Heute: Yana Nesper
Managing Director und Designer fine jewellery Heinz Nesper
Learning 1: Man sollte nie frei von Zweifeln sein, sonst wird man selbstgefällig! Natürlich muss man an eine große Vision glauben, aber immer besser werden zu wollen, gehört auch dazu.
Learning 2: Wer ein Unternehmen gründet, muss sich auf viel Arbeit einstellen: Die Tage sind lang, die Wochenenden kurz.
Learning 3: Habt keine Angst vor Veränderungen, sie können Großes bewirken. Und: Be ahead of time!
Jule Gölsdorf: Perlenketten galten zeitweise als spießig, mittlerweile sind sie wieder in – auch dank Ihrer Designs, was ist der Perlentrend für 2025?
Yana Nesper: Perlen sind generell im Trend, das ist schon seit ein paar Jahren so. Wandelbarkeit ist ein großes Thema. Viele unserer Schmuckstücke kann man unterschiedlich tragen. Bei uns gibt es zum Beispiel die LOVE Kette, die lässt sich auf 3 verschiedene Arten umlegen, so kann man verschiedene Looks kreieren. Bei einem anderen Modell kann man die Perlen verschieben, um die Optik zu verändern, heutzutage können wir kreativer mit den Schmuckstücken umgehen. Was auch im Trend ist, dass Ketten im Rücken getragen werden. Und auch die alte „Oma-Kette“ hat ein Revival! Sie wird aber heute auch mal kombiniert mit einer Goldkette oder einem schönen Anhänger.
JG: Gehen Perlen mittlerweile auch für Männer?
YN: Ja! Man sieht das immer häufiger, Harry Styles hat den Trend ja losgetreten – aber auch andere Stars aus der Musik- oder Schauspielbranche tragen sie am roten Teppich. Ich freue mich über jeden, der Perlen trägt. Wir haben keine spezielle Männerkollektion, aber dadurch das viele Stücke wandelbar und in der Länge verstellbar sind, können sie unisex getragen werden.
JG: Jetzt im Sommer gehen viele auch zurechtgemacht an die Beachbars und den Strand – sind Perlen dafür geeignet?
YN: Perlen kommen zwar aus dem Wasser, aber am Strand würde ich hochwertige Perlen auf keinen Fall tragen! Perlen mögen keine Kosmetika, zum Beispiel Sonnencreme sollte nicht mit Perlen in Berührung kommen, auch Schweiß ist nicht ideal, ebenso tut die direkte Sonneneinstrahlung den Perlen nicht gut.
JG: Beim Design von Schmuckstücken – wie sehr muss man da nach den aktuellen Trends gehen? Einige Ihrer Schmuckstücke waren ja auch bei der Netflix-Serie „Emily in Paris“ zu sehen – wie wichtig ist so etwas?
YN: Ja, das war großes Glück! Die Stylistin der Serie, Marylin Fitoussi, hat unseren Schmuck für viele der Outfits ausgewählt. Trends sind natürlich wichtig und ich beobachte sie auch, allerdings haben wir mit unserer Marke eine sehr klare Richtung und einen klaren Stil und dabei bleibe ich grundsätzlich auch. Natürlich baue ich Trends hier und da behutsam ein, aber ich laufe nicht jedem Trend nach.
JG: Wie schwer ist es dann, Perlen moderner zu gestalten, neu zu interpretieren, wenn man in ein traditionelles Familienunternehmen kommt?
YN: Unser Familienunternehmen wurde 1970 von meinem Schwiegervater gegründet. Mein Mann und ich führen es in der 2. Generation. Wir haben aber nicht gleich mit einer eigenen, neuen Marke begonnen. Am Anfang war es ein ganz klassischer Warenhandel, wir haben Perlen aus Asien importiert und dann die Schmuckindustrie, überwiegend in Pforzheim beliefert. Später kamen dann die ersten Entwürfe und dann haben wir eine eigene Schmuckkollektion aufgebaut. Das Unternehmen brauchte diese Transformation auch, das war ein wichtiger Prozess, um sich weiterzuentwickeln.
JG: Hatten Sie Zweifel zu Beginn?
YN: Bei einer neuen Idee ist man immer gefordert – jeden Tag – und das ist auch heute noch so! Wir versuchen jeden Tag, besser zu werden. Ich glaube auch, dass es nicht gut ist, völlig frei von Zweifeln zu sein, dann wird man selbstgefällig. Ich habe nie an der großen Vision gezweifelt, aber ich hinterfrage ständig die Prozesse: wie können wir schneller werden, kundenorientierter? Ich kümmere mich um jedes Detail beim Design, bei der Qualität, bei der Verpackung, der Kommunikation und bei den Events.
