Folge 8: Warum Wünsche allein nicht reichen – und was Ziele wirklich verändern können

Coachin Mareike Lehmann zeigt, wie Zielarbeit dabei hilft, vom Wünschen ins Wollen zu kommen, Klarheit zu gewinnen und berufliche Entwicklung bewusst zu gestalten

Mareike Lehmann ist Systemische Coachin, Mediatorin und Trainerin.

Business Suite – Folge 8: Warum Wünsche allein nicht reichen

Viele Menschen haben Wünsche. Für ihr Leben, ihre Arbeit, ihre Entwicklung. Oft sind diese Wünsche klar spürbar, manchmal sogar sehr konkret. Und trotzdem bleiben sie erstaunlich oft folgenlos.

Ich erlebe im Coaching immer wieder, dass Menschen viel darüber nachdenken, was sie sich wünschen, aber deutlich weniger darüber, was sie wirklich wollen. Der Unterschied klingt klein, ist aber entscheidend. Wünsche können begleiten, manchmal auch trösten. Wollen dagegen bringt Bewegung. Es fordert eine Entscheidung.

Vielleicht kennen Sie das auch. Da gibt es Vorstellungen davon, wie es beruflich oder privat leichter, stimmiger oder erfüllender sein könnte. Und gleichzeitig bleibt vieles, wie es ist.

Nicht aus Bequemlichkeit. Sondern weil der Schritt vom inneren Bild zur konkreten Ausrichtung fehlt.

Genau an dieser Stelle beginnt Zielarbeit. Nicht als Leistungsinstrument. Sondern als Einladung, das eigene Leben bewusster zu gestalten.

Reflexionsfragen

Welche Wünsche begleiten Sie aktuell in Ihrem Leben oder Ihrer Arbeit? Wobei merken Sie, dass Sie eher wünschen als wirklich wollen?

Warum Visionen wichtig sind, aber keine Ziele ersetzen

Visionen haben in den letzten Jahren einen festen Platz bekommen. Visionboards, Rauhnächte, innere Bilder davon, wie wir leben und arbeiten möchten. All das kann hilfreich sein, weil es einen inneren Raum öffnet und sichtbar macht, wofür wir Resonanz spüren.

Visionen wirken über Bilder und Gefühle. Sie geben eine Richtung, ohne festzulegen. Und genau darin liegt ihre Stärke. Aber auch ihre Grenze.

Denn Visionen beantworten nicht die Frage, was konkret zu tun ist. Sie sagen nichts darüber, wie sich ein normaler Alltag verändert oder woran wir merken würden, dass wir uns wirklich bewegen. Viele Menschen bleiben genau hier stehen. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil der nächste Übersetzungsschritt fehlt.

Ziele übernehmen genau diese Funktion. Sie machen aus inneren Bildern etwas Greifbares. Sie holen Wünsche aus der Vorstellung in die Realität und schaffen Orientierung.

Damit beginnt der Schritt vom Wünschen ins Wollen.

Reflexionsfragen

Welcher Wunsch begleitet Sie schon länger, ohne dass er bisher zu einem Ziel geworden ist? Was hat Sie bisher davon abgehalten, ihn konkreter werden zu lassen?

Foto: Alina von Bredow/Hey Club

Vom Wunsch zum Ziel – was ein Ziel wirklich ausmacht

Der Unterschied zwischen einem Wunsch und einem Ziel liegt nicht in der Größe, sondern in der Klarheit. Ein Wunsch darf offen bleiben. Ein Ziel braucht eine Entscheidung. Nicht als Druck, sondern als innere Festlegung.

In der Coachingarbeit zeigt sich, dass Ziele dann wirksam werden, wenn sie bestimmte Qualitäten erfüllen. Sie sollten attraktiv sein, realistisch und selbst erreichbar. Entscheidend ist auch die Art der Formulierung. Ziele wirken stärker, wenn sie positiv beschrieben sind, konkret und überprüfbar. Und sie sollten ökologisch vertretbar sein, also nicht auf Kosten der eigenen Gesundheit, wichtiger Beziehungen oder anderer Lebensbereiche gehen.

Ein weiterer entscheidender Schritt ist, Ziele aufzuschreiben. Und zwar so, als wären sie bereits erreicht. In dieser Form verlieren sie ihren Wunschcharakter. Sie werden greifbarer und bekommen eine andere Verbindlichkeit.

So entsteht aus einer vagen Vorstellung eine konkrete Ausrichtung.

Reflexionsfragen

Wie würde einer Ihrer Wünsche klingen, wenn Sie ihn als Ziel formulieren müssten?

Was würde sich verändern, wenn Sie dieses Ziel aufschreiben würden, so als hätten Sie es bereits erreicht?

Woran würden Sie merken, dass Sie Ihrem Ziel näherkommen?

Drehbuchreife – wenn Ziele lebendig werden

Ziele entfalten ihre Wirkung dann, wenn sie vorstellbar werden. Ein Ziel bleibt abstrakt, solange es nur ein Satz ist. Es wird lebendig, wenn es sich wie ein inneres Drehbuch lesen lässt.

Drehbuchreife bedeutet, sich ein Ziel als gelebten Alltag vorzustellen. Wie sieht ein normaler Tag aus, wenn dieses Ziel erreicht ist. Was tun Sie dann anders. Welche Entscheidungen fallen leichter.

