IN ZUSAMMENARBEIT MIT

Logo S-thetic

Jahrelang missverstanden – der lange Weg zur Lipödem-Diagnose

Als Kind merkt sie es an einem Reißverschluss, der sich nicht schließen lässt. Jahre später werden daraus Schmerzen, Scham und medizinische Fehldiagnosen

Foto: Getty Images/unsplash
Foto: Getty Images/unsplash

„Über Jahre hatte ich das Gefühl, permanent gegen meinen eigenen Körper zu kämpfen“, sagt Laura Bernunzo. Heute kennt sie den Namen der Krankheit: Lipödem. Nach einer langen Odyssee durch Diäten, Sportprogramme und Arztbesuche entschied sie sich schließlich für operative Behandlungen – und arbeitet inzwischen selbst als Lipödem-Coach bei S-thetic. Wie es ist, mit einer oft missverstandenen Erkrankung aufzuwachsen, warum der Weg zur Diagnose so schwer sein kann und was sich nach der Operation verändert hat.

Liebe Frau Bernunzo, erinnern Sie sich an den Moment, in dem Sie gespürt haben: „Mit meinem Körper stimmt etwas nicht“? Welche Symptome haben Sie damals wahrgenommen?

Ich erinnere mich noch sehr genau daran. Ich war etwa neun Jahre alt, als wir mit meiner Mama und meinen zwei Schwestern Winterstiefel kaufen gingen. Bei meinen Schwestern ging der Reißverschluss ganz normal zu, bei mir jedoch nicht. Der Stiefel ließ sich einfach nicht schließen.

Als wir nach Hause kamen, hatte ich genau an diesen Stellen blaue Flecken. Damals konnte ich das natürlich noch nicht einordnen, aber es war das erste Mal, dass ich gespürt habe: Irgendetwas ist anders.

Mit der Zeit wurden die Symptome immer stärker. Besonders nach Flügen waren meine Beine extrem dick und schwer, sodass ich mich nach der Ankunft erst einmal hinlegen musste. Später, als ich die Pille nahm, verschlimmerten sich die Beschwerden noch einmal deutlich.

Viele Betroffene berichten, dass ihre Beschwerden lange nicht ernst genommen wurden. Wie haben Sie die Zeit bis zur Diagnose erlebt – medizinisch, aber auch emotional?

Leider ging es mir wie vielen anderen Betroffenen auch. Meine Beschwerden wurden medizinisch lange überhaupt nicht ernst genommen.

Mit Anfang zwanzig hatte ich so starke Schmerzen und Schwellungen, dass ich Angst hatte, eine Thrombose zu haben. Als ich deshalb einen Phlebologen aufsuchte, sagte er zu mir, ich solle weniger essen und mehr Sport treiben.

Am Anfang verunsicherte mich vor allem der optische Aspekt sehr – ich fühlte mich ständig unwohl in meinem Körper. Doch mit der Zeit wurde vor allem der innere Kampf immer schwerer. Wenn man über Jahre hinweg alles versucht und trotzdem keine Veränderung spürt, führt das zu tiefer Erschöpfung. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich fragt, ob man seine Träume vielleicht begraben sollte, weil man die ständigen Rückschläge nicht mehr aushält.

Laura Bernunzo

Laura Bernunzo. Foto: S-thetic

Welche Therapien oder Maßnahmen haben Sie zunächst ausprobiert? Gab es Momente, in denen Sie das Gefühl hatten, gegen Ihren eigenen Körper zu kämpfen?

Ich habe wirklich alles ausprobiert: unzählige Diäten – von Rohkost über vegan bis ketogen – dazu sehr viel Sport.

Über Jahre hatte ich das Gefühl, permanent gegen meinen eigenen Körper zu kämpfen. Egal wie diszipliniert ich war und wie viel Sport ich gemacht habe – meine Beine haben sich nicht verändert. Dieses Gefühl der Machtlosigkeit ist für viele Lipödem-Betroffene sehr prägend.

