Es wird viel über die Repräsentation von Frauen in der Musik außerhalb des Pop-Bereichs diskutiert. Schaut man sich die Line-ups von Festivals wie Wacken oder Hurricane an, findet man unter Hunderten männlichen Musikern nur wenige Frauen. Da wir uns am Vorabend Ihres Auftritts bei Rock am Ring treffen: Glauben Sie, dass sich etwas an diesem Status Quo verändert?
Wenn ich ehrlich bin, denke ich darüber nicht besonders viel nach. Ich werde oft gefragt, wie es ist, eine Frau im Rock’n’Roll zu sein, und ich habe nie eine gute Antwort darauf. Denn ich bin einfach ich – im Rock’n’Roll. Ich wache als Frau auf und spiele Rockmusik, und ich mache exakt dasselbe wie die Männer. Lustigerweise fragt niemand die Männer, wie es ist, ein Mann im Rock’n’Roll zu sein.
Außerdem gibt es Misogynie in jeder Form des Lebens. Ich glaube nicht, dass das ein spezifisches Rockproblem ist. Natürlich gibt es bis zu einem gewissen Grad eine Art „Boys Club“, weil man als Frau in dieser Branche von vielen Männern umgeben ist. Aber ich glaube nicht, dass Booking-Agenturen bewusst sagen: „Lasst uns die Frauen außen vor lassen.“ Es gibt einfach nicht besonders viele Rockbands mit weiblichen Frontpersonen. Aber es werden jeden Tag mehr, und das ist großartig. Am Ende möchte ich einfach mit den Besten der Besten verglichen werden. Das Geschlecht ist mir dabei egal.
Wie würden Sie die heutige Backstage-Kultur im Rock’n’Roll beschreiben?
Viele Menschen stellen sich vor, dass wir auf Tour hinter der Bühne riesige Partys feiern. Aber das ist überhaupt nicht unser Stil. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir haben unser Leben gelebt. Aber ich nehme das, was ich beruflich mache, sehr ernst. Es gibt nichts Schöneres, als Musik zu spielen. Deshalb konzentrieren wir uns vor einem Auftritt darauf, in Bestform zu sein, denn Musik ist für uns wie Religion. Alles, was davon ablenkt, muss den Raum verlassen.
Ich denke, dass Filme diesen wilden Lebensstil oft romantisieren, und das hängt stark mit dem Rock der Achtziger zusammen. Diese Ära hat dem Rock’n’Roll den Ruf eingebracht, ein Leben auf der Überholspur zu sein. Damals standen Image, Pop-Appeal und Partys viel stärker im Mittelpunkt. Mich haben dagegen immer die Bands der Sechziger, Siebziger und Neunziger inspiriert. Für mich waren das Zeiten der Revolution, in denen die Perspektive der Künstler:innen und ihre Botschaften im Zentrum standen.
In den vergangenen zwei Jahren waren Sie mit einer dieser legendären Bands unterwegs: als Vorgruppe von AC/DC auf der „Power Up Tour“. Was haben Sie von ihnen gelernt?
Vor allem haben sie meine Liebe zum Rock’n’Roll neu entfacht. Denn AC/DC sind die Definition von Rock’n’Roll. Das aus nächster Nähe zu erleben, zu sehen, wie sie auf diesem gigantischen Niveau auftreten, wie sie kein bisschen nachgelassen haben, welche Verbindung sie zu ihren Fans haben und wie sehr sie die Menschen Abend für Abend bewegen – das ist unglaublich inspirierend.
Außerdem gibt es bei ihnen keinerlei Fassade. Sie sind genau die Menschen, die sie vorgeben zu sein. Die Zeit mit ihnen hat mich daran erinnert, dass Rock’n’Roll kein Verfallsdatum hat. Im Rock geht man nicht in Rente. Das hat letztlich nur bestätigt, was ich ohnehin schon wusste: Dass ich diesen Job für immer machen will.