Diese Perspektive hilft auch, Ziele zu überprüfen. Wenn ein Ziel im Alltag keinen Platz findet oder andere wichtige Lebensbereiche verdrängt, ist das ein Hinweis. Dann braucht es eine Anpassung oder eine bewusste Entscheidung dagegen.

So werden Ziele nicht starr, sondern zu einer inneren Orientierung, die im Alltag trägt.

Reflexionsfragen

Wie sieht ein normaler Tag aus, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben? Was tun Sie dann konkret anders als heute?

Woran würden Sie selbst merken, dass sich etwas verändert hat?

Zielskala, kleine Schritte und Ressourcen

Ziele wirken nicht dadurch, dass sie perfekt formuliert sind, sondern dadurch, dass sie in machbare Schritte übersetzt werden. Genau hier setzt die Arbeit mit Zielskalen an, die aus dem lösungsfokussierten Coaching stammt.

Statt zu fragen, ob ein Ziel erreicht ist oder nicht, geht es darum, den aktuellen Stand zu bestimmen. Auf einer Skala von eins bis zehn steht die Zehn für das erreichte Ziel.

Dazwischen liegt Bewegung. Entwicklung. Handlungsspielraum.

Diese Perspektive verändert den Blick. Wer sich zum Beispiel auf einer Vier verortet, erkennt, dass bereits etwas gelungen ist. Dass es Gründe gibt, warum man nicht bei eins steht. Zielarbeit richtet den Fokus damit nicht auf Defizite, sondern auf vorhandene Ressourcen.

Ressourcenaktivierung bedeutet, frühere Erfahrungen bewusst einzubeziehen. Selten beginnen Menschen bei null. Oft gab es ähnliche Situationen, frühere Ziele oder Herausforderungen, die bereits gemeistert wurden.

Wichtig ist dabei, Ziele in kleine, realistische Schritte zu unterteilen. Große To do Listen erzeugen schnell Druck. Ein klarer nächster Schritt dagegen schafft Bewegung. Weniger ist oft mehr.

Reflexionsfragen

Wo würden Sie sich aktuell auf einer Skala von eins bis zehn in Bezug auf Ihr Ziel einordnen? Was haben Sie bereits getan, damit Sie nicht bei eins stehen?

Welche Erfahrungen oder Fähigkeiten aus früheren Situationen könnten Ihnen jetzt helfen? Wo würde ein Ihnen nahestehender Mensch Sie auf dieser Skala sehen und warum?

Was wäre ein kleiner, realistischer nächster Schritt?

Foto: Alina von Bredow/Hey Club

Ziele überprüfen und anpassen

Ziele entstehen in einem bestimmten Moment und unter bestimmten Bedingungen. Deshalb dürfen sie sich verändern. Zielarbeit bedeutet nicht, einmal festzulegen und dann durchzuhalten, sondern regelmäßig innezuhalten und zu prüfen, ob ein Ziel noch passt.

Gerade in Veränderungsphasen zeigt sich, wie wichtig diese Reflexion ist. Ziele dürfen angepasst, konkretisiert oder auch bewusst losgelassen werden, ohne dass das ein Scheitern ist.

Hilfreich ist es, Zielarbeit auf unterschiedliche Zeitebenen zu verteilen. Neben größeren Zielen können Tages, Wochen oder Monatsziele Orientierung geben. Sie machen Entwicklung überschaubar und helfen, dranzubleiben, ohne sich zu überfordern.

Reflexionsfragen

Passt dieses Ziel noch zu Ihrer aktuellen Lebenssituation? Was hat sich verändert, seit Sie es formuliert haben?

Braucht dieses Ziel eine Anpassung oder eine klare Entscheidung dagegen? Welche kleineren Ziele könnten Ihnen im Alltag Orientierung geben?

Abschlussimpuls

Ziele sind kein Leistungsversprechen und kein starres Konstrukt. Sie sind ein Werkzeug, um bewusster mit dem eigenen Leben umzugehen. Sie helfen, aus inneren Bildern konkrete Ausrichtungen zu machen und Entscheidungen nicht dem Zufall zu überlassen.

Vielleicht geht es dabei weniger darum, mehr zu erreichen, als klarer zu werden. Zu wissen, was jetzt wichtig ist und was warten darf. Und den Mut zu haben, den nächsten kleinen Schritt zu gehen.

Mareike Lehmann ist Systemische Coachin, Mediatorin und Trainerin.

Über die Autorin:

Mareike Lehmann ist systemische Coachin (DVCT), Mediatorin (Univ.) & Business-Moderatorin (QRC). Sie unterstützt Menschen, Teams und Organisationen in Entwicklungsprozessen für starke Teams und erfolgreiche Organisationen, beiauthentischer Führung und konstruktiver Konfliktklärung, bei beruflicher Klarheit und Entwicklung.

In ihrer Kolumne „Business Suite“ auf marieclaire.de gibt sie regelmäßig Impulse für neue Perspektiven rund umberufliche Entwicklung, Karriere und Zusammenarbeit – klar, kraftvoll und nahbar.

Mehr über ihre Arbeit finden Sie unter www.mareikelehmann.de
LinkedIn: linkedin.com/in/mareike-lehmann | Instagram: @klarheitmitmareike

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