Ildikó von Kürthy ist alt genug – für unbequeme Wahrheiten, für klare Grenzen und für bequemes Schuhwerk. In ihrem neuen Buch beschreibt die Bestseller-Autorin das eigene Älterwerden mit großer Offenheit, dem gewohnten Witz und einem scharfen Blick für überholte Narrative. Im Interview mit Marie Claire spricht sie über Abschiede, Aufbrüche und die Gelassenheit, die entsteht, wenn man es niemandem mehr rechtmachen möchte.
Ihr neuestes Werk ist kein Roman, sondern ein Memoir: Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy zeichnet in ihrem neuen Buch „Alt genug“ ein sehr persönliches Bild vom Älterwerden. Sie erzählt offen von Ängsten und Abschieden, aber auch von der neu gewonnenen Freiheit jenseits der Lebensmitte. Schließlich macht sie heute lieber Mittagschläfchen statt Party bis nach Mitternacht, lacht nicht mehr über jeden blöden Witz und hat schon lange damit aufgehört, sich für die Erwartungen anderer zu verbiegen.
„Alt genug“ zeigt, was wir gewinnen, wenn wir die Scheu verlieren, uns selbst zu zeigen, wenn wir mit jeder Falte mehr Lebenserfahrung sammeln – und wie befreiend es sein kann, nicht mehr allem gerecht werden zu müssen. Dabei eröffnet die Autorin einen neuen Blick auf das Älterwerden und hinterfragt den Jugendkult unserer heutigen Gesellschaft. Im Interview mit Marie Claire spricht Ildikó von Kürthy über die besondere Energie der zweiten Lebenshälfte, die Herausforderungen der Wechseljahre, patriarchale Prägungen und das schöne Gefühl, endlich bei sich selbst anzukommen.
Ildikó von Kürthy: „Alt genug“ ist für mich tatsächlich erstmal so eine Art Trotzreaktion auf die Formulierung „zu alt“. Das ist nämlich etwas, was mich zunehmend verärgert hat: dass ich beispielsweise zu alt sein soll für hohe Schuhe. Und ich denke, man kann es genauso gut umkehren und sagen: Ich bin alt genug für flache Schuhe. Ich gehe sehr selbstbewusst, quasi wie auf High Heels, mit flachen Schuhen durchs Leben, gehe tanzen, und es tut auch gar nicht mehr weh.
Neben dieser Trotzreaktion ist es aber auch mein persönliches Empfinden. Ich finde, dass ich mit dem Alter gereift bin, gewachsen bin und auch manchen Dingen entwachsen bin, für die ich jetzt zu alt bin – im Sinn von alt genug, es zu lassen. Zu alt, um beeindruckt zu sein von Typen, die alles besser wissen. Zu alt, um anderen unbedingt gefallen zu wollen. Zu alt, um sich zu verbiegen, um anderen zu gefallen. Zu alt, um zu lächeln, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür gibt. Zu alt, um über blöde Witze zu lachen. Aber im besten Sinne bin ich gleichzeitig alt genug, um Widerworte zu geben, um meine Meinung zu äußern und zu sagen: Ich gehe nach Hause, ich bin müde.
Marie Claire: Warum war jetzt der richtige Zeitpunkt, dieses Buch zu schreiben?
Ildikó von Kürthy: Ich dachte, es sei der richtige Zeitpunkt, und den Titel fand ich super. Meine Lektorin und ich haben zusammen rumgesponnen, und dann sagte ich: Wie wäre es mit „alt genug“? Und wir wussten beide ja, das sagt genau das aus, was mein Lebensgefühl ist.
Dann merkte ich aber, als ich mich mit dem Buch noch mehr beschäftigte: Ich war eigentlich noch gar nicht alt genug. Mir fehlte noch so ein bisschen was an Mutproben, für die ich aber alt genug geworden war, um sie jetzt auch zu bewältigen. Und so kam eben eine Art von Bucket List zustande, die ich erst mal abarbeiten und ableben musste, ehe ich dann wirklich alt genug war, um dieses Buch zu schreiben. Also ich habe dem Buch auch ein aufsehenerregendes Jahr zu verdanken, weil es da ein paar Dinge gab, die ich mich jetzt getraut habe zu erleben.
