Heute: Sophie Ebert
KFZ-Mechatronikerin bei Ferrari | Hobby-Kampfsportlerin
Learning 1: Es ist wichtig Mädchen und Frauen zu ermutigen, sich für Technik zu begeistern und diese Berufe als eine echte Option zu sehen.
Learning 2: Frauen müssen sich immer noch häufiger beweisen, dazu braucht es Mut und Durchhaltevermögen. Aber es lohnt sich, sich nicht einschüchtern zu lassen.
Learning 3: Ein freiwilliges soziales Jahr wirkt sich positiv auf die Karriere aus, weil es Empathie und soziale Kompetenzen fördert – das ist gut für die spätere Teamfähigkeit.
Jule Gölsdorf: Du arbeitest in einer Männerdomäne: Was hat dein Interesse an Autos und Motorrädern geweckt, und was fasziniert dich besonders an der Technik und Innovation, die hinter den Fahrzeugen von Ferrari steckt?
Sophie Ebert: Autos waren schon immer ein Teil meines Lebens und meiner Familie, schon als kleines Kind wurden mir Autos und Motorräder nähergebracht. Die Kombination aus Mechanik, Geschwindigkeit und Perfektion hat mich schon immer begeistert! Bei Ferrari fasziniert mich zudem, wie Technologie und Innovation zusammenkommen.
JG: Wann war für dich klar, dass deine Leidenschaft für Autos und Motorräder mehr als nur ein Hobby ist und du deine Karriere in diesem Bereich gestalten möchtest?
SE: Ich habe ein Praktikum in einer Werkstatt absolviert und mir zum Beispiel angeschaut, wie eine Benzinpumpe funktioniert. Da habe ich gemerkt, dass es mich interessiert, wie man etwas reparieren kann, wie die Technik funktioniert, die Mechanik des Autos. Mir wurde schnell klar, dass ich in diesem Beruf arbeiten möchte.
JG: Was genau macht die Arbeit als KFZ-Mechatronikerin für dich so besonders und spannend? Welche technischen Herausforderungen begeistern dich am meisten?
SE: Es ist eine Kombination aus verschiedenen Punkten: Die Mechanik, die Elektronik, die Software – es sind hunderte Komponenten in einem Fahrzeug, die perfekt miteinander harmonieren müssen. Es ist spannend, Fehler zu diagnostizieren und Lösungen zu finden. Gerade bei Ferrari, wo die Technik so hoch entwickelt ist, lernt man jeden Tag etwas Neues, das ist ein Ansporn, weiterzumachen und mehr zu wollen.
JG: Der Ferrari Zukunftstag bietet einen Einblick in die Welt des Unternehmens. Du hast deine Ausbildung dort absolviert und dir eine Karriere im KFZ-Bereich aufgebaut. Was würdest du jungen Talenten, die eine Karriere in der Technik anstreben, als wichtigste Ratschläge mit auf den Weg geben?
SE: Ich finde es wichtig, sich zu trauen, man muss mutig sein! Und man sollte seiner Leidenschaft folgen, wenn man sie hat. Technik ist ein unglaublich spannendes Feld, auf dem man immer Neues entdecken kann. Und es ist gut, sich einen Mentor zu suchen, der einem den Weg weist. Man sollte offen für Herausforderungen sein, dann wird man mit offenen Armen empfangen – auch als Frau. Es interessieren sich auch immer mehr Frauen für den Beruf – das finde ich richtig toll!
JG: Es gibt ja aber sicher Vorurteile, viele werden immer noch denken – KFZ-Mechatroniker – das ist eher ein Männerberuf, oder? Kennst du das?
SE: Klar, es gibt Mädchen oder Frauen, die so denken oder diesbezüglich nachhaken. Aber bei uns wird kein Unterschied gemacht, da ist es egal, ob du ein Mann oder eine Frau bist. In meinem Familien- oder Freundeskreis habe ich die Erfahrung nicht gemacht, aber ich merke schon, dass es diese Vorurteile gibt. Ich gehe darauf meist nicht ein, lasse das durchrauschen, wenn die Menschen richtig festgefahren sind. Die machen sich ja selbst das Leben schwer.
JG: Frauen sind in technischen Berufen wie dem KFZ-Bereich genauso erfolgreich wie ihre männlichen Kollegen. Was sind deiner Meinung nach wichtige Voraussetzungen, damit noch mehr Frauen sich in dieser Branche sicher und erfolgreich fühlen können?
SE: Es braucht Vorbilder und mehr Sichtbarkeit für Frauen in technischen Berufen. Unternehmen sollten gezielt Frauen fördern – durch spezielle Programme und Netzwerke. Es ist wichtig, Mädchen und Frauen zu ermutigen, sich für Technik zu begeistern und diese Berufe auch als echte Option zu sehen. Frauen müssen ernst genommen und gehört werden!
JG: Was sind die besonderen Stärken, die Frauen in einem technischen Beruf wie dem KFZ-Mechatroniker mitbringen können, und warum ist es so wichtig, diese Vielfalt zu fördern?
