Die Gründerin von Karo Kauer Label im Gespräch am Rande ihres Community Workshops – über Selbstverständnis, eine Botschaft an Frauen, die zu lange auf den richtigen Moment warten, und die nächste Phase ihrer Marke
Karo Kauer gehört zu jenen deutschen Influencerinnen, die ihre Reichweite nicht erst mit TikTok aufgebaut haben. Seit mehr als zehn Jahren teilt sie ihren Alltag, ihren Stil und ihre Gedanken mit einer Community, die seither mitgewachsen ist. Vor sechs Jahren entstand daraus ein eigenes Modelabel: Karo Kauer Label – mit einer klaren Handschrift (lässig, chic, easy to wear) und einem stetigen Wachstum aus Eislingen heraus.
Heute steht das Unternehmen vor einem neuen Kapitel. Karo Kauer möchte sich mehr Zeit für andere Projekte und ihre Familie nehmen und hat dafür mit Jan Becker einen neuen Geschäftsführer geholt. Anlass für unser Gespräch war der Karo Kauer Label Community Workshop, bei dem die Marke ihre Community direkt zusammenbringt – ein Format, das genau das spürbar macht, was Karo Kauer im Interview als ihr Wichtigstes beschreibt: die nahbare Verbindung zu den Menschen, die sie auf ihrem Weg begleiten. Über diesen Weg, über die Botschaft, die sie Frauen mitgeben möchte – und über das Label, das aus einer Frage entstanden ist, nicht aus einer Strategie –, spricht sie auf den nächsten Seiten.
Marie Claire: Du stehst seit über zehn Jahren als Influencerin in der Öffentlichkeit – was hat diese Zeit mit dir gemacht und wie hat sie dich persönlich geprägt?
Karo Kauer: Über zehn Jahre öffentlich zu sein, heißt vor allem: Laut zu sein und dabei lernen zu müssen, sich selbst zuzuhören. Ich bin in dieser Zeit wirklich erwachsen geworden – vor Zuschauern. Das hat mich auf eine Art entschleunigt, die man von außen nicht vermuten würde. Ich treffe heute bewusstere und klarere Entscheidungen. Ich weiß, was mir guttut und was ich nicht mehr möchte. Geblieben ist eine große Dankbarkeit für die Menschen, die wirklich seit Tag eins dabei sind und mich auf meiner Reise begleitet haben, aber natürlich auch diejenigen, die noch nicht so lange dabei sind und sich mit mir identifizieren können. Diese nahbare Verbindung ist das Wichtigste, nicht die Reichweite!
MC: Welche Botschaft möchtest du insbesondere Frauen bewusst mitgeben?
KK: Hör auf zu warten, bis du dich bereit fühlst – niemand fühlt sich bereit. Die Frauen, die ich bewundere, haben angefangen, bevor sie sich sicher waren, und dadurch ihrer Sache sicherer geworden sind. Und: Nimm dir den Raum den du brauchst, ohne dich dafür zu entschuldigen.
MC: Du hast Karo Kauer Label vor sechs Jahren gegründet – wie hat eigentlich alles angefangen? Was war der Moment, in dem Du gemerkt hast: „Ich möchte meine eigene Marke gründen“?
KK: Es gab keinen einzelnen Moment, eher eine Frage, die immer lauter wurde, wenn ich als Content Creatorin Mode für andere Marken empfohlen habe: „Warum trage ich Sachen, die ich selbst vielleicht anders entworfen hätte?“ Ich durfte die erste „Karo Kauer Kollektion“ mit einem schwedischen Modehersteller entwickeln und dabei habe ich gemerkt, dass ich mehr in die Prozesse miteinbezogen werden und nicht nur fertige Designs absegnen möchte. Mein eigener Geschmack hat einen sehr klaren Code – lässig, chic, easy to wear. Karo Kauer Label war die logische Konsequenz, nicht der große Plan. Wir haben in Eislingen klein angefangen, mit einer sehr fokussierten Idee davon, wie sich gute Kleidung anfühlen soll. Daran hat sich bis heute nichts geändert – nur die Kollektionen sind größer geworden!
MC: Wie viel von dir steckt heute noch bewusst in Karo Kauer Label?
KK: Ich bin bei allen relevanten Prozessen dabei und entscheide Stoffe, Passform sowie die Entwicklungen der Kampagnen mit. Das Label ist kein Side Project mit meinem Namen darauf, sondern meine Handschrift. Gleichzeitig ist die Brand längst größer als ich allein, und das ist auch richtig so. Sie hat ein eigenes Standing bekommen, einen eigenen Ton. Damit ich neben dem Label noch Zeit für andere Projekte und meine Family habe, plane ich zukünftig etwas mehr in den Hintergrund zu rücken – dafür habe ich Jan Becker, unseren neuen Geschäftsführer, dazugeholt. Ich gebe weiterhin die Richtung vor, aber das Team gibt dem Label die Tiefe. Alles ist ein gemeinsamer Prozess!
