Die Umweltmesse Change Now in Paris zeigt, was Plastikmüll mit dem Klimawandel zu tun hat. Das weltweite Plastikmüll-Problem ist ein Schwerpunktthema der diesjährigen Umweltmesse Change Now im Grand Palais Paris. Auch Großkonzerne denken um: Kosmetikkonzern L’Oréal stellte in Paris seine neue Verpackungsstrategie vor
Mit Temperatur-Rekorden gehen wir in den Frühling, da sind die Aussichten auf einen heißen Sommer dementsprechend hoch. Der Klimawandel hat uns fest im Griff und die dazu gehörenden Zahlen sprechen für sich: Laut Welthungerhilfe sterben jedes Jahr rund 50.000 Menschen an den Folgen der Naturkatastrophen bedingt durch den Klimawandel. Mehr als 62.000 waren es allein im Hitzesommer 2024 in Europa. Es ist also an der Zeit, umzudenken. Genau das ist das Ziel der Messe Change Now, die seit nunmehr neun Jahren immer im Frühjahr in Paris stattfindet. Der Megaevent, nach eigenen Angaben die „weltweit größte Messe für Umweltlösungen“, schloss Anfang April seine Tore. Im Glaspalast des Grand Palais wurden diesmal nahezu 1000 innovative Lösungen vorgestellt, um unseren Planeten zu schützen.
Blicks ins Grand Palais und die Messestände der Umweltmesse. Foto: Jean-Charles Caslot für L’Oréal
Ein Blick über die Messe und ihre Konferenzen zeigt, dass vor allem drei Themen derzeit die Umweltschützer beschäftigen: das Leben im Klimawandel, Reduzierung des Wasserverbrauchs und Abfallvermeidung. Insbesondere an neuen Verpackungs-Ideen mangelt es nicht. Das gemeinsame Ziel lautet: Schluss mit Einweg-Plastik. Diese Absichtserklärung ist keineswegs neu, aber die Realität zeigt, dass es an der Implementierung hapert. Vor allem eine aktive und starke Öl-Lobby verhindert seit Jahren das von vielen Umweltorganisationen geforderte Plastik-Abkommen der UN. Auch bei der letzten Klimakonferenz COP 30 in Brasilien gab es keinen Durchbruch für „the Global Plastics treaty“. Inzwischen gehen aber vermehrt einzelne Länder und Firmen einen eigenen Weg. Insbesondere große Konsum-Unternehmen, die viel Plastikmüll erzeugen, sind in der Pflicht.
So stellte auf der Messe L’Oréal als weltweiter Marktführer in der Kosmetikindustrie seine neue und sehr ambitionierte Verpackungsstrategie vor. Gemäß dem vor fünf Jahren gestarteten Nachhaltigkeitsprogramm „L’Oréal for the future“ sollen bis 2030 im Bereich Verpackung 50% weniger neues Plastik verwendet werden. Zudem sollen 50% der Verpackungsmaterialien aus recycelten oder biobasierten Quellen bezogen werden. Umweltfreundlichere Verpackungen sind nur eines von insgesamt 15, im Programm festgeschrieben Nachhaltigkeitszielen, aber wohl der Bereich, der am direktesten die Konsumenten betrifft.
L’Oréal ist nicht nur einer der Hauptsponsoren der Messe, sondern stellt auch immer auf einem Stand die eigenen Umweltlösungen vor. Fotos: Jean-Charles Caslot für L’Oréal
Wie L’Oréal die Ziele erreichen will, wird am Messestand deutlich. Unter dem Schlagwort „Join the Refill Movement’“ (dt.: Mach mit bei der Nachfüll-Bewegung) startet der Konzern eine Werbekampagne für seine Refill-Strategie. Nachfüllbar sind Shampoos, Conditioner, Gesichtscremes und sogar Parfüms und Lippenstifte. Bei Nutzung eines Refill-Beutels für eine – bereits im Haushalt befindliche – Shampoo-Verpackung können um die 70% Plastik eingespart werden. Zusätzlich hat L’Oréal den Großteil seiner Verpackungen überarbeitet, das Gewicht reduziert und von Neu-Plastik auf recyceltes Material umgestellt. Allein durch diese Maßnahmen werden laut Unternehmen bei Shampoos und Conditioner der Marke Elsève in Europa mehr als 7200 Tonnen Plastik pro Jahr eingespart. Bei Parfüms und Lippenstiften sieht die Bilanz sogar noch etwas besser aus, weil zusätzlich zum Plastik durch Refill auch Metall und Glas in eine neue Nutzung überführt werden.
