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Jule Gölsdorf im Gespräch mit Frauen in Business und Politik über ihren persönlichen Weg weit nach oben #43 Julie Gasperini

Julie Gasperini ist bereits seit 2014 im Unternehmen, seit April 2026 nun Director Buying.

Heute: Julie Gasperini
Director Buying KaDeWe GmbH

Learning 1: Im Einkauf „kauft“ man nicht einfach nur Produkte ein. Wir gestalten Erlebnisse und bauen Markenwelten.

Learning 2: Einkauf heißt immer: Kreativität plus Zahlen, Daten, Fakten. Das eine ohne das andere funktioniert nicht.

Learning 3: Stil entsteht nicht durch Trends, sondern durch Wohlfühlen und Authentizität.

Jule Gölsdorf: Du bist seit kurzem Director Buying im KaDeWe – gibt es ein Produkt, das du ganz persönlich gerne ins Sortiment aufnehmen würdest – unabhängig von deiner Position und Strategie?

Julie Gasperini: Das kann ich gar nicht voneinander trennen – ich liebe das KaDeWe und die Sortimente unserer Häuser und verbringe hier auch am liebsten meine Freizeit. Ob mit Freunden auf einen Apéro im Sonnenuntergang auf der Fischkutter Terrasse oder für ein paar Stunden Wellness in unserem erst Anfang Mai eröffneten Beauty Studio. Natürlich gehe ich immer mit einem Profi-Blick durch unsere Stores. Mein Anspruch ist es, dass wir bei neuen Produkten und angesagten Brands die ersten sind und diese unseren Gästen exklusiv anbieten – man braucht die Fähigkeit eines Trüffelschweins. (lacht)

JG: Arbeitest du jetzt in deiner neuen Rolle noch mal mehr strategisch und weniger kreativ?

JG: Mit dem KaDeWe bin ich jetzt seit über zehn Jahren verbunden, zuletzt als Director Marketing. Für unsere House of Brands braucht es generell eine enge Verzahnung zwischen Einkauf und Marketing und eine gute Balance zwischen Kreativität und Strategie zwischen uns und unseren Markenpartnern. Dass ich alle Bereiche und Anforderungen sehr gut kenne, ist für meine neue Rolle entscheidend und ich halte das große Ganze im Blick – über Preisanalysen, Budgets und Risikominimierung. Ein großer Vorteil ist, dass sich unsere drei Häuser zu 70-80 Prozent im Sortiment überschneiden, ergänzt durch lokale Schwerpunkte. Auch die Kreativ-Konzepte in unseren Stores sind vor allem lokal ausgerichtet und haben einen hohen Erlebniswert. Gleichzeitig arbeiten wir sehr eng mit dem Vertrieb in den Stores und auf der Fläche zusammen, um immer genau zu wissen, wie unsere Gäste auf unser Angebot reagieren und was sie sich wünschen.

JG: Online Handel wird immer wichtiger – wird es das klassische Kaufhaus in 10-20 Jahren noch geben?

JG:  Ein klares Ja. Ich bin sehr sicher, dass Department Stores auch in Zukunft eine hohe Relevanz haben werden — vielleicht sogar mehr denn je. Aber natürlich nicht mehr als reine Verkaufsflächen. Und genau darin liegen Vorteil und Stärke von Department Stores wie dem KaDeWe. Menschen können heute alles online kaufen. Was sie online aber nicht bekommen, sind Emotionen, Inspiration und das Gefühl, etwas Besonderes zu erleben. Unsere Gäste wollen ausgehen, sich zeigen, Freunde treffen, etwas erleben. Sie suchen neue Looks, neue Inspirationen und oft sogar ein neues Gefühl von sich selbst. Sie wollen mit anderen Menschen in Resonanz und in persönlichen Austausch gehen. Und sie wollen ihre Zeit wertvoll verbringen. Unser Personal-Shopping-Team spielt dabei eine wichtige Rolle, denn Zeit ist für viele Menschen ein echter Luxus geworden. Unsere Teams stellen individuelle Looks zusammen, begleiten und beraten persönlich und schaffen ein Erlebnis, das weit über klassisches Shopping hinausgeht. Das macht den Unterschied und das macht stationären Luxus-Retail auch in der Zukunft so relevant.

JG: Was die Produkte angeht – wie erkennst du langfristige Trends? Und nehmt ihr kurzfristige Trends auch immer auf?

JG: Durch Social Media, Popkultur und globale Trends bewegen verändert sich alles in Fashion, Beauty und Konsumverhalten super schnell, fast in Echtzeit. Umso wichtiger ist es für uns, sehr nah an unseren Gästen zu sein und früh zu erkennen, welche Themen Begehrlichkeiten wecken und sich so zu Microtrends oder kurzfristigen Trends entwickeln. Gleichzeitig schauen wir natürlich auf das Potenzial zur Weiterentwicklung und darauf, was langfristig Relevanz haben kann. Dies entsteht oft aus größeren gesellschaftlichen Veränderungen — zum Beispiel dem Wunsch nach Cocooning, wie wir es zu Coronazeiten erlebt haben. Oder einem bewussteren Konsumverhalten oder gesünderen Lebensstil. Wir arbeiten heute deutlich stärker daten- und kundenorientiert und analysieren sehr genau, wie sich Kaufverhalten verändert, welche Marken Dynamik entwickeln und welche Produkte einen echten Mehrwert haben. Immer aus der Perspektive unserer Gäste, das ist entscheidend. Gleichzeitig gehört es ganz klar zu unserem Selbstverständnis als zeitgemäßer Department Store, Inspirationsgeber zu sein und neue Themen früh sichtbar zu machen.

JG: Wie oft gehst du denn selbst auf die Fläche? Und was sind gerade die aktuellen Trends?

JG: Ich liebe es, Zeit auf der Fläche zu verbringen — weil ich dort einfach am besten verstehe, was unsere Gäste wirklich bewegt und was funktioniert, oder auch nicht. Aktuell sehen wir sehr stark den Wunsch nach neuen Looks, starken Farben, modernen monochromen Styles und gleichzeitig hochwertigen, entspannten Luxury-Essentials. Und generell geht es heute viel stärker um komplette Looks und ein ganzheitliches Styling als um einzelne Produkte.

JG: Wie bist du eigentlich zur Beauty- und Fashion-Branche gekommen?

JG: „Beauty und Fashion liegen für mich sehr nah beieinander — beide Branchen leben von Trends, Emotionen und Begehrlichkeit. Ich denke, wenn man sich richtig für etwas begeistert, entwickelt man mit der Zeit ein gutes Gespür dafür – und genau das ist in unserer Branche einfach sehr wichtig. Ich habe mich schon immer für Fashion, Beauty und Trends begeistert und war auch privat sehr neugierig und experimentierfreudig. Mein Einstieg begann mit einem Praktikum bei Christian Dior, danach ging es zu Kenzo Parfums in die Schweiz und später zur The Nuance Group im Travel Retail, wo ich für Beauty und Accessoires im Einkauf verantwortlich war. Danach folgte dann der Schritt nach Berlin zur KaDeWe Gruppe.“

JG: Viele fragen sich, wie findet man in der Mode seinen eigenen Stil oder läuft man nur einem Trend nach, wie war das bei dir?

JG: „Gerade in der Fashionbranche wird man natürlich ständig von Trends und neuen Looks beeinflusst — und viele probieren erstmal sehr viel aus. Das war bei mir nicht anders. Irgendwann merkt man dann, welche Looks wirklich zu einem passen und worin man sich authentisch fühlt. Und genau daraus entsteht dann erst richtiger Stil. Die Basis sind oft ganz einfache Elemente — ein perfekter Blazer, eine gute Jeans, ein tolles weißes T-Shirt. Und darauf kann man dann aufbauen und mit Accessoires oder besonderen Pieces mutiger werden. Ich selbst interpretiere Fashion für mich so, dass die Sachen zu mir und meiner Persönlichkeit passen und sie unterstreicht. Zudem muss Mode zu meinem Lifestyle passen und alles mitmachen, von der Kita am Morgen über Meetings und Reisen tagsüber bis hin zu Abendterminen.

JG: Mode ist ein sehr weibliches Thema, in der Führung und bei den Designern sind es dann aber doch viele Männer – spielte es für dich eine Rolle, dass du eine Frau bist?

JG: „Generell ist Diversität — in allen Positionen und vor allem in Führungspositionen — extrem wichtig, gerade in einer Branche wie Fashion, die so nah an den Menschen ist. Und unabhängig davon, welchem Geschlecht man sich zugehörig fühlt, darf am Ende nur entscheidend sein, welche Vision, welche Kompetenz und welche Energie man mitbringt. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht: Wenn man gut vorbereitet ist und wirklich weiß, wovon man spricht, wird man auch ernst genommen. Aber natürlich musste ich mich in bestimmten Situationen stärker behaupten und lernen, selbstbewusst aufzutreten.

JG: Was würdest du rückblickend anders machen? Gibt es Fehler, aus denen du gelernt hast?

JG: Fehler müssen unbedingt gemacht werden (lacht). Gerade am Anfang meiner Karriere habe ich mich unnötig zurückgehalten oder versucht, allem und jedem gerecht zu werden. Rückblickend hätte ich viel früher mehr Vertrauen in mich selbst haben können. Mit der Zeit habe ich gelernt, klarer aufzutreten, Entscheidungen selbstbewusster zu vertreten und stärker auf meine eigene Intuition zu vertrauen. Ein großes Thema war für mich auch die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Als ich meine Kinder bekommen habe, hatte ich lange das Gefühl, besonders beweisen zu müssen, dass sich dadurch nichts verändert. Heute sehe ich das anders – denn natürlich ändert sich ganz viel, und das ist gut! Man sollte sich dafür nicht rechtfertigen müssen und für mich gehören Kinder und Karriere selbstverständlich zusammen.

JG: Gab es trotzdem den Moment, an dem du gedacht hast, ich stelle die Karriere zurück und kümmere mich um die Kinder? Oder wolltest du immer beides?

JG: Heute wird deutlich stärker als früher akzeptiert und unterstützt, dass Frauen gleichzeitig Karriere machen und eine Familie haben können — und das ist eine sehr wichtige gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Für mich war immer klar, dass ich beides möchte — Familie und Karriere. Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen man sich hinterfragt oder versucht, die richtige Balance neu zu finden. Aber ich habe immer gewusst, dass dieser Weg für mich der richtige ist, und das KaDeWe hat mich hier durchgehend unterstützt.

JG: Was war der schwierigste Moment in deiner Karriere?

JG: „Es gab definitiv Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt auf dem richtigen Weg bin. Gerade wenn man wie ich viel einbringt, sehr ehrgeizig ist und bestimmte Entwicklungen nicht so schnell kommen wie erhofft, beginnt man manchmal, an sich selbst zu zweifeln. Rückblickend sehe ich das so: genau diese Phasen machen einen resilienter, klarer in den eigenen Entscheidungen und zeigen einem auch, wie sehr man etwas wirklich will.“

JG: Was machst du, um den Kopf frei zu kriegen?

JG: „Es ist für mich essenziell, zwischendurch komplett abschalten zu können. Zeit mit meinen Kindern und Sport helfen mir dabei am meisten. Gerade Bewegung ist für mich ein wichtiger Ausgleich, weil man in unserem Job permanent unter Strom steht und ständig Entscheidungen trifft. Mentale Stärke und ein gutes Mindset spielen auch eine große Rolle — besonders in anspruchsvollen Führungspositionen. Deshalb finde ich es gut und wichtig, sich selbst regelmäßig zu reflektieren und bewusst an sich zu arbeiten.“

JG: Du bist Führungskraft und musst auch mal unangenehme Entscheidungen treffen – was sind in der Führung deine Stärken?

JG: Ich übernehme Verantwortung und treffe Entscheidungen — auch wenn sie nicht immer einfach sind. Gerade in Veränderungsphasen ist es wichtig, Klarheit zu schaffen und neue Impulse zu setzen. Natürlich haben Entscheidungen auch Auswirkungen auf Teams und Strukturen, und das beschäftigt mich sehr. Mir ist wichtig, Menschen mitzunehmen, transparent zu kommunizieren und Veränderungen nachvollziehbar zu machen. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass es langfristig immer besser ist, klare Entscheidungen zu treffen, als Themen aus Unsicherheit nicht anzugehen.“

JG: Wenn du dich in einem Jahr fragst, ob du einen guten Job gemacht hast, was sind die Parameter?

JG: Wir haben uns im Einkauf zwei ganz klare Ziele gesetzt: Zum einen schaffen wir Erlebniswelten mit echter Relevanz, die unsere Gäste begeistern und lange nachwirken. Und zum anderen entwickeln wir unser Business mit nachhaltigem Erfolg und wirtschaftlicher Stärke weiter. Natürlich braucht es dabei Kreativität und ein gutes Gespür für Trends, aber Einkauf funktioniert heute sehr stark über Daten, Kundenverständnis und Relevanz. Unseren Erfolg messen wir über Umsatz, Profitabilität und die Frage, welche Konzepte und Marken wirklich funktionieren. Der Gast ist dabei immer unser wichtigster Kompass.

JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?

JG: Ich liebe Geschenke (lacht) – Und ich liebe meinen neuen Job als Buying Director, der so viele Dinge verbindet, die mich schon immer begeistert haben. Ich kann kreativ arbeiten, strategisch denken, Entscheidungen treffen und gleichzeitig die Zukunft der schönsten Department Stores in Deutschland aktiv mitgestalten. Und ein riesengroßes Geschenk ist meine Familie. Wahrscheinlich ist diese Balance zwischen Familienmensch und Führungskraft zu sein auch mein größter Test. Es erfordert jeden Tag Organisation, Flexibilität und die Fähigkeit, Prioritäten immer wieder neu zu bewerten und auszutarieren. Das gehört für mich zu moderner Führung und zu meinem Leben.

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