Wie entsteht eigentlich eine Birkin Bag? Marie Claire wirft einen Blick in die neue Hermès-Ledermanufaktur in L’Isle-D‘Espagnac, um mehr über die aufwendige Handwerkskunst zu erfahren. Ein seltener Einblick hinter die Kulissen des französischen Traditionshauses.
Ob Birkin, Kelly oder Constance Bag, das Carré de Soie, die Oran Sandalen oder Jumping Stiefel: Hermès steht wie kaum eine andere Marke für meisterhafte Handwerkskunst, zeitlose Eleganz und Design-Ikonen mit Kultstatus. Die Geschichte von Hermès begann jedoch weit entfernt von Taschen-Ikonen und Seidentüchern. 1837 eröffnete Thierry Hermès eine kleine Sattlerwerkstatt in der Rue Basse-du-Rempart in Paris. Richtig gelesen: Die französische Luxusmarke startete mit Pferdegeschirr und Sätteln.
1880 folgte der Umzug an die symbolträchtige Adresse der Rue du Faubourg Saint Honoré Nummer 24, die bis heute der Pariser Flagship Store und Headquarter der Luxusmarke ist. In den Goldenen Zwanzigern erweiterte die Maison ihr Repertoire und fertigte erstmals Taschen, Schuhe, Jacken und Kleinlederwaren – ein Meilenstein in der Entwicklung von der Sattlerei zur internationalen Luxusmarke.
Heute machen die ursprünglichen Sattlerarbeiten nur noch rund drei Prozent der Produktion aus, doch der Geist des Handwerks lebt fort: In 24 Lederwerkstätten, sogenannten Maroquineries, entstehen in ganz Frankreich die ikonischen Lederwaren. Die Jüngste steht in L’Isle-D’Espagnac. Dort wird dieses Erbe fortgeführt und gezeigt, wie Tradition und Innovation bei Hermès untrennbar miteinander verwoben werden. Ein Blick hinter die Kulissen.
Hier entstehen Taschen wie die Kelly Bag oder die Birkin Bag. Foto: Courtesy of Hermès, Credit Yann Stofer
In der Maroquinerie L’Isle-D’Espagnac widmen sich die Artisans der Herstellung der begehrtesten Kreationen des Hauses, darunter die Kelly, Birkin sowie eine Auswahl von Kleinlederwaren wie dem Kartenetui Calvi.
Beim Besuch wird deutlich, weshalb es so selten ist, eine dieser Taschen zu ergattern: Sie sind nicht nur hochbegehrt, jedes Stück entsteht vollständig in Handarbeit, gefertigt von einer einzigen Person, die jeden Stich, jede Naht und jede Kante mit höchster Präzision an einer eigenen Werkbank vollendet. Es scheint wie ein Ritual, eine orchestrierte Geste. Jede:r arbeitet hochkonzentriert in ihrem eigenen Rhythmus. Und so kann eine Tasche je nach Material, Größe und Artisan rund zwanzig Stunden dauern.
Auf der Entdeckungsreise durch die lichtdurchfluteten Werkstatträume laufen wir durch Räume mit Namen wie Naruto, Mafalda oder Agrippine. Dies ist eine Hommage an die nahegelegene Stadt Angoulême, die als Hochburg der Comic-Kunst gilt.
So zeigt sich: Nicht nur Hermès selbst ist tief in der französischen Kultur verankert, auch sie lebt in der Hermès Welt weiter.
Foto: Courtesy of Hermès, Credit Yann Stofer
Bevor das Material überhaupt den Arbeitstisch Artisans erreicht, durchläuft es eine sorgfältige Prüfung. Jedes Stück wird auf Risse, Kratzer und Unebenheiten kontrolliert, anschließend geschnitten und ausgedünnt, bis es die optimale Beschaffenheit hat. Die wertvollen Reste dienen den Handwerker:innen als Übungsmaterial oder werden für die „Petit h“-Kollektion“ verwendet.
Bei petit h verwandelt Hermès übrig gebliebene Materialien, wie etwa Seide, Porzellan oder Leder, aus den Manufakturen in neue, einzigartige Objekte. Statt einem festen Entwurf zu folgen, entsteht jedes Piece spielerisch und experimentell in höchster Hermès-Handwerkskunst. Die fertigen Stücke reichen von Alltagsgegenständen wie Vasen über Taschen und Schlüsselanhänger bis hin zu einem Schlitten oder gar einer Gitarre.
Foto: Courtesy of Hermès, Credit Yann Stofer
Sind die Zuschnitte vorbereitet, beginnt der eigentliche Herstellungsprozess, ein präzises Ritual in drei Schritten. Beim Piquage werden die einzelnen Lederteile zusammengenäht. Charakteristisch sind hierbei die Kontrastnähte. Sie erfordern höchste Präzision, denn jede Unregelmäßigkeit wäre sofort erkennbar. Im nächsten Schritt, der Perlage, werden die Metallelemente platziert, angebracht und poliert. Abgeschlossen wird der Prozess mit der Couture: In der traditionellen Sattlertechnik werden die Henkel befestigt – ein Handgriff, der die Verbindung zwischen den Ursprüngen des Hauses und seiner heutigen Handwerkskunst sichtbar macht.
Oder wie Guillaume de Seynes, Executive Vice-President Manufacturing Division & Equity Investments und aus der sechsten Hermès-Generation, es ausdrückt: „Wir sind ein Haus des Erbes und der Tradition“
Auch die 1984 nach Schauspielerin Jane Birkin benannte Birkin Bag folgt dieser Philosophie. Erkennbar ist sie an ihrer rechteckigen, geräumigen Form und dem ikonischen Schloss. Was ihre Herstellung so besonders macht? Nach dem Zusammennähen wird jede Birkin in einem aufwendigen, nahezu rituellen Arbeitsschritt von Hand gewendet. Ein Prozess, der sowohl Fingerspitzengefühl als auch Geduld erfordert.
Einzig die auf der Paris Fashion Week für Frühjahr/Sommer 2025 präsentierte Inside Out Birkin Bag bricht mit dieser Tradition. Hier wird die Tasche nach der Piquage nicht gewendet, sondern behält den „umgedrehten“ Zustand.




Fotos: launchmetrics.com/spotlight
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