Marie Claire: Im Buch beschreiben Sie diese Erlebnisse, wie ihre Reise nach New York oder ihre Bewerbung bei „Germany’s Next Topmodel“. Was haben Sie aus diesen Experimenten für sich mitgenommen?
Ildikó von Kürthy: Ganz, ganz unterschiedliche Einzelerfahrungen waren das. Generell habe ich aus jedem dieser Experimente, Abenteuer, Wagnisse natürlich etwas über mich gelernt und über die Welt. Also es ist ein immenser Erfahrungs- und Wissenszuwachs.
Marie Claire: Was trauen Sie sich heute, das Sie sich früher vielleicht nicht getraut hätten?
Ildikó von Kürthy: Ich traue mir mehr. Also ich traue meinem Instinkt, meiner inneren Stimme. Früher war meine innere Stimme eher die eines jungen Mädchens, die sagte: Zieh den Bauch ein und versuch, etwas Nettes zu sagen. Aber jetzt fühle ich mich angekommen bei mir und habe das Gefühl, ich kann mit diesem Ich auch gut weitergehen in die nächste Lebensphase. Ich fühle mich von mir selbst gut begleitet.
Ich habe, darüber schreibe ich auch im Buch, schon sehr lange eine generalisierte Angststörung, die mein Leben sehr geprägt und auch sehr, sehr beeinträchtigt hat. Die habe ich auch immer noch, aber jetzt – dank unterschiedlichster Faktoren – ist auch da eine Entwicklung drin, wo ich wirklich das Gefühl habe: Ich bin so frei wie nie.
Marie Claire: Gibt es auch etwas, das Sie heute ganz bewusst bleiben lassen, das früher für Sie selbstverständlich war?
Ildikó von Kürthy: Da gibt es ganz viel. Erst mal relativ viele „Gesundheitsdummheiten“: Ich habe Kette geraucht, habe viel zu viel Alkohol getrunken, und das fällt nicht nur unter Jugendsünde. Ich habe erst vor zehn Jahren aufgehört zu rauchen. Vor fünf Jahren habe ich dann auch aufgehört, Alkohol zu trinken.
Ich war immer ein sehr maßloser Mensch und dachte, das sei irgendwie authentisch und cool. Auch jedes Drama mitzunehmen und im Zweifelsfall noch größer zu machen, statt vielleicht mal durchzuatmen und nachzudenken – dafür habe ich sehr lange gebraucht, das zu lassen. Nicht mehr jeden Kampf zu kämpfen, nicht mehr auf jede Provokation zu reagieren.
Es ist nicht so, als würde mir das ständig hundertprozentig gelingen. Aber überhaupt den Gedanken „Atme doch erst mal durch“ zuzulassen, das ist schon viel. Ich mache manchmal jetzt sogar ohne schlechtes Gewissen Mittagsschlaf, wobei mir das immer noch sehr schwerfällt. Ich gehe liebend gerne früh ins Bett, was ich früher verachtet habe.
Also da sind schon eine ganze Menge Dinge, die ich jetzt genieße, die ich aber natürlich vor zehn, zwanzig Jahren auch nicht hätte genießen können. Da habe ich „hoch die Tassen“ gebrüllt und war die Letzte auf der Party. Jetzt gehe ich nüchtern gegen elf und bin auch sehr, sehr glücklich damit.
Marie Claire: Was überrascht Sie am Älterwerden am meisten?
Ildikó von Kürthy: Erst war ich überrascht, als ich die 50 überschritten hatte – noch relativ zuversichtlich und mit bester Laune –, dass ich da wirklich in eine Art von Lebenskrise geraten bin, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Es war irgendwie das Gefühl: Da kommt nichts Neues mehr. Das Gute ist vorbei. Die Premieren, die jetzt noch kommen, das sind irgendwie so unerfreuliche Sachen wie Darmspiegelung oder künstliches Gelenk.
Da war ich wirklich so müde und schaute in eine Zukunft, die mir irgendwie nichts mehr zu bieten hatte. Das kannte ich von mir nicht. Heute weiß ich, dass das schon mit der hormonellen Umstrukturierung zu tun hatte – nicht nur, aber auch. Davon hatte ich natürlich überhaupt keine Ahnung. Wechseljahre, dachte ich, sind doch super, da habe ich keine kalten Füße mehr. Mehr habe ich darüber nicht nachgedacht. Das braucht man auch nicht, aber wenn es dann so weit ist, ist es natürlich gut, wenn man informiert ist.
