Ob erblich bedingt oder hormonell verursacht: Die Gründe für Haarausfall sind vielfältig. Welche Produkte und Behandlungen langfristig helfen? Ein Spezialist verrät, was das Haarwachstum wieder ankurbelt.
Gerade lange Haare wollen täglich gebürstet werden. Aber wieviel Haarausfall ist normal? Foto: Pexels
Einmal die Haare durchgekämmt und schon hat sich wieder ein Haarbüschel verabschiedet? Das kann, muss aber nicht automatisch bedeuten, dass ein Haarausfall vorliegt.
„Wir verlieren jeden Tag Haare, das ist normal. Kritisch wird es nur, wenn es über einen Zeitraum von rund einem Monat mehr als 100 Haare pro Tag sind“, weiß der Dermatologe Dr. Christian Merkel vom Haarzentrum an der Oper in München.
„Die beste erste Anlaufstelle ist der Hautarzt“, sagt Experte Dr. Christian Merkel. „Er kann eine Blut- oder Haarwurzelanalyse machen, um mögliche Gründe auszuschließen, die zu temporärem Haarausfall führen können wie ein Mangel an Vitamin D oder Eisen“, weiß der Mediziner.
„Nur, wenn man den Grund kennt, weshalb die Haare ausfallen, kann man entsprechend behandeln“, sagt Dr. Christian Merkel.
Der häufigste Grund für Haarausfall sind die Gene. Ärzte sagen dazu auch androgenetische Alopezie.
Dermatologe Dr. Christian Merkel vom Münchner Haarzentrum an der Oper. Foto: Sabina Radtke
Der erblich bzw. genetisch bedingten Haarausfall kommt zustande durch eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem männlichen Sexualhormon Testosteron.
Bei Frauen äußert sich diese Art von Haarausfall meist durch einen lichter werdenden Scheitel. Männer hingegen bekommen Geheimratsecken.
Was hilft: Zum einen die Meso-Therapie. „Dabei werden Vitamine und Spurenelemente in die Kopfhaut injiziert, um die Haarwurzeln mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen“, erklärt Dr. Christian Merkel. Eine Meso-Therapie besteht in der Regel aus neun Sitzungen innerhalb von sechs Monaten.
Eine weitere Lösung gegen erblich bedingten Haarausfall stellt die sogenannte PRP-Therapie dar. Die Abkürzung steht für Platelet Rich Plasma und bedeutet Eigenbluttherapie. Der Arzt entnimmt also dem Patienten Blut und bereitet es so auf, dass ein konzentriertes Blutplasma entsteht. Dieses enthält Stoffe, welche die Zellregeneration beschleunigen und die Stammzellen an den Haarwurzeln aktivieren können.
Ähnlich erfolgversprechend ist die Stammzellen-Therapie, auch „Regenera Activa“ genannt. Dabei werden in einer einzigen Sitzung mit Hilfe von Haarwurzelzellen – entnommen aus Bereichen mit gesundem, aktiven Haarwachstum – die zu behandelnden Stellen stimuliert.
Und schließlich hilft bei erblich bedingtem Haarausfall das Medikament Minoxidil. „Es kann ohne Rezept in der Apotheke gekauft werden, meist in Form eines Schaums oder einer Lösung, die man ein bis zwei Mal täglich auf die Kopfhaut einmassiert“, sagt der Experte. Das Medikament verlangsamt den erblich bedingten Haarausfall.
In beiden Fällen ist der Grund für den Haarausfall auf ein hormonelles Ungleichgewicht zurückzuführen.
Sowohl in den Wechseljahren, als auch nach einer Schwangerschaft produziert der Körper einen Überschuss an dem männlichen Hormon Testosteron, das zu einem Haarausfall führen kann.
„Es dauert in der Regel mehrere Monate, bis sich der Hormonhaushalt wieder von selbst in Balance gebracht hat. Somit lautet die gute Nachricht: Der hormonell bedingte Haarausfall kann auch nur temporär vorkommen“, erklärt der Mediziner Dr. Christian Merkel.
Der Experte rät daher dazu, Geduld zu haben und einige Zeit abzuwarten, ob sich der Hormonhaushalt nicht wieder von alleine normalisiert.
