Marie Claire: Schauspiel, Regie, jetzt ein eigenes Hörbuch – was hat den Ausschlag gegeben?
Karoline Herfurth: Tatsächlich kam das durch Audible. Letztes Jahr wurde ich gefragt, ob ich Lust hätte, dieses Hörbuch einzusprechen. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man immer wieder in neue Bereiche eintauchen und Dinge entdecken kann, die einem vorher vielleicht noch nicht begegnet sind. Das macht mir einfach wahnsinnig Spaß. Genau das war auch hier der Fall, denn ein Hörbuch einzulesen ist etwas, was ich bisher noch nicht so viel gemacht hatte.
Ich habe das Buch im Herbst von Karen Elste zum Lesen bekommen und war direkt Fan. Und so ging dieses Abenteuer los.
Marie Claire: Was war der größte Unterschied zur Schauspielerei?
Herfurth: Tatsächlich allein die Stimme zu haben, um in Welten zu entführen. Nicht den Körper, nicht den Ausdruck, auch wenn man die natürlich auch beim Lesen benutzt. Aber die Stimme als einziges Transportmittel zu nutzen, um für Zuhörende eine ganze Welt entstehen zu lassen, ist nochmal eine ganz eigene und wirklich krasse Aufgabe.
Gerade für mich war das besonders spannend, weil ich als Schauspielerin nicht so viel Theater spiele und diese Art von Stimmtraining deshalb nicht regelmäßig nutze. Auch das deutliche und langsame Sprechen war eine Herausforderung für mich, weil ich eigentlich eher dazu neige, schnell zu sprechen.
Dazu kam die Arbeit mit den Texten selbst. Karen Elster schreibt sehr gerne lange Sätze, in denen plötzlich neue Elemente auftauchen. Diese Gedankenbögen logisch zu halten und bis zum Ende verständlich und stimmig zu transportieren war schon eine echte Herausforderung.
Marie Claire: Wie war die Zeit im Studio? Das ist ja sicherlich eine andere Atmosphäre als am Filmset.
Herfurth: Es war erstmal sehr aufregend. Ich musste mich richtig vorbereiten und meine Stimme aufwärmen. Ich saß morgens mit einem Korken im Mund im Auto und habe Zungenbrecher aufgesagt, um den ganzen Mund aufzuwecken. Wenn man fünf bis sechs Stunden am Tag spricht oder einliest, ist das natürlich auch eine echte Herausforderung für die Stimme.
Es war insgesamt eine ganz andere Erfahrung und ich habe richtig gemerkt, wie ich aus meiner Komfortzone rausgerissen wurde und plötzlich auf etwas unsicherem Boden stand. Aber genau solche Herausforderungen liebe ich. Und deswegen hat mir die Arbeit im Studio total Spaß gemacht.