Die Wechseljahre waren für mich auch eine sehr unschöne Überraschung, weil ich damit nicht zurechtkam. Ich hatte Hitzewallungen und Schlafstörungen und fühlte mich meinem Leben gar nicht mehr gewachsen. Ich war dann aber zum Glück medizinisch gut beraten, sodass mir mit naturidentischen Hormonen geholfen wurde. Und nein, sie machen nicht automatisch Krebs – also hier ist es wichtig, sich gut aufklären zu lassen.
Und dann ging es auf eine Weise bergauf, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Ich fühlte mich plötzlich erwachsen werdend, auf eine ganz gute Art, so eine Form von Selbstbeheimatung. Ich merkte: Ich fühle mich auf der einen Seite sicherer mit mir, ich fühle mich geborgen in mir. Auf der anderen Seite wurde ich sehr präzise, relativ streng, was Frauenfeindlichkeit anging, überhaupt Feindlichkeit, abwertende Äußerungen. Auch bei mir selbst wurde ich da sehr hellhörig. Es ist ja nicht so, als sei ich nicht auch patriarchal geprägt. Da tat sich ganz viel, wo ich selbst den Eindruck hatte: Das ist jetzt wirklich ein Reifungsprozess. Der hat mir gut gefallen, und der ist hoffentlich auch noch nicht beendet.
Marie Claire: Sie sprechen auch in ihrem Buch sehr offen über die Wechseljahre und haben dazu sogar im Bundestag eine Rede gehalten. Warum braucht dieses Thema Ihrer Meinung nach mehr Öffentlichkeit?
Ildikó von Kürthy: Man muss als Frau wissen, dass die Wechseljahre wesentlich früher beginnen als die erste Hitzewallung, wenn sie denn überhaupt kommt. Es gibt noch mannigfaltige, wesentlich schlimmere Beschwerden, die schon dann auftreten können, wenn man seine Tage noch bekommt. Dazu gehören Symptome, die Frauen oft überhaupt nicht einordnen können – von Stimmungsschwankungen bis zu Gelenkschmerzen.
Dann ist eine angemessene, kluge, richtige medizinische Aufklärung wichtig. Die kriegt man allerdings kaum. Was ist möglich? Was sind die Gefahren? Was sind die Vorteile? Was sind die Nachteile? Eine Freundin von mir ist vor wenigen Wochen mit starken Wechseljahresbeschwerden zum Gynäkologen gegangen und sagte, sie überlege jetzt doch, ob sie naturidentische Hormone nehmen solle. Sie halte es einfach nicht mehr aus. Und dann sagte der Arzt: Also das ist Natur, da müssen Sie durch – oder wollen Sie Krebs?
Das ist also der Stand von heute. Gott sei Dank ändert sich das jetzt langsam. Und deswegen saß ich auf einmal im Bundestag.
Marie Claire: Welche gesellschaftlichen Narrative über Frauen jenseits der Lebensmitte würden Sie gerne neu schreiben?
Ildikó von Kürthy: Ich habe immer noch das Gefühl, dass Frauen, wenn sie ihre biologische Fruchtbarkeit verlieren, generell als unfruchtbar gelten. Und das Gegenteil ist der Fall. Ich finde, mit dem Alter – es heißt ja nicht umsonst Wechseljahre – entsteht eine ganz neue Form von Energie und Kraft. Diese hat auch viel mit einem neu gewonnenen, gesunden Egoismus zu tun, der sich dann endlich Platz schaffen kann – auch dank der Nestbauhormone, die sich langsam verabschieden.
Also ich finde, dass diese Zeit im Leben von Frauen viel zu wenig als ein unglaubliches Energiehoch wahrgenommen wird. Deswegen ist es auch so wichtig, dass Frauen bei Wechseljahresbeschwerden gut beraten werden. Es ist ein wirklich ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor, dass manche Frauen, wenn sie in die Prämenopause kommen oder in die Menopause, so leiden, dass sie sich keine Führungsposition mehr zutrauen oder sogar in Teilzeit gehen, weil ihnen die Kräfte schwinden. Was so schade ist, weil sie so viel Erfahrung haben, so wahnsinnig klug sind und so viel angehäuft haben an Wissen und diese Altersenergie haben, die so wertvoll ist. Also das liegt mir wirklich am Herzen, da Frauen zu ermutigen, aber auch die Gesellschaft zu ermutigen, dass man einen anderen Blick kriegt auf Frauen jenseits der 40, der 50, der 60.
