Wie ist es mit der Doppelbelastung? Zwei Kinder zu haben und zu gründen, ist sicher nicht so ohne?

CW: Das stimmt, die Frage ist ja: Wann gründest du? Ich habe auch keine Familie um mich herum, die mir Arbeit abnehmen könnte – keine Großeltern, wir haben auch keine Nanny und nur selten Babysitter. Mein Mann und ich managen das zusammen. Aber die Doppelbelastung haben wir ja beide – nur wird er weniger danach gefragt. Wir teilen uns das gleichwertig auf – sind auf Augenhöhe, sind sehr strukturiert. Er ist ja Kapitän in seinem Verein – kann gut organisieren. Und wir kommunizieren auch sehr gut miteinander – die Kinder wissen, dass Mama und Papa arbeiten gehen, Ambitionen haben und auch das Privileg, das machen zu dürfen, was ihnen gefällt. Ich bin immer präsent, wo ich bin! Wenn die Kinder da sind, schaue ich nicht dauernd auf das Handy. Ich setze mich dann lieber abends noch mal hin, wenn die Kinder schlafen. Ich höre aber auch auf meinen Körper, ich bin fit und gesund, arbeite nicht bis 4 Uhr morgens. Ich kenne meine Grenzen und traue mich dann auch, zu sagen: Ich gehe jetzt schlafen und kümmere mich morgen. Ich bin stolze Mama, stolze Gründerin, stolze Ehefrau und stolze Hundemama! Wenn das Mindset stark ist, schafft man das schon. Und die Kinder sind entspannt, weil wir es auch sind.

JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?

CW: Für mich ist es ein Test, in Deutschland zu sein, und das meine ich nicht so negativ, wie es jetzt vielleicht klingt. Es ist eben anders als in der Schweiz und ich muss mich schon daran gewöhnen, die Familie nicht in der Nähe zu haben, alles alleine zu wuppen, das ist eine Challenge. Ein Geschenk ist, dass ich zufrieden mit mir selbst und meinen Entscheidungen sein kann. Und dass ich meinen Mann sehr früh getroffen habe – wir sind jetzt 13 Jahre zusammen, das ist so toll und wertvoll. Mit ihm bin ich erwachsen geworden, gewachsen, zu der Frau geworden, die ich bin. Immer mit Respekt füreinander. Es ist definitiv ein Geschenk, sich selbst zu finden und den eigenen Wert zu erkennen! Bei einer Strafe fällt mir nichts ein – ich bin ein sehr positiver Mensch, dass ich aus jeder Situation, sei sie auch noch so schlimm, etwas Gutes ziehen kann.

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