JG: Gibt es einen Rat, den sie jungen Frauen mitgeben würden, die noch am Anfang der Karriere stehen?
YN: Viele würden jetzt wahrscheinlich sowas sagen wie „glaub an dich!“ oder „geh deinen Weg!“, aber auch wenn das jetzt unpopulär ist, ich würde jungen Frauen empfehlen, sich auf viel Arbeit einzustellen. Also zumindest, wenn man ein eigenes Unternehmen gründen und führen möchte. Und es wird im Laufe der Zeit (bei mir nach 30 Jahren) leider nicht weniger. Mit dem Wachstum kommen auch weitere vielfältige Aufgaben. Meine Tage sind lang, die Wochenenden sind kurz, Ferien hat man fast nie! Eine eigene Brand bedeutet immer viel Arbeit! Wenn man seine Arbeit nicht wirklich liebt, dann wird man am Workload, am Stress, an den Problemen vermutlich scheitern. Man muss dazu bereit sein!
Und man sollte keine Angst vor Veränderungen haben. Z.B. der Verlust eines großen Kunden macht immer Angst, aber dadurch bekommt man freie Kapazität für etwas Anderes, es öffnen sich neue Türen, man geht einen anderen Weg, der einen weiterbringt. Wenn sich etwas verändert, kann das auch positiv sein, manchmal sogar besser, als vorher. Und auch noch ganz wichtig: Be ahead of time! Man muss vorausschauend sein, das hilft sehr, gerade im Marketingbereich.
JG: Was war ein besonders starker Moment in Ihrer Karriere und was ein schwacher?
YN: Ein schwieriger Moment für mich persönlich war der Beginn des Krieges in meiner Heimat Ukraine, da war ich sehr betroffen, es war schwer in dieser Zeit zu arbeiten. Ich habe das große Glück, meinen Mann an meiner Seite zu haben. Er richtet mich immer auf. Wenn ich sage: Ich kann nicht mehr, dann sagt er: Doch, du kannst! Starke Momente gab es viele – als wir bei „Emily in Paris“ gefeatured wurden, das war toll! Oder als wir „Designer of the year“ geworden sind und uns Sarah Fabergé den Inhorgenta-Preis überreicht hat, das war großartig!
JG: Ist es ein Vorteil, eine Frau im Schmuck-Business zu sein?
YN: Unbedingt! Es gibt zwar viele tolle männliche Designer, aber als Frau bin ich gleichzeitig die Trägerin. Da kann ich mich als Designerin gut hineinversetzen und alles testen. Aber auch beim Verkauf – ich kann die Schmuckstücke tragen und zeigen – das hilft in unserer Branche enorm.
JG: Bei Gründern sind Frauen in der Unterzahl, müssen sich mehr beweisen, ging Ihnen das auch so?
YN: Nein, zum Glück nicht! Aber in einem Familienunternehmen ist das sicher auch anders. Mein Mann und ich – und auch mittlerweile unser Sohn – wir sind gleichberechtigte Mitglieder des Führungsteams. Natürlich haben wir auch unterschiedliche Meinungen und Ansichten, die diskutieren wird dann. Ich musste nie um meine Rolle kämpfen. Aber mein Rat an junge Frauen, denen es so geht: Selbstbewusstsein kommt mit der Erfahrung, dann wird man auch sicherer. Ich habe ja auch kein Marketing oder Design studiert, das war alles learning by doing, ich habe mir alles selbst erarbeiten dürfen.
JG: Gibt es eine Eigenschaft einer Perle, die Sie sich selbst zuschreiben würden?
YN: Eine Perle macht Frauen schöner, durch den Glanz, die edle Ausstrahlung. Und ich hoffe, dass auch ich die Frauen durch meine Arbeit, meine Ideen, meine Creativität, schöner machen kann. Frauen sollen sich durch mit Yana Nesper Schmuck schöner, selbstbewusster und eleganter fühlen!
JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?
YN: Meine Familie ist mein Geschenk, ich bin sehr dankbar und froh, meinen Mann, mit dem ich seit 30 Jahren jeden Tag zusammen arbeite, zu haben. Das ist ja für viele undenkbar, aber ich kenne es nicht anders und könnte es mir nicht anders vorstellen! Und unsere beiden Söhne sind mit Abstand das Wichtigste. Mein Beruf ist ebenfalls ein Geschenk, weil ich das machen darf, was ich liebe. Gleichzeitig ist mein Beruf aber auch ein Test, wir müssen uns jeden Tag aufs Neue beweisen, die Erfolge von gestern zählen heute nicht viel. Man muss sich immer weiterentwickeln und sich Herausforderungen stellen. Zur Strafe fällt mir nichts ein! Was ja vielleicht auch gut ist, ich hatte viel Glück im Leben!
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