Marie Claire: Ein großes Thema insbesondere für Frauen mit dem Älterwerden ist das Aussehen. Schönheit und Alter gelten schließlich oft als unvereinbar. Welches Umdenken würden Sie sich hier wünschen?
Ildikó von Kürthy: Allein schon das, dass Schönheit und Alter angeblich nichts miteinander zu tun haben können. Aber auch weitergehend: Warum ist Schönheit eigentlich so wichtig? Auch das ist so etwas, was ich ständig gepredigt kriege: Ich soll mich selbst lieben und mich selbst schön finden. Warum sollte ich diesem Anspruch überhaupt gerecht werden? Warum muss ich mich schön finden? Ich finde mich manchmal ganz klug, ich finde mich ganz gut gereift, ich finde, dass ich eine gute Zuhörerin bin. Aber schön? Wer diktiert das denn? Dann ist natürlich noch die Frage: Was ist schön? Ich habe zum Beispiel ziemlich runzlige alte Hände. Das war immer schon so und ich finde die schön, denn sie erinnern mich so an die Hände meines Vaters.
Also erst mal kann Alter schön sein. Ich finde alternde Gesichter oft wunderschön. Und zweitens müssen sie es doch auch überhaupt nicht sein. Niemand muss schön sein – auch der junge Mensch doch nicht. Man ist ja nicht automatisch schön, nur weil man jung ist. Das ist ein völlig absurder Maßstab und wirklich ein gesellschaftliches und patriarchales Grundproblem.
Marie Claire: „Alt genug“ ist zugleich Memoir und Gesellschaftskritik. Welche Veränderungen würden Sie sich in unserer heutigen Gesellschaft am meisten wünschen?
Ildikó von Kürthy: Da weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll. Denn ich empfinde mich selbst als so einen Störfaktor beim gesellschaftlichen Fortschritt. Meine Helden hießen Batman und Bruce Willis. Ich bin so patriarchal geprägt und aufgewachsen, und in mir schlummern so viele Vorurteile, die ich immer versuche, entweder zu enttarnen oder loszuwerden.
Manchmal denke ich, es kann eigentlich erst richtigen Feminismus geben, wenn ich tot bin – und mit mir diese ganzen patriarchalen Prägungen. Aber die sind halt auch so wahnsinnig alt. Ich habe neulich ein Gespräch geführt zum Thema Mikrofeminismus, was so interessant war, wo mir noch mal klar wurde, wo überall Frauenfeindlichkeit oder Feindlichkeit versteckt ist, was wir manchmal gar nicht so wahrnehmen. Da ist wirklich noch eine ganze Menge zu tun. Aber ich habe den Eindruck, es tut sich auch eine Menge – und das ist ein gutes Gefühl.
Marie Claire: Sie zeigen in Ihrem Buch bewusst Schwäche und sprechen offen über Ängste. Was können wir gewinnen, wenn wir unsere Masken öfter ablegen?
Ildikó von Kürthy: Also das kommt natürlich sehr aufs Umfeld an. Wenn ich morgen Friedensverhandlungen im Weißen Haus führen würde, dann würde ich nicht als Erstes meine Unsicherheit kommunizieren und sagen: Lasst uns erst mal in den Arm nehmen oder einfach mal runterkommen. Offenheit gehört nicht überall hin, und es ist auch oft genug wichtig, sich zurückzunehmen, die Emotionen erst mal für sich zu behalten, wenn man ein mittel- oder langfristiges Ziel verfolgt.
Und trotzdem ist es mindestens genauso wichtig, dass man sich in einem Umfeld, in dem man mit Zuneigung rechnen darf, so zeigt, wie man ist. Und vor allen Dingen muss man selber dieses Umfeld sein, in dem man mit Zuneigung rechnen darf. Man ist ja selbst oft die schlimmste Kritikerin.
