Die moderne Wellnessindustrie hat längst alles entdeckt und aufgegriffen: Darmgesundheit, Schlafzyklen, Cortisolspiegel, Atemarbeit und Longevity generell. Nur die Vulva blieb erstaunlich lange im kulturellen Schattenreich. Zu intim für Lifestyle, zu schambehaftet für offene Gespräche und nicht wichtig genug für große Debatten. Genau dort setzt die neue Produktreihe von Weleda mit Dr. Sheila de Liz an und macht aus Intimpflege plötzlich ein gesellschaftliches und vor allem wichtiges Thema.
Vorweg: Eine Vulva braucht keinen Zehn-Schritte-Plan. Wirklich nicht. Niemand muss plötzlich Intimöle und Waschgels besitzen, um gesund oder gepflegt zu sein. Doch genau an diesem Punkt wird die neue Weleda-Linie mit Sheila de Liz überhaupt erst spannend. Sie versucht nicht, Frauen einzureden, sie seien ein hygienisches Problem, das dringend optimiert werden müsse, ganz im Gegenteil. Sie soll als Wellnessmoment funktionieren und zur Unterstützung dienen. Frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss.
Die Serie besteht aus drei Produkten: Einem Waschgel und zwei pflegenden Begleitern. Das Waschgel ist das pragmatischste Produkt der Linie und genau deshalb interessant. Statt einem Ultra-Frische-Versprechen setzen Weleda und Dr. Sheila de Liz mit der Mikrobiomfreundlichen Waschlotion auf eine sanfte Reinigung. Der neutrale pH-Wert sorgt für ein optimales Gleichgewicht. Aloe Vera, Hyaluronsäure und Präbiotika spenden on top Feuchtigkeit. Die Extra Soothing Drops sind besonders geeignet für gereizte Haut nach Rasur oder generelle Trockenheit. Mit Mandel- und Jojobaöl sowie Calendula-Extrakt setzen die Tropfen auf eine beruhigende rundum Pflege. Das Velvet Protection Oil ist ein Pflegeöl aus Granatapfelsamen- sowie Rizinusöl und Vitamin E. Diese Power-Inhaltsstoffe lindern gekonnt Trockenheit und schützen die empfindliche Haut.
Foto: PR
Dr. Sheila de Liz verbindet mit der Vlora-Serie medizinische Autorität mit einer popkulturellen Direktheit. Die Gynäkologin und Autorin hat in den vergangenen Jahren etwas geschafft, das im deutschen Gesundheitsdiskurs selten ist: Sie spricht über Frauenkörper verständlich, humorvoll und ohne die übliche Mischung aus Belehrung und Tabu. Sie spricht über die Wechseljahre, Hormone, Libido und Vaginalgesundheit und das nicht wie abstrakte medizinische Sonderfälle, sondern wie normale Bestandteile des weiblichen Lebens. Gerade dadurch wirkt sie weniger wie eine distanzierte Expertin als wie eine Übersetzerin zwischen Medizin und Alltag.
Viele Frauen haben schlichtweg das Gefühl, über ihren eigenen Körper jahrzehntelang entweder zu wenig oder nur in problemorientierter Sprache informiert worden zu sein. Dr. Sheila de Liz füllt diese Lücke mit einer Tonlage, die zugleich pragmatisch und enttabuisierend ist. Sie versucht, weibliche Intimität aus der Ecke von Scham, Schweigen und medizinischem Ausnahmezustand herauszuholen.
Auch Weleda ist für diese Kooperation der perfekte Partner, denn kaum eine Marke steht im deutschsprachigen Raum so sehr für das Versprechen einer sanften und natürlichen Körperpflege. Gerade deshalb wirkt der Schritt in Richtung Intimpflege fast logisch. Weleda bringt dabei eine Ästhetik mit, die sich bewusst vom aggressiven Optimierungsversprechen vieler moderner Beautybrands absetzt. Statt auf maximale Performance setzt Weleda traditionell auf Fürsorge, Natürlichkeit und Körperakzeptanz. Gerade deshalb funktioniert die Brand in diesem sensiblen Bereich so gut, weil sie Produkte verkauft, ohne permanent das Gefühl zu erzeugen, Frauenkörper seien ein Problem, das dringend korrigiert werden müsse.
Die neue Intimpflege-Linie von Weleda und Dr. Sheila de Liz. Foto: Weleda
Die Scham rund um weibliche Intimpflege hat viel damit zu tun, dass Frauen jahrhundertelang beigebracht wurde, ihren Körper gleichzeitig kontrollieren zu lassen und zu verstecken. Der männliche Körper galt kulturell als neutral, funktional und selbstverständlich, der weibliche dagegen wie etwas, das an nur jeder erdenklichen Stelle gepflegt, reguliert und diskret behandelt werden müsse. Menstruation, Ausfluss, Geruch und Hormonschwankungen sind alles völlig normale körperliche Vorgänge, über die trotzdem bis heute gesprochen wird, als handle es sich um etwas Unnormales. Einige Frauen kennen das Gefühl, Tampons, Binden und Slipeinlagen an der Supermarktkasse möglichst unauffällig aufs Band zu legen oder pflegende Produkte für den Intimbereich fast entschuldigend zu kaufen. Und genau darin liegt auch die Bedeutung neuer Markenkommunikation: Nicht weil plötzlich jede Frau Intimprodukte bräuchte, sondern weil weibliche Körper vielleicht zum ersten Mal ohne Alarmismus, Ekel oder sexualisierte Überhöhung gezeigt werden. Sie dürfen existieren, so wie sie sind.
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