Part 11 – New Year, Same Me – Arctic Glow Beauty Lessons from the North

Na, haben Sie mich vermisst?

Zwei Monate lang war es hier ungewöhnlich still. Kein neuer Text, keine Nachhaltigkeitsgedanken, keine Beauty-Beobachtungen. Und ehrlich gesagt: Das war Absicht

Anna Hiltrop für Marie Claire. Foto: Arno Steinfort

Der Jahresanfang in diesem Jahr fühlte sich für mich ein bisschen an wie ein Soft Launch. Während im Dezember alle Kanäle gleichzeitig explodieren – Gift Guides, Jahresrückblicke, Vorsätze, Trends – wollte ich dieses Jahr einmal bewusst nicht noch mehr Inhalt in die Welt setzen. Nachhaltigkeit bedeutet für mich nämlich nicht nur, weniger Plastik zu verwenden oder bewusster zu konsumieren. Es bedeutet auch, mit Energie, Aufmerksamkeit und Kreativität nachhaltiger umzugehen.

Anders als die letzten Jahre, habe ich dieses Jahr nicht direkt mit voller Power in das Jahr gestartet, um dann spätestens jetzt im März, die ersten Erschöpfungsanzeichen zu haben, sondern mich bewusst für eine Auszeit entschieden und die hieß: 7000km, -18 Grad und einen Punkt auf der Bucketlist abhaken.

Ich habe mir Zeit genommen. Zeit zum Durchatmen, zum Reisen – und zum Staunen.

Im Januar ging es auf einen Roadtrip durch Schweden und Dänemark, bis hoch zum Polarkreis. Sogar 250 km darüber hinaus.  Ein paar Tage später stand ich nachts bei minus zwanzig Grad irgendwo außerhalb von Kiruna und sah zum ersten Mal die Polarlichter. Dieses grüne, fast surreal wirkende Lichtband am Himmel lässt einen sehr schnell verstehen, warum die Natur eigentlich das größte Luxusgut ist, das wir haben. 

Und genau dort oben wird Nachhaltigkeit plötzlich sehr konkret.

Anna Hiltrop für Marie Claire. Foto: Arno Steinfort

Foto: Arno Steinfort

Skandinavien: Nachhaltigkeit als Selbstverständnis

Was mich in Schweden und Dänemark immer wieder beeindruckt, ist, wie selbstverständlich Nachhaltigkeit in den Alltag integriert ist. Es ist kein Trend, kein Marketing-Label – eher eine Haltung.

Hotels arbeiten mit erneuerbaren Energien, Restaurants setzen auf regionale Zutaten, Mülltrennung funktioniert fast intuitiv und viele Städte sind so gebaut, dass man sich problemlos zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewegt.

In Kiruna, einer kleinen Stadt nördlich des Polarkreises, spürt man besonders stark, wie eng Mensch und Natur miteinander verbunden sind. Die Landschaft dort ist rau, wunderschön und gleichzeitig empfindlich. Wer einmal durch diese tief verschneiten Wälder, vorbei an unzähligen Rentieren und Elchen gefahren ist, versteht sofort, warum Nachhaltigkeit hier kein Lifestyle-Thema ist, sondern Notwendigkeit.

Foto: Arno Steinfort

Foto: Arno Steinfort

Nachhaltige Hotels, die Stil und Verantwortung verbinden

Auch in Sachen Hospitality sind die Skandinavier erstaunlich weit.

Die Elite Hotels in Schweden – etwa in Kiruna oder Stockholm – setzen stark auf energieeffiziente Gebäude, lokale Lieferketten und zertifizierte Nachhaltigkeitsprogramme. Viele ihrer Häuser nutzen Ökostrom, reduzieren Lebensmittelverschwendung und arbeiten eng mit regionalen Produzenten zusammen. Gleichzeitig sind die Hotels stilvoll, modern und alles andere als „Öko-Klischee“. Unbedingt eine Behandlung im Spa buchen, auch hier nicht nur höchste nachhaltige Standards, sondern wirklich himmlisch!

 

In Stockholm merkt man besonders, wie elegant Nachhaltigkeit sein kann: minimalistisches Design, viel Holz, helle Stoffe, lokale Materialien.

In Kopenhagen habe ich im Villa Copenhagen (selbstbezahlt) übernachtet – ein Hotel, das Nachhaltigkeit fast schon spektakulär inszeniert. Das Gebäude war früher das Hauptpostamt der Stadt und wurde aufwendig restauriert. Heute gehört es zu den nachhaltigsten Hotels Dänemarks: mit einem beheizten Pool auf dem Dach, der mit überschüssiger Energie betrieben wird, eigener Wasseraufbereitung und einer Küche, die stark auf regionale Bio-Produkte setzt.