Wer jedoch sehr stark unter einem hormonell bedingten Haarausfall leidet, findet Hilfe in Form von den drei bereits genannten, gängigen Therapien: „Wie beim erblich bedingten Haarausfall stellen die Meso- und PRP-Therapie sowie das Medikament Minoxidil eine effektive Lösung dar bei hormonell verursachtem Haarausfall“, sagt der Münchner Dermatologe Dr. Christian Merkel.
Eine Schwangerschaft kann Haarausfall auslösen. Foto: Pexels
Auch eine Infektion mit dem Corona-Virus kann zu temporärem Haarausfall führen. Das ist ärgerlich, aber lässt sich gut wieder beheben.
„Die besten Erfolge bei Haarausfall, der durch Corona ausgelöst wurde, haben wir mit der Mesotherapie erzielt. Die Injektionen mit Nährstoffen stimulieren die Haarwurzeln und fördern das Haarwachstum“, so Dr. Merkel.
Das Absetzen der Anti-Baby-Pille hat einen ähnlichen Effekt auf den Körper wie das Abstillen nach einer Geburt: Die Hormone spielen verrückt. „Es kann also auch hier neun bis zwölf Monate dauern, bis sich der Hormonhaushalt wieder von alleine normalisiert hat und der Haarausfall aufhört“, weiß Dr. Merkel.
Geduld zu haben ist also gut. Wer den Haarausfall nicht aussitzen möchte oder sehr stark davon betroffen ist, hat die Möglichkeit, sich einer PRP- oder Meso-Therapie zu unterziehen oder das Medikament Minoxidil zu verwenden.
Gut zu wissen: Auch die zu häufige oder langfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie Beta-Blocker, Ibuprofen oder Antidepressiva können Haarverlust begünstigen.
Die Anti-Baby-Pille, aber auch Medikamente können einen Haarausfall verursachen. Foto: Pexels
Die Schilddrüse ist die größte Hormondrüse in unserem Körper. Wenn mit ihr etwas nicht stimmt, kommt der ganze Hormonhaushalt durcheinander – und das kann unter anderem Haarausfall zur Folge haben.
Wer Probleme mit seiner Schilddrüse hat, sollte am besten einen Endokrinologen aufsuchen, einen Facharzt für die Schilddrüse. „Er kann entsprechende Medikamente verschreiben, welche die Schilddrüse und somit den Hormonhaushalt wieder in Balance bringen und Folgeerscheinungen wie Haarausfall rückgängig machen“, weiß Dr. Christian Merkel.
Haarausfall entsteht an den Haarwurzeln. Weil diese relativ tief sitzen, kann ein Shampoo, das nicht mit der Haarwurzel in Berührung kommt, nur bedingt helfen. „Dennoch ist die Wahl des Shampoos wichtig, weil die Kopfhaut bei Haarausfall auch immer gut gepflegt sein sollte. Ich empfehle spezielle Produkte aus der Apotheke“, sagt der Münchner Mediziner.
Einmal pro Woche ist auch eine pflegende Maske für die Kopfhaut ratsam. „Seine Haare seltener zu waschen beugt Haarausfall nicht vor“, erklärt Dr. Merkel. „Sich alle zwei bis fünf Tage die Haare zu waschen, ist ein normales Intervall und schadet auch der Haarwurzel nicht.“
Eine innovative Art der Haartransplantation nennt sich DHI, Abkürzung für Direct Hair Implantation. „Für diese moderne Methode ist erstmals keine aufwendige Operation notwendig“, erklärt Dr. Christian Merkel. Zudem muss bei der DHI-Technik vor dem Eingriff das Haar weder gekürzt noch rasiert werden.
Und so läuft die Transplantation dann ab: Der Arzt entnimmt einzelne Haare und pflanzt die Haarfollikel mit einer DHI-patentierten feinen Nadel an anderer Stelle der Kopfhaut ein. „Die DHI Haartransplantation verursacht keine Schnitte oder Narben“, beruhigt Dr. Merkel.
Nach rund einem Jahr zeigt sich das endgültige Ergebnis. Mit ersten neuen Härchen kann bereits nach etwa zwei Monaten gerechnet werden. Gut zu wissen: Neben Haaren der Kopfhaut können mit der DHI-Methode auch Wimpern, Augenbrauen, Schamhaare sowie Barthaare und Brusthaare bei Männern eingepflanzt werden.
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