Nachhaltige Mode geht weit über den reinen Herstellungsprozess hinaus. Sie schließt jeden einzelnen Schritt vor und nach dem der Wertschöpfungskette mit ein. Claudia Lanius kennt sich damit bestens aus: Seit 1999 macht sie sogenannte Slow Fashion. Mit Marie Claire hat sie über faire Mode, die Zusammenarbeit mit ihrer Tochter und ihre neue Kollektion mit Marie Nasemann gesprochen.
Ethisch einzukaufen ist eine wunderbare Möglichkeit, den eigenen CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Und es ist einfacher denn je. Denn immer mehr Marken kreieren hochwertige, zeitlose Pieces, die den Fashion-Zeitgeist einwandfrei widerspiegeln. Claudia Lanius ist Slow Fashion Gründerin der ersten Stunde. 1999 gründete sie ihre Marke, weil sie Mode unter fairen Bedingungen machen wollte. Bis heute entwickelt sie (mittlerweile gemeinsam mit Tochter Annabelle Homann und Team) Lieblingsteile, die dafür gemacht sind, lange zu halten und zu bleiben. Marie Claire hat mit der Modemacherin aus Köln gesprochen.
Marie Claire: 1999 haben Sie LANIUS als Slow Fashion Brand gegründet. Was hat Sie dazu bewegt?
Claudia Lanius: Die Liebe zum Textil und die Herausforderung eine Fashion Brand zu gründen, welches Verantwortung trägt für Mensch, Tier und Umwelt. Ich hatte damals bereits einige Jahre Erfahrungen gesammelt mit meinem erstem Modelabel „THC The Hanf Company“. Mit LANIUS wollte ich dann 1999 meine Vision von einer vollumfänglichen nachhaltigen DOB-Kollektion verwirklichen, die die volle Bandbreite natürlicher Materialien ausschöpft. Eine Kollektion aus nachhaltig gesourcten Materialien herzustellen, das war zu der Zeit noch ein gutes Stück Pionierarbeit und hat mich unglaublich angespornt.
Marie Claire: Wie außergewöhnlich war Ende der 1990er die Idee, Mode unter fairen Bedingungen zu produzieren?
Claudia Lanius: Es war relativ ungewöhnlich und es herrschte damals kaum ein Bewusstsein dafür, dass die Textilindustrie bereits zu den Top 3 Industrien zählte, die unserer Umwelt den größten Schaden zufügen. Auf den ersten Messen wurden wir von den Einkäufern eher belächelt als das wir ernst genommen wurden. Bis wir den Stempel „Öko-Label“ los waren, hat es schon ein paar Jahre gedauert. Gute Kund:innen hatte ich aber auch damals schon – einige davon sind bis heute unserer Marke treu. Das ist ein tolles Gefühl.
Die Herbst/Winter 2026 Kollektion von Lanius. Fotos: PR
Marie Claire: Hat sich die Wahrnehmung von nachhaltiger Mode in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht verändert? Inwiefern?
Claudia Lanius: Die Wahrnehmung hat sich definitiv stark verändert. Schon vor der Corona-Pandemie haben wir einen Mindshift in breiten Teilen der Gesellschaft wahrgenommen. Nachhaltigkeit war zeitweise „the new normal“. Die Pandemie mit ihren globalen Auswirkungen, dann die Kriege und Krisen, die unsere Welt aktuell zu bewältigen hat, haben diesen Shift zwar nicht gestoppt, doch ein stückweit wurde die
eschwindigkeit der Fair Fashion Bewegung leider doch wieder gebremst.
Marie Claire: Ihre Tochter Annabelle Homann ist heute Teil des Familienunternehmens. Wie kam es dazu?
Claudia Lanius: Meine Tochter Annabelle ist mit LANIUS groß geworden. Während ihres Studiums mit Schwerpunkt Sustainable Business an der Alanus Hochschule hat sie bereits begonnen bei mir im Unternehmen zu arbeiten. Schnell war der Bereich Marketing ihr Steckenpferd. Das fiel damals genau mit den Vorbereitungen zum Launch unseres ersten Onlineshops zusammen. Annabelle hat dann auch den CSR-Bereich mit aufgebaut und eine Corporate-Nachhaltigkeitstagie etabliert. Nach einigen Jahren als Head of
Marketing bei LANIUS hat sie sich dann entschieden mit in die Geschäftsführung einzusteigen.
Marie Claire: Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Ihrer Tochter?
Claudia Lanius: Ich schätze unsere Zusammenarbeit sehr. Es ist ein ganz besonderes Verhältnis zwischen uns und ich vertraue ihr einfach vollumfänglich. Unsere geteilte Geschäftsführung hat mich sehr entlastet und bereichert beim Arbeitsleben.
Marie Claire: Sie sind sicherlich immer auf der Suche nach neuen Materialien. Welche begeistern Sie aktuell besonders? Was macht diese Materialien so spannend?
Claudia Lanius: Für die Herbst-/Winterkollektionen begeistern mich nach wie vor Wollstoffe ganz besonders. Gleichzeitig finde ich es spannend zu beobachten, wie klassische Qualitäten durch die Verbindung mit innovativen Fasern oder natürlichen Rohstoffen neu interpretiert werden. Ein schönes Beispiel dafür ist Hanf, der als nachwachsender Rohstoff wieder zunehmend Einzug in die Kollektionen hält. Auch die Kombination von Hanf und Wolle finde ich ausgesprochen interessant. Sie verleiht dem Stoff eine besondere Haptik und dieses ganz leichte, charakteristische Knistern, das ihm eine eigene Lebendigkeit gibt. Im Sommer faszinieren mich wiederum Regeneratfasern wie Tencel oder Modal, die mit ihrer natürlichen Anmutung und ihren besonderen Eigenschaften ganz neue Möglichkeiten eröffnen.
Darüber hinaus beschäftigen wir uns intensiv mit recycelten Materialien und der Frage, wie sich textile Qualitäten noch bewusster und zukunftsorientierter entwickeln lassen. Bei aller Innovation bleibt unser Ursprung jedoch unverändert: unsere Leidenschaft für hochwertige, langlebige Virgin-Qualitäten. Denn für mich liegt die eigentliche Wertigkeit eines Materials nicht nur in seiner Neuartigkeit, sondern vor allem in seiner Qualität, seiner Haptik und seiner Langlebigkeit
Wolle ist für Claudia Lanius ein Essential, wenn es um hochwertige, langlebige Materialien geht. Foto: unsplash.com
Marie Claire: Wird die Zukunft der Modebranche nachhaltiger sein? Welche Hoffnung haben Sie?
Claudia Lanius: Ich glaube, dass Nachhaltigkeit aus der Modebranche nicht mehr wegzudenken ist. Wir werden uns bei allem, was wir entwickeln und produzieren, noch stärker damit auseinandersetzen müssen. Angefangen bei den Materialien bis hin zu den Produktionsprozessen und der Langlebigkeit eines Produkts. Ich merke, dass Nachhaltigkeit für die nächste Generation ganz selbstverständlich zum Denken und Handeln dazugehört. Und ich bin davon überzeugt, dass sie diesem Thema einen noch höheren Stellenwert geben wird.
Marie Claire: Welche Tipps haben Sie für unsere Leser:innen, die ihre Garderobe nachhaltiger gestalten wollen?
Claudia Lanius: Quality over quantity. Weniger ist einfach mehr. Wenn man sich bewusst etwas Zeit nimmt, die eigene Garderobe einmal unter die Lupe zu nehmen und seine Favoriten kennt, lässt sich schnell feststellen, welche Basics zum Kombinieren dazu passen und was eventuell noch fehlt. Modische Highlights lassen sich dann immer einfach ergänzen und saisonal dürfen natürlich auch immer modische Pieces dazu kommen. Aber im Kern sollte man sich selbst einfach kennen und auf das eigene Gefühl hören, das einem klar sagt: Dieses Kleidungsstück liebe ich und werde es oft tragen. Schrankhüter braucht keiner.
Marie Claire: Mit Marie Nasemann arbeiten Sie bereits zum zweiten Mal zusammen. Erzählen Sie uns ein bisschen mehr über die neue Kollektion „Courtside Berlin“. Was ist die Geschichte dahinter? Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Claudia Lanius: Marie Nasemann kennen und schätzen wir schon lange. Wir haben sie zahlreiche Male auf unseren Messeständen in Berlin zu Gast gehabt und fanden ihre Aufklärungsarbeit im Bereich Fair Fashion großartig. Wir haben uns dann vor zwei Jahren getroffen und schnell auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Unsere zweite gemeinsame Kapsel LANIUS x Marie Nasemann, die am 03. September gelauncht wird, ist eine modische Hommage an Maries Wahlheimat Berlin mit seinen Ecken und Kanten. Im kommenden Frühjahr/Sommer 2027 geht die gemeinsame Kapsel dann noch in eine dritte Runde.
Die neue Herbst/Winter 2026 Kollektion von Lantus mit Marie Nasemann. Foto: PR
Die Farbpalette aus Mahagoni, Creme und Feuerrot schafft eine visuelle Kontinuität. Das charakteristische Karo wird gleichzeitig in unterschiedlichen Materialien und Looks immer wieder neu interpretiert. Das LxM-Monogramm zieht sich als subtiles Signature-Detail über alle Pieces hinweg.
Fotos: PR
Spiel, Satz, Style. Die zweite gemeinsame Capsule Collection von Lanius und Marie Nasemann heißt „Courtside Berlin“ und vereint sportliche Elemente mit urbaner Coolness. Nachhaltige Materialien bilden das Fundament, während präzise Silhouetten, Utility-Pieces und modern interpretierte College-Referenzen genau die aktuell angesagte Nonchalance transportieren.
Fotos: PR
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