Berlin gilt als Hochburg für androgynes Design, Schwarz in allen Schattierungen und Urban Streetstyle. Doch diese fünf Frauen bewiesen auf der Berlin Fashion Week, dass die Hauptstadt auch ganz anders kann. Und das mit Kollektionen, die Innovation, Nachhaltigkeit und Nostalgie vereinen und dem vermeintlich typischen Berlin-Look eine neue, überraschend vielschichtige Perspektive entgegensetzen.
Das in Berlin ansässige Label von Designerin Jana Heinemann hat sich Nachhaltigkeit und sozialer Wirkung verschrieben. „Impari“ heißt so viel wie „ungleich“ und „du lernst“.
Was das für die Brand bedeutet? Bekannt für die Verwendung von 100 Prozent recyceltem PET-Material, entwirft sie mit Impari farbige Pieces, die lokal und mit einem Zero-Waste-Ansatz produziert werden. Die innovativen Materialien aus Plastikmüll entwickelt sie mithilfe ihrer Initiative WITH[out]WASTE in enger Zusammenarbeit mit lokalen Communities in Ghana. Sämtliche Schnittreste werden in zukünftigen Kreationen wiederverwendet. Damit verbinden sich die unterschiedlichen Stoffe, Prints und Stile über Kollektionen hinweg. Die Pieces sind geschlechts- und körperformunabhängig entworfen.




Auf der Berlin Fashion Week zeigte sie ihre neuste Kollektion „PERMISSION ≠ SLIP“. Geprägt von weiten Silhouetten und leichten Materialien gibt diese Kollektion Raum, anstatt Kontrolle auszuüben. Für Designerin Heinemann eine visuelle Rebellion gegen Systeme. Fotos: Shin Jeong Hoon for BFW
Lou de Bètoly hat längst ihren Weg in die Kleiderschränke unserer liebsten Popsternchen gefunden: Beyoncé, Dua Lipa, Rosalía, Kylie Jenner und Kali Uchis tragen sie alle. Auf der Berlin Fashion Week präsentierte die französische Designerin Odély Teboul nun ihre neue Kollektion.
Berlin, Rathaus Schöneberg: Mit dem Abbau des Flohmarkts begann die Präsentation einer Kollektion, die nahezu vollständig Fundstücken ebendieser Märkte entstanden ist. Mit einem Fable für das Spannungsfeld zwischen Extravaganz und Eleganz, Zerbrechlichkeit und Chaos erschafft sie eine Ästhetik, die Rokoko in zeitgenössische Haute-Couture übersetzt. Dieser Mix aus Innovation und Nostalgie zeigt sich in einem Mix aus Lingerie, Strick und Häkelarbeiten aus Perlen mit dekonstruierten und neu zusammengesetzten Vintage- und Deadstock-Textilien. Wie passend, dass fünf der Herbst/Winter 2026/27 Looks aus neuer und Vintage-Lingerie von Hunkemöller entstanden.




Fotos: James Cochrane
Erste Aufmerksamkeit erlangte Kasia Kucharska mit ihrer radikalen Neuinterpretation traditioneller Handwerkskunst durch technologiegestützte Fertigung. Ihre Kleidungsstücke werden nicht gedruckt, sondern Schicht für Schicht gedruckt. Biologisch abbaubarer Latex ist dabei ihr Material der Wahl. Inspiriert von filigraner Spitze wird deren Ornamentik mithilfe der Latex-Schlaufenmuster zur zweiten Haut – selbstbewusst, sexy und stilvoll. Das charakteristische „all-over lace scribble“ wirkt wie frei gezeichnet und ist längst zu ihrem Markenzeichen geworden.
In ihrer aktuellen Kollektion setzt sie sich mit der Frage auseinander, was es bedeutet, eine Frau in der heutigen Welt zu sein. Wir bewegen und zwischen Fürsorge, Mutterschaft, Verletzlichkeit und Stärke. Und so entfaltet sich die Weiblichkeit in all ihren Facetten: in zarten, körpernahen Second-Skin-Pieces ebenso wie in tiefem Schwarz, skulpturalen Silhouetten und Disney-inspirierten Drucken. Klassische Menswear-Elemente wie Hemden werden dekonstruiert, gebrochen und in ihre sinnliche, zeitgenössische Designhandschrift übersetzt.




Fotos: Andreas Hofrichter
Designerin Karin Brettmeister denkt Braut- und Abendmode neu – und das aus einer kompromisslos avantgardistischen Perspektive. Unter dem Leitgedanken „Bridal Against The Norms“ entstehen bei Ritual Unions maßgeschneiderte Couture-Stücke, die sich Konventionen widersetzen. Seit 2017 entstehen im Berliner Atelier die handgearbeiteten, individuellen Stücke.
Charakteristisch ist das Spiel mit Gegensätzen: Schwarz trifft auf Weiß, Starrheit auf Fluidität, Strenge auf Bewegung. Durch Brettmeisters Hinterfragen traditioneller Codes der Brautmode bricht sie mit der Klassik und verwandelt sie vielmehr in ein Manifest von Freiheit und Identität – ohne dabei die romantische Märchenwelt der Brautmode zu verlassen.




Fotos: Ansgar Sollmann
Laura Gerte steht für pure Weiblichkeit mit einem Hauch sanftem Glamour und einer Prise Punk-Attitüde. Zwischen Urban Chic und Glamour entstehen nachhaltige Pieces für selbstbewusste Frauen aus Deadstock und recycelten Materialien. Auch Grammy-Gewinnerin FKA Twigs trug bereits ihre Kleider.
In der Herbst/Winter 2026/27 Kollektion zeigt Laura Gerte, dass schwarze Kleider ganz und gar nicht langweilig sind – und Berlin viel mehr als androgynes Design zu bieten hat. Hautenge, teils transparente Röcke treffen auf T-Shirts, das Kleine Schwarze wird durch Mesh-Cut-Outs und Pailletten neu interpretiert. Skulpturale Wolle, Leder und Satin formen schmale Silhouetten, die den Körper betonen.




Fotos: James Cochrane
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