Impressionen aus dem Karo Kauer Label Kommunity Workshop
MC: „Building in Public“ ist euer Claim – was genau steckt hinter diesem Ansatz?
KK: Building in Public heißt, den Aufbau einer Marke nicht zu inszenieren, sondern zu zeigen. Mit allem, was dazugehört. Den Drops, die funktionieren, und den Entscheidungen, die wir korrigieren. Den Stoffproben, die nicht überzeugen, den Lieferzeiten, die länger werden. Wir behandeln unsere Kommunity nicht wie eine Zielgruppe, sondern wie Mitwissende. Das ist anstrengender, aber ehrlicher. Und es führt zu immer besser werdenden Produkten, weil wir direktes Feedback bekommen.
MC: Was bedeutet Dir dieser enge Austausch mit deiner Kommunity für die Entwicklung der Brand?
KK: Er ist der Grund, warum die Marke überhaupt funktioniert. Die Kommunity spiegelt mir, was sie tatsächlich trägt und nicht nur was sie schön findet. Das ist ein Unterschied! Ein Piece kann auf dem Moodboard toll aussehen und im Alltag aber nicht funktionieren. Diese Reaktion bekommen wir nur, weil wir wirklich nah dran sind. Es ersetzt keine kreative Vision, aber es schärft sie und bildet sie aus.
MC: Mit Karo Kauer Label setzt du stark auf die Kommunity – zuletzt durften beispielsweise 26 Teilnehmer:innen aus deiner Followerschaft bei einem Workshop die bevorstehende Karo Kauer Tour mitgestalten. Was war die Idee dahinter?
KK: Die Tour war von Anfang an als Eventformat gedacht, nicht als Promo-Stop. Da lag es nahe, die Menschen, die kommen, auch zu fragen, was sie sich wünschen. 26 Teilnehmer:innen, ein Wochenende, viele offene Fragen. Wie soll die Tour Identity aussehen? Welche Pieces gehören in die Tour Kollektion? Was für Content & Marketing brauchen wir? Welche On-Site Aktivierungen & Sponsoren werden benötigt? Alles, was wir jetzt umsetzen, kommt direkt aus diesem Workshop Wochenende – ebeb „Built by the Kommunity“.
MC: Dieses Jahr geht die Karo Kauer Tour bereits in die vierte Runde – was wird man dort erwarten können, und was möchtest du damit erreichen?
KK: Die Tour ist der Ort, an dem aus Followern Gesichter werden. Es geht weniger um „Shopping“, mehr um Begegnung. Man wird die exklusive Tour-Kollektion anprobieren können, ja. Aber vor allem wird es Raum geben, miteinander zu sprechen, sich zu connecten und Teil eines Moments zu sein, der nicht online passiert. Wir wollen durch die Tour eine Gesamtexperience schaffen, die die Kommunity noch stärker miteinander verbindet. Das Ziel ist es, die Marke nahbar, greifbar, erlebbar zu machen. Jeder der 10 Tour-Stops ist anders – geprägt durch kreative Brand-Kooperationen, individuelle Ideen und Aktivierungen vor Ort, und das, was die Kommunity daraus macht.
MC: Welche nächsten Ziele stehen an mit Karo Kauer Label?
KK: Wir bauen die Produktwelt konsequent weiter aus, ohne dabei den Fokus zu verlieren. Bessere Stoffe, längere Lebensdauer, ein noch klareres Sortiment. Wir werden sichtbarer – aber alles in unserem Tempo. Und wir investieren in die Strukturen hinter der Marke, damit Wachstum nicht auf Kosten der Handschrift geht. Das ist ein Teil der unspektakulären Arbeit, die man so erstmal nicht von außen sieht, am Ende aber den nachhaltigen Unterschied macht.
MC: Wenn du heute in fünf Jahren auf Karo Kauer Label blickst – wo soll die Brand dann stehen?
KK: Als eine Marke, die man kennt, weil sie konsequent geblieben ist. Nicht als die Größte, sondern als eine, deren Pieces man nach Jahren immer noch gerne trägt. Mit einer Kommunity, die mit uns gewachsen ist. Und mit einem Anspruch, der nicht verblasst: Made to wear, made to feel good!
Fokus auf die nächsten Kapitel der Brand: Gründerin Karo Kauer und Geschäftsführer Jan Becker beim Kommunity Workshop.
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