Das Thema Lipödem ist eng mit Körperbild, Selbstwert und gesellschaftlichen Schönheitsidealen verknüpft. Wie hat die Erkrankung Ihr Verhältnis zu Ihrem Körper – und vielleicht auch zur Mode – beeinflusst?

Mode hat mich schon immer interessiert. Gleichzeitig war der zentrale Gedanke oft: „Wie kann ich meinen Körper möglichst unauffällig machen?“ Lange Zeit war Kleidung deshalb weniger Ausdruck meiner Persönlichkeit, sondern vielmehr eine Strategie, um mein Lipödem zu kaschieren.

Schon als Kind fing das mit den Stiefeln an. Später habe ich vor allem weite Stoffhosen getragen und selten körperbetonte Kleidung gewählt, um bestimmte Körperstellen bewusst in den Hintergrund zu stellen. Kurze Röcke oder Kleider kamen für mich deshalb lange Zeit nicht infrage.

Die Entscheidung für eine Operation ist bei Lipödem sehr persönlich und oft mit Ängsten verbunden. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, diesen Schritt zu gehen – und welche Gedanken oder Zweifel haben Sie in dieser Phase begleitet?

Als ich mit 25 Jahren endlich die Diagnose Lipödem erhielt, erfuhr ich zum ersten Mal von der Möglichkeit einer Operation. Für mich kam das damals nicht infrage.

Tatsächlich hat es noch einmal zehn Jahre gedauert, bis ich mich ernsthaft mit dem Gedanken auseinandergesetzt habe. Der Wendepunkt kam, als ich von der Laserlipolyse erfuhr. Überzeugt hat mich, dass diese Methode nicht nur Fett entfernt, sondern gleichzeitig auch die Haut strafft und ohne Vollnarkose durchgeführt wird.

Nach intensiver Recherche habe ich mich schließlich für eine Behandlung bei S-thetic entschieden. Mir war wichtig, eine Methode und einen Operateur zu finden, bei dem bzw. der ich mich wirklich sicher fühle.

Die Frage der Kostenübernahme beschäftigt viele Betroffene sehr konkret: Wurde Ihre Operation von der Krankenkasse übernommen oder mussten Sie selbst dafür aufkommen? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Kasse die Kosten trägt, und was raten Sie Frauen, die sich gerade mit diesem Thema auseinandersetzen?

Ich habe meine Operation selbst bezahlt. Bei mir wurde nach dem sogenannten Zonenkonzept operiert. Das bedeutet, dass die Behandlung in mehrere Schritte aufgeteilt wird und die Kosten entsprechend gestaffelt sind.

Mein Rat an andere Betroffene ist, sich sehr gut zu informieren. Welche Methode passt zu mir? Welcher Operateur hat Erfahrung? Und vor allem: Mit anderen Patientinnen sprechen, die diesen Weg bereits gegangen sind – auch ein oder zwei Jahre nach der Operation. Diese Einblicke sind unglaublich wertvoll.

Gab es einen Wendepunkt in Ihrer Lipödem-Journey, an dem Sie gespürt haben: Jetzt übernehme ich wieder die Kontrolle?

Ja, tatsächlich sehr schnell nach meiner ersten Operation.

Ich habe mir damals versprochen, nicht mehr so streng mit meinem Körper zu sein. Plötzlich kam die Freude am Leben zurück, auch an sozialen Momenten wie gemeinsam Essen gehen oder einfach spontan etwas unternehmen.

Es fühlte sich an, als würde in meinem Leben wieder die Sonne aufgehen. Nach der Operation hatte ich plötzlich wieder Lust auf Mode und Shoppen. Ich konnte mich besser bewegen und hatte nach Jahren endlich keine chronischen Schmerzen mehr.

Und etwas völlig Neues ist passiert: Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich wirklich weiblich und schön. Ich konnte selbstbewusst in den Spiegel schauen – ein Gefühl, das mir vorher fremd war.

Diese Erfahrung hat auch mein berufliches Leben verändert. Heute arbeite ich als Lipödem-Coach bei S-thetic und begleite andere Frauen auf ihrem eigenen Weg durch die Lipödem-Journey.

Stay In Touch

Be the first to know about new arrivals and promotions