SE: Frauen sind häufig gut organisiert, sehr strukturiert, achten aufs Detail. Außerdem haben Frauen sehr hohe soziale Kompetenzen, was für die Arbeit im Team sehr gut ist. So kommt man zu besseren Lösungen und neuen Perspektiven. Wir können alle voneinander lernen und uns gegenseitig unterstützen. Bei uns gibt es viel direkten Austausch in der Werkstatt, Ferrari legt viel Wert auf Weiterbildung und Wissensaustausch.
JG: Was sind die größten Herausforderungen, denen du als Frau in einem technischen Beruf begegnest, und wie hast du diese gemeistert?
SE: Ich musste mich als Frau schon beweisen, das war zum Teil ziemlich anstrengend – gerade in meiner Anfangszeit, bevor ich bei Ferrari war. In der Firma, in der ich meine Ausbildung begonnen habe, war es schwer, sich gegenüber den älteren Gesellen durchzusetzen. Die haben mich schon spüren lassen, dass sie mich nicht so gerne in der Werkstatt sehen und dass sie finden, dass KFZ-Mechatroniker kein Frauenberuf ist. Da habe ich lange darum gekämpft, so akzeptiert zu werden, wie meine männlichen Kollegen. Ich habe ja die Kompetenz, die Leidenschaft und auch das Durchhaltevermögen. Es brauchte ein bisschen Zeit, bis die Männer verstanden haben, dass ich genauso leistungsfähig bin wie sie. Heute werde ich respektiert und geschätzt. Ich habe mich halt nicht einschüchtern lassen – das würde ich auch jungen Frauen raten: Seid mutig, haltet durch – auch wenn es Männer gibt, denen das nicht gefällt – es ist euer Leben, euer Beruf, setzt euch durch! Das müssen die anderen akzeptieren! Es kann immer passieren, dass uns Steine in den Weg gelegt werden, aber wir sind ja auch in der Lage, diese selbst wegzuräumen.
JG: Welche Aufstiegsmöglichkeiten siehst du für dich in der Zukunft, und wie kannst du weiterhin zur Entwicklung solcher Technologien beitragen?
SE: Ich möchte mich weiter spezialisieren und werde meinen Meister machen. Mich würde auch eine leitende Position reizen, zum Beispiel die Ausbildung der Azubis zu übernehmen, könnte ich mir gut vorstellen.
JG: Der Rennsport ist eine weitere Leidenschaft vieler Ferrari-Enthusiasten. Ist das ein Bereich, in dem du dir vorstellen könntest, ebenfalls aktiv zu werden?
SE: Definitiv – der Rennsport ist eine faszinierende Welt! Ich hatte ja auch schon die Möglichkeit, bei den Ferrari Racing Days zu fahren und die Technik mitzuerleben, da ist das Niveau natürlich noch mal höher! Da würde ich mich schon auch sehen und mit Leidenschaft dahinter stehen. In erster Linie interessiert mich die Technik hinter dem Sport, aber auch das Fahren finde ich spannend.
JG: Du bist auch im Kampfsport aktiv. Wie nimmst du diese Herausforderung wahr, und was gibt dir dieser Ausgleich für deine berufliche Tätigkeit?
SE: Der Kampfsport fördert ja nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch die mentale Stärke, die man in so einem Beruf braucht. Auch die Disziplin ist auch ein wichtiger Faktor. Der Sport hilft mir auch, nach einem stressigen Tag mal abzuschalten.
JG: Vor deiner beruflichen Laufbahn im KFZ-Bereich hast du ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Was hat dich dazu motiviert, und wie hat diese Erfahrung deine Sichtweise auf den Beruf und deine Karriere beeinflusst?
SE: Ich war in drei Einrichtungen, in einem Krankenhaus, im Kindergarten und in einer Kinderkrippe – jeweils ein halbes Jahr. Das hat meine Karriere auf jeden Fall positiv beeinflusst. Ich wollte etwas zur Gesellschaft beitragen und neue Erfahrungen sammeln. Das hat mir in Sachen Teamwork und Geduld einiges gelehrt – auch die Empathie wurde gestärkt, was mir jetzt auch für die Teamfähigkeit hilft.
JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?
SE: Ein Geschenk im Leben ist meine Familie, die immer geschlossen hinter mir steht und mich supportet, egal wann, wo und wie. Ich kann mich immer auf sie verlassen! Das hat mir auch dabei geholfen, mich persönlich durchzusetzen und mein Können unter Beweis zu stellen. Ein Test war es, sich anfangs in dem Beruf durchzusetzen und zu beweisen. Jetzt funktioniert das ohne Probleme! Die Erfahrung mit einer Strafe habe ich bisher zum Glück noch nicht machen müssen, allerdings hatte ich eine etwas längere Verletzung, bei der ich einige Zeit meinen sportlichen Aktivitäten nicht nachkommen konnte – das war das erste Mal und es hat mir schon sehr gefehlt …
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