Sie sind zurück! Bermudashorts feiern im Sommer 2026 ihr modisches Revival

Bermudashorts erleben gerade das, was die Mode am meisten liebt: eine perfekte Rehabilitation. Jahrzehntelang lag dieses Kleidungsstück irgendwo zwischen Golfclub, Safari-Look und deutscher Tourist in Florenz, doch 2026 erlebt die Bermuda ein grandioses Comeback mit modernem Twist. 

Bermudashorts kommen 2026 nicht geschniegelt oder preppy zurück, sondern cooler, weiter und deutlich entspannter. Foto: Launchmetrics.com

Die Rückkehr der Bermudashorts

Auf den Straßen von Kopenhagen, Mailand und Paris sieht man sie überall: lässige Tailoring-Bermudas aus Leinen, maskuline Oversize-Modelle aus Denim, Cargo-Versionen und minimalistische Varianten. Die Silhouette ist locker, aber dennoch präzise. Besonders spannend bei diesem Kleidungsstück ist, dass die klassische Grenze zwischen Menswear und Womenswear sich beinahe elegant auflöst, denn der Schnitt ist bewusst neutralisiert. Gerade deshalb wirkt (und ist) er so modern. Frauen tragen sie mit maskulinen Blazern und oppulentem Schmuck, Männer mit leichten Strickpolos oder Windbreakern. Bermudashorts erlauben eine neue Form von Eleganz, die nicht mehr performativ wirkt. 

unnamed-5

Foto: Vivienne Westwood, F/W 2026/Launchmetrics.com

Was das Styling angeht, ist die Bermudashort das wohl vielseitigste Kleidungsstück, das es gibt. Gerade im Sommer, wenn die Temperaturen morgens noch an den 20 Grad kratzen und fünf Stunden später auf 28 Grad hinaufklettern, braucht es einen optimalen Look. Der Vibe lebt von einer mühelosen Mischung aus elegant und lässig. Besonders cool wirken sie mit oversized Hemden, schmalen hochgeschlossenen Tanktops und weiten Langarmshirts. Dazu Loafer mit sichtbaren Socken, schlichte Sandalen oder Retro-Sneaker – wichtig ist eigentlich nur, dass nichts zu gewollt wirkt. Genau deshalb harmonieren Bermudas auch so gut mit dem aktuellen Boyfriend-Trend: etwas weiter und tiefer sitzend wirken sie besonders entspannt und sind zudem bequem. 

Wer den Look modischer tragen will, kombiniert bewusst Gegensätze. Maskuline Shorts zu filigranem Schmuck, strenge Anzugstoffe zu sportlichen Sandaletten oder Modelle mit Lederelementen. Die neue Bermuda will nicht geschniegelt aussehen, sie will gekonnt stilvoll wirken. Tatsächlich gibt es sogar eine ziemlich klare modische Definition dafür, wann Shorts überhaupt als Bermudas gelten. Entscheidend ist hierbei die Länge. Mit einer Saumlänge, die ungefähr fünf Zentimeter über bis fünf Zentimeter unter dem Knie endet, spricht man von Bermudashorts. Alles darüber wird zu normalen Shorts und alles deutlich darunter ist eine Caprihose oder fast schon Culotte. Genau diese knifflige Mid-Length macht die Bermuda modisch so spannend und gleichzeitig auch etwas knifflig. Hosen auf Kniehöhe bewegen sich immer irgendwo zwischen streng, lässig und modern. 

Vom britischen Militär-Look zum Trendpiece

Aber wo kommt die Bermudashort eigentlich her und wie wurde sie erstmals getragen? Um diese Fragen zu beantworten, steigen wir einmal in die Zeitkapsel und reisen in die Vergangenheit. Die Geschichte der Bermudashorts beginnt nicht auf einem Runway in Mailand oder New York, sondern ziemlich pragmatisch unter tropischer Sonne. Ihren Namen verdanken die Bermudas den Bermudainseln, wo die Royal Navy Anfang des 20. Jahrhunderts nach einer Möglichkeit suchte, trotz drückender Hitze halbwegs formell gekleidet zu bleiben. Lange Hosen waren zu warm, kurze Hosen wiederum schickten sich nicht. Die Lösung: knielange Shorts aus festem Anzugstoff. Der generelle Look entwickelte sich zu einer militärischen Uniform: sauber gebügelt, einfarbig und britisch-diszipliniert. 

