Ganz gleich, ob wir es Ölziehen, Ölkauen oder Ölkuren nennen, Hollywoodstars wie Gwyneth Paltrow und Miranda Kerr schwören auf die Morgenroutine, die über die reine Mundhygiene hinausgeht. Das jahrtausendealte Treatment aus der ayurvedischen Medizin soll es nicht nur mit Karies, Zahnfleischentzündungen und schlechten Atem aufnehmen können, sondern auch u.a. Asthma sowie hormonellen Zyklusbeschwerden den Kampf ansagen. Was ist dran an der Beauty-Booster-Kraft des Ölziehens?
Foto: canva
Ölziehen ist mehr als nur ein Trend: Es ist eine bewährte und traditionelle Methode zur Verbesserung der Mund- und Zahngesundheit sowie zur allgemeinen Entgiftung des Körpers. Mit einer soliden wissenschaftlichen Basis und der Unterstützung von Prominenten, die auf die positiven Effekte schwören, kann Ölziehen eine wertvolle Ergänzung zu Ihrer täglichen Pflege-Routine sein. Effektiv und ohne Nebenwirkungen.
Ölziehen, im englischen als „Oil Pulling“ bekannt, ist eine jahrtausendealte Technik der Mundhygiene und Körperentgiftung, die ihren Ursprung in der ayurvedischen Medizin hat. Die indische Volkheilkunde ist bekannt für den Einsatz von Öl als heilendes und harmonisierendes Mittel, wie wir es von den Ölmassagen oder dem Stirnguss kennen. Die Idee dahinter: Öl wirkt harmonisierend, heilend und gilt als ultimativer Biocleanser, der schädliche Stoffe und Umweltgift bindet und ausspült. Ein Effekt, der alle, die sich einmal einer Ölmassage unterzogen haben, sofort spürbar ist.
Diese Lehre geht auf die über 2000 Jahre alte Text-Sammlung der Charaka Samhita (zu deutsch: „Die Sammlung des Charaka“) zurück. Hier wird das Ölziehen als Methode zur Heilung von über 30 verschiedenen Krankheiten angepriesen. Es wird als ganzheitliche Therapie nicht nur bei Zahnfleischbluten, schlechten Atem und Karies eingesetzt, sondern verspricht auch einen positiven Effekt bei Migräne oder Herzkrankheiten. Placebo? Wie bei vielen alternativen Heilmethoden beruht die Wirkung auf Erfahrung und sollte niemals als alleiniges Heilmittel eingesetzt werden.
Expertin Dr. -medic storm. (RO) Diana Svoboda MSc, MSc.,
ärztliche Leiterin der diPura Fachklinik
für ästhetische Zahnmedizin und Implantologie
Auch wenn die Ölkur eine Vielzahl von positiven Effekten auf die Gesamtgesundheit bieten soll, ist sie doch besonders für die Mund- und Zahngesundheit ein echter Gamechanger.
Expertin Dr. Diana Svoboda, ärztliche Leiterin der diPura Fachklinik für ästhetische Zahnmedizin und Implantologie, erklärt: „Beim Ölziehen wird der Mundraum morgens für zwanzig Minuten mit einem kaltgepressten Öl – zum Beispiel Oliven-, Sonnenblumen-, Sesam- oder Kokosöl – gespült.
Durch seine antibakterielle Wirkung soll das Öl der Kariesvorbeugung dienen, Mundgeruch bekämpfen und das Zahnfleisch stärken. Die Flüssigkeit gelangt in kleinste Bereiche des Mundraums, auch in die Zahnfleischtaschen, und spült dort karies- und entzündungsauslösende Bakterien fort – Zahnfleisch und Zähne sollen dauerhaft gesund bleiben.“
Kurz: Öl kommt da hin, wo Zahnbürste und Zahnseide versagen. Dabei ist nicht nur seine dickflüssige Konsistenz entscheidend, sondern auch die Länge der Anwendung. Während die Standard-Mundhygiene sich in der Regel auf zwei bis drei Minuten Zähneputzen mit anschließender Säuberung der Zahnzwischenräume und dem Spülen mit Mundwasser beschränkt, dauert eine Ölkur zwanzig Minuten.
In dieser Zeit entfaltet das Öl seine antibakterielle Wirkung und spült selbst aus tiefsitzenden Zahnfleischtaschen schädliche Bakterien aus. Durch das dauerhafte, rhythmische Ziehen durch die Zahnlücken werden Plaque gelockert und die Schadstoffe gebunden. Das reinigt kräftigt das Zahnfleisch, spült die gefährlichen Zahnfäule-Bakterien aus und hinterlässt einen sauberen Atem.
