Karoline Herfurth spricht über ihr neues Hörbuch „Und was macht das mit Ihnen?“

Sie ist eine erfolgreiche Schauspielerin. Ihre Stimme und ihr Gesicht kennen wir aus Filmen wie  „Wunderschön“ und „Fack Ju Göthe“. Mit „SMS für dich“ gab sie ihr Regie-Debüt. Nun kommt ihr erstes Audible Original Hörbuch. Im Marie Claire Interview spricht Karoline Herfurth über ihr neues Projekt.

Karoline Herfurth liest "Und was macht das mit Ihnen?".
Karoline Herfurth liest "Und was macht das mit Ihnen?". Foto: Copyright Anne Wilk und Audible GmbH

Eine fremde Identität, ein verschwundenes Leben

In eine andere Rolle schlüpfen, das Leben eines anderen Menschen führen – nur für einen Tag. Ein Gedanke, den ich bereits das eine oder andere Mal hatte. Und ich vermute, ich bin damit nicht allein. Doch was passiert, wenn daraus Realität wird? Was macht es mit einem Menschen, eine fremde Identität anzunehmen? Und was bleibt dabei vom eigenen Ich übrig? Genau diesen Fragen widmet sich Karoline Herfurth in ihrem ersten Audible Original Hörbuch „Und was macht das mit Ihnen?“, geschrieben von Autorin Karen Elster. Das Hörbuch erscheint am 25. Juni 2026 exklusiv bei Audible.

Darum geht es im (Hör-)Buch

Mit Mitte 30 steht Emma quasi vor den Trümmern ihres Lebens: pleite, frisch getrennt und ohne Perspektive. Ihr letzter Hoffnungsschimmer ist ihre Zwillingsschwester Nina in Berlin. Zu ihr hatte sie allerdings seit Jahren keinen Kontakt mehr.

Als Emma in Berlin ankommt, ist Nina spurlos verschwunden. Statt Antworten zu finden, wird Emma plötzlich für ihre Schwester gehalten. Widerwillig rutscht sie immer tiefer in Ninas scheinbar perfektes Leben. Während sie versucht herauszufinden, was mit ihrer Schwester passiert ist, muss sie sich nicht nur in Ninas Alltag zurechtfinden und mit ihrer komplizierten Beziehung arrangieren, sondern auch als vermeintliche Therapeutin Patient:innen betreuen.

Das Buch behandelt Fragen um Identität, Selbsttäuschung und den Mut zur Veränderung. Eine Frage kommt unvermeidlich auf: Und was macht das mit Ihnen?

Foto: Audible

Karoline Herfurth im Gespräch über das Hörbuch

Karoline Herfurth ist selbst bekennender Hörbuch-Fan, wie sie im Interview verrät. Sie sei mit Hörbüchern groß geworden, zu ihnen eingeschlafen und höre sie bis heute regelmäßig. Nun durfte sie die Welt der Hörbücher einmal von einer ganz anderen Seite kennenlernen – nicht als Zuhörerin, sondern als Sprecherin.

Ganz neu war die Erfahrung zwar nicht: Für „Die kleine Hexe“ stand sie bereits am Mikrofon im Studio, nachdem sie die Figur zuvor vor der Kamera gespielt hatte. Dennoch sei das aktuelle Projekt für die Schauspielerin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin noch einmal eine neue Herausforderung. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

Ein neues Abenteuer für Karoline Herfurth

Marie Claire: Schauspiel, Regie, jetzt ein eigenes Hörbuch – was hat den Ausschlag gegeben?

Karoline Herfurth: Tatsächlich kam das durch Audible. Letztes Jahr wurde ich gefragt, ob ich Lust hätte, dieses Hörbuch einzusprechen. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man immer wieder in neue Bereiche eintauchen und Dinge entdecken kann, die einem vorher vielleicht noch nicht begegnet sind. Das macht mir einfach wahnsinnig Spaß. Genau das war auch hier der Fall, denn ein Hörbuch einzulesen ist etwas, was ich bisher noch nicht so viel gemacht hatte.

Ich habe das Buch im Herbst von Karen Elste zum Lesen bekommen und war direkt Fan. Und so ging dieses Abenteuer los.

Marie Claire: Was war der größte Unterschied zur Schauspielerei?