Foto: Armani, F/W 2026/Launchmetrics.com

International erreichten sie ihre erste große Modephase in den 1950er-Jahren. Nach dem Krieg wurde Freizeit überhaupt erst zu einer eigenen ästhetischen Kategorie. Ferienresorts, Kreuzfahrten und Riviera-Glamour boomten plötzlich. Bermudashorts standen nun für Wohlstand, ein Leben auf Reisen und ein neues Jetset-Ideal von entspanntem Luxus. Auch Hollywood griff den Look begeistert auf: sonnengebräunte Männer in Poloshirts und Frauen auf italienischen Vespas – die Geburtsstunde des Modetrends Vacation Chic. In den 80ern kämpften sich Bermudas erneut zurück auf die modischen Straßen, diesmal sportlich und preppy. Die Ivy-League-Ästhetik tauchte plötzlich in Segelclubs und Country Clubs auf. Oft in Pastellfarben und mit Bundfalte, getragen zu Loafern, Poloshirts und Blazern. Der Look hatte etwas demonstrativ Privilegiertes. 

Die 90er machten daraus dann etwas völlig Neues. Bermudashorts wurden baggy getragen und waren fester Bestandteil der Streetstyle-Szene. Die Hip-Hop- und Skate-Kultur adaptierten die Silhouette, häufig in Cargo-Versionen oder Denim. Die Eleganz verschwand kurzzeitig zugunsten von Utility und Coolness. In den frühen 2000ern gerieten Bermudas dann in eine schwierige Phase. Zu bieder für Indie Sleaze, zu brav für die Y2K-Sexiness. Modehistorisch gesprochen: ein klassischer Fall von ästhetischer Übersättigung.

Wie Bermudashorts zur Ikone der Frauenmode wurden

Frauen begannen Bermudashorts vergleichsweise spät zu tragen, jedenfalls öffentlich und gesellschaftlich akzeptiert. Denn bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein galt es in vielen westlichen Gesellschaften noch als höchst skandalös, wenn Frauen überhaupt Hosen trugen. Sichtbare Beine plus maskuline Kleidung? Praktisch ein kultureller Ausnahmezustand. Wirklich salonfähig wurden Bermudashorts für Frauen erst Mitte der 1940er- und vor allem in den 1950er-Jahren. Der Zweite Weltkrieg spielte dabei eine enorme Rolle: Während Männer an der Front waren, arbeiteten Frauen in Fabriken, Büros und anderen bislang männlich dominierten Bereichen. Praktische Kleidung wurde plötzlich notwendig und Hosen für Frauen allgemein gesellschaftlich akzeptierter.

Nach dem Krieg wandelte sich das Funktionale schließlich in etwas Glamouröses. In den 50ern wurden Bermudas Teil der Resort Wear. Ikonen wie Audrey Hepburn oder Grace Kelly stolzierten in hochgeschnittenen Shorts an der Riviera entlang oder liefen in ihnen durch mediterrane Ortschaften. In den 60ern und 70ern wurden sie dann deutlich experimenteller. Mit der sexuellen Revolution und der Frauenbewegung verschwanden viele alte Kleiderregeln. Designer begannen, Bermudas femininer oder extremer zu interpretieren: kürzer, enger und farbiger. Gleichzeitig etablierte sich der Safari-Look mit khakifarbenen Bermudas, Utility-Taschen und vom Militär inspirierten Silhouetten.

Foto: London Street Fashion, F/W 2026/Launchmetrics.com

Und genau deshalb funktionieren Bermudas auch heute wieder so gut. Sie waren nie besonders sexy und betonend. Sie wirken eher wie etwas, das man für sich selbst trägt. Entspannt, souverän und unglaublich cool. 2026 passt das perfekt in die Mode: Nach Jahren von unzähligen Trends und Hyperinszenierung wirkt die Bermuda plötzlich wieder frisch und neu, weil sie eben nicht zwingend trendy sein will. Sie besitzt diese mühelose Coolness, die gerade im Sommer alle suchen.

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions