Washington: Zwischen Macht, Geschichte und überraschender Schönheit

Die Vereinigten Staaten feiern am 4. Juli, 250 Jahre Unabhängigkeit, und Washington, D.C. ist das Zentrum dieser Feierlichkeiten. Doch abgesehen davon überrascht die Hauptstadt auch mit spannenden Museen, eleganten Vierteln und einem entspannten Leben am Wasser

Das Weiße Haus. Foto: Ramaz Photos/Pexels
Das Weiße Haus. Foto: Ramaz Photos/Pexels

Einsamkeit und Macht. Das spürt man, wenn man durch die Hauptstadt der Vereinigten Staaten läuft. Jedes Gebäude wirkt riesig und bedeutungsvoll, jede Ecke ist makellos und scheint etwas mit der Geschichte dieser Nation zu tun zu haben. Besonders in diesem Jahr, in dem die USA 250 Jahre Unabhängigkeit feiern. Dieses Jubiläum ist überall spürbar: noch mehr Flaggen als sonst, große Tafeln mit historischen Figuren und gesperrte Straßen wegen der Vorbereitungen auf dieses Ereignis.

Washington liegt am Potomac Fluss und ist zwei Stunden mit dem Bus von New York entfernt. Aber sie hat nichts zu tun mit The Big Apple. Warum? Die Hauptstadt hat praktisch keine Wolkenkratzer, Stau gibt es nicht, die Sauberkeit fällt auf und Grün trifft man an jeder Ecke. Auf die Hektik von New York folgt hier die Ruhe.

Die Wahrzeichen von Washington, D.C. Fotos: Fernando Gomez Dossena

Der Weg des Präsidenten

Die berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Washington, D.C. sind der Obelisk und das Lincoln-Denkmal, das ihm direkt gegenüber liegt. Von dort hat man einen beeindruckenden Blick auf das Kapitol, den Reflecting Pool und den Turm. In diesem Teil der Stadt lässt sich fast alles zu Fuß erkunden. Ganz in der Nähe des Lincoln-Denkmals liegen das Vietnamkrieg-Denkmal und das Martin-Luther-King-Denkmal. Von dort aus kann man in etwa zwanzig Minuten bis zum Jefferson-Denkmal laufen. Dabei geht man einmal um den See herum und kommt direkt wieder am Obelisken vorbei. Es gibt auch die Möglichkeit, mit dem Aufzug nach oben zu fahren und einen schönen Blick über die ganze Metropole zu haben.

Museenweg

Das Viertel, in dem sich die wichtigsten Museen und Ausstellungen der Stadt befinden, heißt The Mall. Zwischen der Constitution Avenue und der Independence Avenue liegen die berühmten Smithsonian-Museen. Sie gehören zur Smithsonian Institution, einer großen kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtung, die 1846 dank des Vermächtnisses des britischen Wissenschaftlers James Smithson gegründet wurde. Zu den bedeutendsten zählen das National Air and Space Museum, das National Museum of Natural History und das National Museum of Asian Art. Alle befinden sich in beeindruckenden und riesigen Gebäuden, deshalb lohnt es sich, ein oder sogar zwei Tage für diese Besichtigungen einzuplanen. Ganz neu ist das Museum of Exploration von National Geographic, das sichtbar macht, woran Explorer aus aller Welt arbeiten – durch immersive und interaktive Erlebnisse für Kinder und Erwachsene.

Blick vom Lincoln Memorial über das Reflecting Pool zum Washington Monument. Foto: Fernando Gomez Dossena

Blick vom Lincoln Memorial über das Reflecting Pool zum Washington Monument. Foto: Fernando Gomez Dossena

Eleganz ohne Monumente

Dupont Circle zeigt eine andere Seite von Washington: weniger monumental, dafür lebendiger und urbaner. Zwischen Botschaften, Cafés, Buchhandlungen und historischen Häusern spürt man hier ein eleganteres, fast europäisches Tempo. Rund um den Kreis treffen sich Studenten, Diplomaten, Künstler und Nachbarn, als wäre die Stadt hier weniger offiziell und mehr Alltag. Es ist ein Viertel, das nicht schreit, sondern langsam seinen Charakter zeigt. Genau deshalb lohnt es sich, hier einfach zu laufen, einen Kaffee zu trinken und Washington für einen Moment ohne große Symbole zu erleben.

Geschmückte Häuserfronten in den Straßen von Washington, D.C. Fotos: Fernando Gomez Dossena

Ein Dorf in der Metropole

Nicht weit vom Stadtzentrum, auf der anderen Seite des Potomac, liegt Georgetown, eines der schönsten und elegantesten Viertel der Hauptstadt. Früher war es eine eigenständige Stadt, doch mit dem Wachstum Washingtons wurden beide im Laufe der Zeit eins.

Die typischen Wohnhäuser mit ihren drei Stockwerken, roten Backsteinfassaden, kleinen Treppen vor den Eingangstüren und natürlich den vielen amerikanischen Flaggen heißen Rowhouses und stammen größtenteils aus dem späten 18. Jahrhundert.

Das Viertel ist ruhig, charmant und absolut sehenswert. Hier kann man entspannt shoppen, am C&O Canal entlang spazieren oder die Waterfront besuchen, von wo aus man einen schönen Blick auf die moderne Skyline am anderen Ufer hat. Im Sommer ist es außerdem ein beliebter Ort für Wassersport.

Die Haupthalle (Great Hall) der Washington Union Station in Washington, D.C. Foto: Fernando Gomez Dossena

Die Haupthalle (Great Hall) der Washington Union Station in Washington, D.C. Foto: Fernando Gomez Dossena

Der neue Blick auf Washington

Ganz anders als Georgetown wirkt The Wharf, das neue und moderne Gesicht der Stadt am Wasser. Direkt am Washington Channel gelegen, verbindet dieses Viertel Restaurants, Bars, Hotels und Konzertlocations mit einer entspannten Atmosphäre, die man in Washington nicht überall findet. Früher war dieser Teil der Stadt eher funktional und wenig besucht, heute ist er einer der lebendigsten Orte der Hauptstadt. Besonders am Abend lohnt sich ein Spaziergang entlang des Wassers: mit Blick auf die Boote, den Sonnenuntergang und die Lichter der Stadt zeigt sich Washington hier von seiner jüngsten und vielleicht coolsten Seite.

Viele denken, Washington sei nur Politik, Business und Regierung. Doch die Stadt hat auch überraschend schöne Seiten – Orte, die zeigen, dass die Hauptstadt viel mehr ist als Macht und Institutionen.

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