L’Oréal hat für zahlreiche Marken seines Angebots neue Nachfüll-Verpackungen eingeführt – insbesondere für die Produktbereiche Shampoos, Conditioners und Cremes. Video: Barbara Markert
Nachgefüllt werden künftig Shampoos, Conditioner, Gesichtscremes und sogar Parfüms und Lippenstifte. Bei Nutzung eines Nachfüllbeutels für eine – bereits im Haushalt befindliche – Shampoo-Verpackung können um die 70% Plastik eingespart werden. Zusätzlich hat L’Oréal den Großteil seiner Verpackungen überarbeitet, das Gewicht reduziert und von Neu-Plastik auf recyceltes Material umgestellt. Allein durch diese Maßnahmen werden laut Unternehmen bei Shampoos und Conditioner der Marke Elsève in Europa rund 7200 Tonnen Plastik pro Jahr eingespart. Bei Parfüms und Lippenstiften sieht die Bilanz sogar noch etwas besser aus, weil zusätzlich zum Plastik durch Refill auch Metall und Glas in eine neue Nutzung überführt werden.
Trotz der Bemühungen bleibt die Frage, inwieweit der dazwischen geschaltete Einzelhandel bereit ist, das Nachfüll-Angebot in sein Sortiment aufzunehmen, und natürlich wie willig der Konsument ist, im Badezimmer seine Shampoos und Cremes aufzufüllen. Fakt ist auch, dass Refill-Strategien, die weiterhin auf erdölbasierte Kunststoffe setzen, nur eine Zwischenlösung darstellen. Das nächste Etappenziel ist, dem mineralölbasierten Plastik ganz abzuschwören.
Rachel Barre, L’Oréal Environmental Leadership VP, wagt den Blick in die Zukunft: „Wir hoffen, dank des von L’Oréal in Zusammenarbeit mit dem Institute for Sustainability Leadership (CISL) der Universität Cambridge ins Leben gerufenen Accelerator-Programms, das über einen Zeitraum von fünf Jahren mit 100 Millionen Euro ausgestattet ist, bald Lösungen der nächsten Generation für die Verpackungsherstellung aus vielfältigeren biobasierten Ressourcen anbieten zu können. Diese Verpackungen könnten beispielsweise eine spezielle Beschichtung aus Algen aufweisen, die dafür sorgt, dass die Verpackung wasserfest, nachhaltig aus Pflanzen hergestellt und vollständig recycelbar ist.“
Übersicht über das Angebot von Nachfüllpackungen. Für Parfüms der Marke Thierry Mugler und den Besteller „La vie est belle“ von Lancôme gibt es Refill-Verpackungen aus Glas, die im Handel an einer Art Zapfsäule aufgefüllt werden. Fotos: Barbara Markert
Erste Innovationen in diese Richtung gab es bereits auf der diesjährigen Change Now zu entdecken. Um aber einen wirklichen Wandel im Verpackungsmüll einzuläuten, müssten diese Lösungen im großen Stil auf den Markt kommen. Und möglichst bald! Denn Kunststoffverpackungen gehören zu den größten Problemen des weltweiten Müllaufkommens. Eine Plastikflasche braucht über 450 Jahre um sich zu zersetzen. Rund 36 kg Kunststoffverpackungsmüll verursacht jeder EU-Bürger allein pro Jahr. Obwohl die Recyclingquote steigt, schätzen Experten, dass jährlich 19 bis 23 Millionen Tonnen Plastik in Böden, Flüssen und Meeren entsorgt werden – mit gravierenden Folgen für Ökosysteme, Ernährungssicherheit und Biodiversität.
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