Als ich in New York war und es nicht über die Brooklyn Bridge geschafft habe, weil ich so eine Höhenangst bekommen habe, schon nach hundert Metern, da war ich wieder drauf und dran, mich innerlich zu beschimpfen. Aber das ist nicht der Weg, sondern die Schwäche als Teil eines insgesamt gelungenen Ganzen anzunehmen und vielleicht auch mal den Blickwinkel zu verändern und auf das zu richten, was schon geschafft ist. Das würde man mit jeder guten Freundin so machen. Nur mit sich selbst – oder zumindest in meinem Fall – da bin ich extrem streng. Das möchte ich mir auch abgewöhnen.
Meine Erfahrung ist: Je mehr ich von meiner Rüstung ablege, desto unverletzlicher werde ich. Was soll man mir denn noch Böses nachsagen? Im Zweifelsfall habe ich es doch selbst schon erzählt. Was soll die BILD-Schlagzeile sein? Kürthy hat Cellulite? Kürthy hat Angstattacken? Lies mein Buch, da steht es schon drin. Also es ist auch eine Form von Unverletzlichkeit, wenn man sich so zeigt, wie man ist.
Marie Claire: Sie schreiben, dass Sie Ihren Leser:innen das Gefühl von „Du bist nicht allein“ geben möchten. Warum ist dieses Gemeinschaftsgefühl gerade für uns Frauen so wichtig?
Ildikó von Kürthy: Das Gemeinschaftsgefühl ist für alle Menschen existenziell. Es gibt ja mittlerweile zig Studien, in denen deutlich wird, dass soziale Kontakte, sich aufgehoben zu fühlen, ein nicht zu unterschätzender Wert sind – ein Gesundheitswert, ein „Sichwohlfühlwert“. Longevity hat also immer auch mit sozialen Kontakten zu tun.
Und es ist nicht nur so, dass ich Frauen das Gefühl vermitteln möchte, dass sie nicht allein sind. Ich möchte dieses Gefühl auch haben. Also das ist etwas, wovon ich extrem profitiere. Zum Beispiel auf Instagram – da gebe ich mir sehr viel Mühe mit meinem Kanal – oder bei den Shows zum Buch, ist das für mich mindestens so ermutigend wie für die Frauen, die mir da folgen oder die Eintritt zahlen bei den Shows. Weil ich ja genauso verzweifle und denke: Ich ticke wieder nicht sauber oder ich bin traurig aus irgendeinem nichtigen Grund oder auch aus einem schrecklichen Grund. Alle haben alles schon erlebt und können sich gegenseitig stärken. Und das ist die Ermutigung, die ich brauche und die jeder und jede braucht. Wenn ich ein bisschen davon vermitteln kann, finde ich das super. Und wenn ich etwas zurückbekomme, noch besser.
Marie Claire: Was ist das Wichtigste, das das Leben Sie bislang gelehrt hat?
Ildikó von Kürthy: Das Wichtigste ist, dass Mut keine Eigenschaft ist. Mut ist ein Prozess. Und vieles andere ist auch ein Prozess. Das Erwachsenwerden dauert wirklich ein Leben lang. In meinem Fall hat dieser Prozess auch erst relativ spät eingesetzt. Also verliert nicht die Hoffnung!
Ich mag diese abgegriffenen Begriffe von Weisheit und Würde als die Früchte des Älterwerdens – und ich würde sie gerne reanimieren. Miriam Stein spricht in ihren fantastischen Büchern von „den zu Rosinen geschrumpften Früchten des älter werdenden Lebens“. Und das müssen wieder pralle, reife Trauben werden – Weisheit und Würde, nicht die glatte Stirn und sich innerlich noch wie 17 fühlen. Das kann’s nicht sein.
Marie Claire: Was möchten Sie den Leser:innen von Marie Claire zum Schluss gern mit auf den Weg geben?
Ildikó von Kürthy: Ich möchte – weil es mir wirklich ein Anliegen ist und mir so gut tut – einfach sagen: Ihr seid nicht allein. Jedes quälende Gefühl, jeder Schmerz, jeder Zweifel, jede Minderwertigkeit – all das haben andere auch. Daniel Schreiber sagt das sehr schön: „Die Welt wird besser, wenn ihr euch ihr zumutet.“ Das finde ich wichtig und richtig. Und es tut gut – der Welt und euch auch.
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