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Kraft der Einbildung oder echter medizinischer Nutzen? Wie bei vielen alternative Heilmethoden wird auch der Effekt der Ölkur oft als Placebo abgetan. Doch es gibt Studien, die belegen, dass sich das regelmäßige Ölkauen positiv auf die Mundgesundheit auswirkt und mit Produkten aus der Apotheke mithalten kann.
Eine Studie von 2016 am renommierten Kannur Dental College in Indien verglich die Wirkung von Chlorhexidin, einem gängigen Antiseptikum in Mundspülungen, mit dem Effekt von Kokosöl beim Ölziehen. Die Studie zeigte, dass beide Anwendungen einen gleich positiven Effekt auf die Mundhygiene haben. Grund sei die Verseifung des Öls Mund, der zur reinigenden Wirkung beiträgt und das auf natürliche Basis und ohne die Nebenwirkungen des chemischen Vergleichs-Antiseptikums.
Zu einem ähnlich positiven Ergebnis kam bereits eine randomisiere Studie aus dem Jahr 2008. Das Fazit: Nach vierzig Tagen
täglicher Anwednung reduzierte sich die Anzahl der Karies verursachenden Bakterien Streptococcus mutans deutlich um bis zu dreißig Prozent. Hintergrund: Die Anwendung bindet nicht nur Toxine an sich, sondern regt den Speichelfluss dauerhaft an. Dadurch wird die Flora im Mund aufgeforstet.
Auch wenn Ärztinnen und Ärzte betonnen, dass regelmäßiges Ölziehen, eine tägliche Hygieneroutine mit Zahnpasta, -bürste und Spülung nicht ersetzt, empfehlen sie doch Ölziehen als zusätzlichen Hygiene-Held.
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Bereit für die Detox-Kur im Mund? Auch wenn sich grundsätzlich jedes Öl für eine Kur eignet, haben sich doch vier Öle besonders bewährt. Dabei gibt es regionale Vorlieben: Sesamöl ist der Klassiker der ayurvedischen Heilkunde und in Indien beliebt. Während die Vorzüge von Kokosöl im südostasiatischen Raum geschätzt werden, setzt man in Ost- und Südosteuropa auf Sonnenblumenöl und im Mittelmeerraum auf Olivenöl. In gut sortierten Reformhäusern findet man alle Varianten in guter Qualität. Denn ganz gleich, welches Öl wir wählen, es sollte immer kaltgepresst und bio sein, nur dann kommen seine reinigenden Eigenschaften voll zur Wirkung.
Sesamöl: Es ist reich an Antioxidantien, die das Zahnfleisch stärken und Entzündungen verringern können. Seine antibakterielle Eigenschaften, helfen, die toxischen Mundbakterien zu reduzieren und lösen den Zahnbelag.
Sonnenblumenöl: Das Öl enthält eine hohe Konzentration an Linolsäure, die entzündungshemmend wirkt und zur Gesundheit des Zahnfleisches beiträgt. Zudem kann es durch seine antimikrobiellen Eigenschaften die Anzahl schädlicher Bakterien im Mund verringern. Ein weiteres Plus: Auch die hochwertige Biovariante ist relativ erschwinglich.
Kokosöl: Die Essenz aus der Palmenfrucht ist, wie Studien zeigen, bekannt für seine antiviralen, antibakteriellen und antimykotischen Eigenschaften, die helfen können, die Mundflora auszugleichen und Karies vorzubeugen. Es steht in dem Ruf, die Zähne aufzuhellen und wirkt wie ein Bio-Bleaching.
Trendbewusste Hersteller bieten auch Öle an, die mit allerlei Kräuter- und Pflanzenessenzen, die Wirkung der Kur verstärken sollen. Beliebt sind Grapefruitkernextrakt, dessen antimikrobibielle Eigenschaften bei Pilzinfektionen und Parodontitis helfen. Myrrhe kräftigt das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut. Minze, Teebaum und Nelkenöl wirken entzündungshemmend und sorgen für frischen Atem.
Der optimale Zeitpunkt für die Detoxkur im Mund ist morgens vor dem Zähneputzen, wenn der Magen noch leer ist. Wer Zeit sparen will, geht während er das Öl kaut, seiner morgendlichen Dusch- und Hygiene-Routine nach.
Ölziehen starten: Wir nehmen einen Esslöffel Öl in den Mund und ziehen, saugen und drücken ihn 15 bis 20 Minuten lang durch die Zähne. Das Öl wird milchig, weil es emulgiert und so die Stoffe bindet.
Öl ausspucken: Das Öl kommt in ein Taschentuch und dann in den Hausmüll. Es ist voller Gifte und sollte deshalb nicht in den Wasserkreislauf geraten.
Mund ausspülen: Nun spülen wir den Mund mehrere Male mit warmem Wasser aus.
Zähne putzen: Nach dem Ölziehen, Zähne wie gewohnt mit Zahnpasta gründlich putzen.
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