Und das alles ohne moralischen Zeigefinger.

Beauty im Polarkreis: Minimalismus statt 10-Step Routine

Wer einmal in arktischer Kälte unterwegs war, merkt schnell: Die Haut hat plötzlich ganz andere Bedürfnisse.

Meine sonst recht umfangreiche Beauty-Routine schrumpfte dort oben ziemlich schnell auf ein Minimum. Die Luft ist extrem trocken, der Wind kann brutal sein – und weniger ist in diesem Fall tatsächlich mehr.

Ein paar Essentials, die sich auf dieser Reise bewährt haben:

1. Eine wirklich gute Kältecreme
Der Klassiker aus der Naturkosmetik: die Weleda Cold Cream. Reichhaltig, schützend und perfekt, um die Hautbarriere bei Minusgraden zu stabilisieren.

2. Ein unkomplizierter Lippenbalsam
Klingt banal, aber bei eisigem Wind unverzichtbar. Am besten mit natürlichen Ölen und ohne zu viel Duftstoffe, z.B. Dr. Hauschka Lippenflege oder Beauty by Earth organic beeswax lil balm, in tollen Duftrichtungen.

3. Multifunktionale Produkte
Ein Balm, der gleichzeitig für Lippen, trockene Stellen und Cuticles funktioniert, spart Platz und Verpackung, mein Favorit, Skinfood von Weleda oder Nuori the One, reichhaltige Feuchtigskeitspflege aus dem Norden- minimalistsiuscher, nachhaltiger Ansatz.

4. Handcreme!!! Immer und überall. Reisegrößen von The Collaborative Store oder John Masters Organics – bio, plastikreduziert, wirksam, oder mein all-time favorit von l’occitane, für mich nach wie vor DIE Handcreme. 

Foto: Arno Steinfort

Foto: Arno Steinfort

Reisegrößen – Luxus, aber bewusst

Ein Thema, das bei mir auf Reisen immer wieder auftaucht: Duft.

Natürlich könnte man argumentieren, dass Parfum auf einem Polarlichter-Trip völlig nebensächlich ist. Aber ehrlich gesagt: Ein vertrauter Duft kann unterwegs unglaublich viel Komfort geben.

Statt große Flakons mitzunehmen, setze ich mittlerweile auf kleine Reisegrößen oder Refill-Sprays. Zwei Klassiker, die fast immer in meiner Tasche landen:

  • eine Mini-Version von Baccarat Rouge 540
  • ein kleiner Chanel-Duftzerstäuber mit dem Mademoiselle Duft, in besonders schönem winterlichen Design

Der Trick ist simpel: nur das mitnehmen, was man wirklich benutzt. Weniger Produkte, kleinere Verpackungen, dafür bewusst ausgewählt.

Nachhaltigkeit beginnt bei Entscheidungen

Was mir diese Reise wieder einmal gezeigt hat: Nachhaltigkeit ist selten eine große, heroische Entscheidung. Viel häufiger sind es kleine, alltägliche Entscheidungen.

Nehme ich die Bahn statt eines Kurzflugs?
Buche ich ein Hotel, das Verantwortung übernimmt?
Packe ich meine Kosmetik bewusst oder einfach alles ein?

Und ich für meinen Teil war erstaunt, mit wie wenig ich über so einen langen Zeitraum gut auskomme und wie sehr meine Haut und ich diese Auszeit gebraucht haben. 

Die Polarlichter selbst dauern oft nur wenige Minuten. Man wartet teilweise stundenlang in der Kälte – und plötzlich tanzen diese Lichter über den Himmel. Bäumen sich auf, in Farben, die ich zuvor in keiner Lidschattenpalette dieser Welt gesehen habe. Dann sind sie wieder weg.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum man danach vieles anders sieht. Natur ist nicht selbstverständlich. Schönheit auch nicht.

Und vielleicht ist das am Ende die nachhaltigste Form von Luxus: Dinge zu erleben, die man nicht besitzen kann.

Ich bin jedenfalls wieder zurück – mit frostgeküsster Haut, einer sehr minimalistischen Beauty-Bag und ziemlich vielen neuen Gedanken für dieses Jahr.

Und keine Sorge: Diesmal lasse ich Sie nicht wieder zwei Monate warten.

Foto: Peter Müller

Anna Hiltrop hat ihren Bachelor-Abschluss in Fashion Luxury Retail Management mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Wirtschaft am renommierten Berkeley College in New York absolviert.

Bereits während ihres Studiums setzte sie sich intensiv mit nachhaltigen Projekten auseinander und wurde dafür 2022 mit dem Green Award sowie dem Model Icon of the Year Award ausgezeichnet.

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