Herfurth: Tatsächlich allein die Stimme zu haben, um in Welten zu entführen. Nicht den Körper, nicht den Ausdruck, auch wenn man die natürlich auch beim Lesen benutzt. Aber die Stimme als einziges Transportmittel zu nutzen, um für Zuhörende eine ganze Welt entstehen zu lassen, ist nochmal eine ganz eigene und wirklich krasse Aufgabe.

Gerade für mich war das besonders spannend, weil ich als Schauspielerin nicht so viel Theater spiele und diese Art von Stimmtraining deshalb nicht regelmäßig nutze. Auch das deutliche und langsame Sprechen war eine Herausforderung für mich, weil ich eigentlich eher dazu neige, schnell zu sprechen.

Dazu kam die Arbeit mit den Texten selbst. Karen Elster schreibt sehr gerne lange Sätze, in denen plötzlich neue Elemente auftauchen. Diese Gedankenbögen logisch zu halten und bis zum Ende verständlich und stimmig zu transportieren war schon eine echte Herausforderung.

Marie Claire: Wie war die Zeit im Studio? Das ist ja sicherlich eine andere Atmosphäre als am Filmset.

Herfurth: Es war erstmal sehr aufregend. Ich musste mich richtig vorbereiten und meine Stimme aufwärmen. Ich saß morgens mit einem Korken im Mund im Auto und habe Zungenbrecher aufgesagt, um den ganzen Mund aufzuwecken. Wenn man fünf bis sechs Stunden am Tag spricht oder einliest, ist das natürlich auch eine echte Herausforderung für die Stimme.

Es war insgesamt eine ganz andere Erfahrung und ich habe richtig gemerkt, wie ich aus meiner Komfortzone rausgerissen wurde und plötzlich auf etwas unsicherem Boden stand. Aber genau solche Herausforderungen liebe ich. Und deswegen hat mir die Arbeit im Studio total Spaß gemacht.

In andere Rollen schlüpfen

Marie Claire: Dein Charakter Emma nimmt die Identität ihrer Zwillingsschwester Nina an. Hast du (außerhalb der Schauspielerei) schon einmal so getan, als seist du jemand anderes?

Herfurth: Privat geht das für mich tatsächlich gar nicht mehr so richtig, weil ich mich heute nicht mehr einfach verstecken kann. Manchmal wünsche ich mir das aber. Wenn man mich fragen würde, mit wem ich einmal tauschen würde, dann wahrscheinlich mit jemandem, der nicht auf der Straße erkannt wird. Es gibt einfach Tage, an denen man allein sein oder sich verstecken möchte. Und obwohl sich viele Menschen wünschen, gesehen zu werden, ist es manchmal auch schön, nicht erkannt zu werden und einfach für sich sein zu können.

Selbst habe ich außerhalb der Schauspielerei aber noch nicht wirklich die Rolle einer anderen Person eingenommen. Gerade deshalb fand ich die Geschichte von Emma so spannend. Sie gerät ständig in Situationen, in denen sie Menschen begegnet und nicht weiß: Kennen wir uns? Wie stehen wir zueinander? Was verbindet uns eigentlich? Sie versucht die ganze Zeit, Situationen und Menschen zu lesen, ohne aufzufallen und das führt zu lustigen, aber auch gefährlichen Momenten.

Marie Claire: Was hat dich an der Geschichte noch fasziniert?

Herfurth: Besonders spannend fand ich auch die Beziehung zwischen Emma und ihrer Zwillingsschwester Nina. Die beiden haben keine klassische enge Zwillingsbeziehung, sondern eher ein konfliktbehaftetes Verhältnis. Gleichzeitig stellt Emma sich immer wieder die Frage, ob sie nicht eigentlich spüren müsste, wo ihre Schwester ist. Dieses Wechselspiel zwischen äußerer Handlung und ihren inneren Gedanken über die Vergangenheit und die Beziehung zu ihrer Schwester fand ich wahnsinnig spannend.

Marie Claire: Was hat es mit dem Titel „Und was macht das mit Ihnen?“ auf sich? 

Herfurth: Ich finde es ganz lustig, weil „Und was macht das mit Ihnen?“ ist ja eine therapeutische Phrase. Und genau darum geht es in der Geschichte auch. Emma schlüpft in die Rolle ihrer Schwester, die eine anerkannte Therapeutin ist. Sie selbst ist das aber nicht, sie hat ihr Psychologiestudium abgebrochen und versucht nun, diese Rolle zu übernehmen. Dadurch gerät sie in lustige, aber teilweise auch sehr dramatische Situationen, weil sie plötzlich Menschen gegenüber sitzt, die echte Hilfe brauchen. Und dafür ist sie eigentlich gar nicht ausgebildet.

Wenn ich den Titel lese, habe ich außerdem das Gefühl, dass man sofort auf sich selbst zurückgeworfen wird. Gleichzeitig fragt man sich direkt: Ja was denn? Und so etwas liebe ich einfach. Geschichten mit Spannung, Rätseln und einem Geheimnis, dem es auf den Grund zu gehen gilt.  

Karoline Herfurth
Foto: Juliusz Gastev

Die Welt der Hörbücher

Marie Claire: Warum sollten wir die Geschichte hören?

Herfurth: Ich liebe Geschichten, die einen emotional mitnehmen, die zum Nachdenken anregen und bei denen man sich vielleicht auch Fragen über das eigene Leben stellt. Gleichzeitig mag ich es, wenn eine Geschichte spannend ist, Humor hat und einfach Spaß macht. Ich liebe Geschichten, mit denen man für einen Moment aus dem Alltag abtauchen kann und trotzdem irgendwie auch mit sich selbst in Verhandlungen bleibt. Und genau das schafft dieses Buch total.

Marie Claire: Was hast du persönlich aus dem Hörbuch-Prozess mitgenommen?

Herfurth: Ich bin mal gespannt, ob ich jetzt, wenn ich drehe, öfter mit Korken im Mund ans Set fahren werde. Dadurch, dass ich mittlerweile viele Filme auch selbst schreibe, baue ich an den Figuren mit. Ich bin selbst ein Typ, der plötzlich einen neuen Gedanken bekommt, obwohl der alte noch gar nicht zu Ende gesprochen ist und ein bisschen so ist Karen auch manchmal. Genau das in die Figur einfließen zu lassen, fand ich total spannend. Vor allem hat mir dieses Projekt aber Türen in die Hörbuchwelt aus einer anderen Perspektive eröffnet. Ich bin nicht mehr nur Konsumentin.  

Karoline Herfurths Message an andere Frauen

Marie Claire: Noch eine letzte, etwas andere Frage. Marie Claire steht für Female Empowerment. Gibt es noch eine Botschaft, die du unseren Leserinnen mitgeben möchtest?

Herfurth: Ich finde es wichtig, niemals zu sagen: „Ich arbeite gerade nicht“ wenn man gerade die Rolle Zuhause übernimmt. Denn ich bin davon überzeugt, Frauen arbeiten immer. Die Frage ist nur, ob sie gerade dafür bezahlt werden. Sich bewusst zu machen, dass es bezahlte und unbezahlte Arbeit gibt, ist für mich ein ganz wichtiger Schlüssel. Und darüber auch klar zu sprechen und es genauso zu benennen, halte ich für wichtig. Für die eigene Selbstwahrnehmung, aber auch dafür, wie wir uns in der Welt verorten.

Und das andere ist: Wenn man das Gefühl hat, irgendetwas stimmt nicht, dann stimmt meistens auch etwas nicht. Dieses Gefühl hat sich bei mir immer bestätigt. Wir sind oft darauf trainiert, uns selbst kleinzureden. Da ist diese Stimme im Kopf, die sagt: „Du übertreibst. So schlimm wird es schon nicht sein.“ Frauen wurde früh beigebracht, nicht zu laut zu sein, nicht zu viel Raum einzunehmen, bloß nicht zu übertreiben. Dadurch haben wir es verlernt, auf unser eigenes Gefühl zu hören. Ich habe für mich gelernt: Immer dann, wenn ich nicht auf meine innere Stimme gehört habe, wurde es teuer – emotional, zeitlich oder auch finanziell. Gerade wenn es um das eigene Sicherheitsgefühl geht, sollte man immer darauf hören. Denn oft fängt man irgendwann an, sich selbst wegzureden oder sich nicht mehr zu glauben. Sich selbst wieder zu vertrauen, ist etwas, das man sich zurückerobern muss. Und ich glaube: Je früher man damit anfängt, desto besser.

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