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Journalistin und Moderatorin Jule Gölsdorf im Gespräch mit Frauen in Business und Politik über ihren persönlichen Weg weit nach oben #03 Stav R. Martens

Stav R. Martens,  Global Director Commercial Partnerships, CRM + CX | Bucherer AG

Stav R Martens  Global Director Commercial Partnerships, CRM + CX | Bucherer AG 

Learning 1: Entscheidungen müssen nicht immer erfolgsgetrieben, sondern dürfen auch menschengetrieben sein. Suche dir jemanden als Chef aus, für den du arbeiten WILLST!

Learning 2:  Fehler sind wichtig, sie dürfen nur nicht zweimal passieren! Zudem sollten Fehler geteilt werden, damit andere daraus lernen können.

Learning 3: Bleib dir und deinen Werten treu. Wichtiger als ein objektiv passendes Aussehen sind Authentizität, Empathie und eine positive Präsenz.

Jule Gölsdorf: Frauen in Führungspositionen sind immer noch rar gesät – wenn es Frauen an die Spitze schaffen, werden sie gerne als Power-Frauen betitelt – würdest du dich als Power-Frau bezeichnen

Stav Martens: Eher nicht. Ich finde eine Bezeichnung, die sich auf das Geschlecht bezieht, schwierig. Ich bevorzuge es, sich auf den Menschen zu konzentrieren, unabhängig davon, ob er ein Mann oder eine Frau ist und wie er oder sie Firmen, Kulturen und andere Menschen langfristig prägt.

JG: Es ist ja auch wichtiger, was man inhaltlich mitbringt. Was war denn für deinen Erfolg besonders entscheidend?  

SM: Vorteilhaft ist sicherlich ein guter Startpunkt, da muss ich meinem Vater danken für eine starke Basis, was Werte angeht, auf die ich aufbauen konnte. Werte, die mich geprägt haben, waren Integrität, Resilienz und Respekt. Und in meiner Karriere waren es die Menschen, die mich begleitet haben, teilweise bis heute. Mentoren, an denen ich mich orientieren konnte, die mein Potential erkannt haben und den Mut aufbrachten, es zu fördern, sowie Menschen, mit denen ich in Teams war und starke Sparrings an meiner Seite.

JG: Was würdest du jungen Frauen raten, die sich zu Beginn ihrer Karriere etwas verloren fühlen?

SM: Sich so viel wie möglich zu connecten, ein gutes Netzwerk aufzubauen, allerdings nicht auf der Basis des eigenen Vorteils, sondern eines guten zwischenmenschlichen Miteinanders, nur so kann sich auf natürliche Art und Weise eine mentorship aufbauen. Zudem lernt man nie aus: je mehr man an sich arbeitet und sich weiterentwickelt, je einfacher werden die nächsten Schritte.

JG: Für eine erfolgreiche Karriere muss man hart arbeiten, manchmal vielleicht auch über den eigenen Schatten springen – wie bleibt man sich selbst treu?

SM: Das ist nicht immer einfach, aber wenn man Stufe für Stufe gegangen ist – und das halte ich für wichtig – und keine shortcuts genommen hat, keine wichtigen Stufen überspringt, dann bekommt man eine gute Erdung und kann seinen Werten treu bleiben. Schön ist es, wenn die Werte übereinstimmen oder wenn man die Werte mitgestalten kann. Es gibt Firmen, die dafür offen sind. Mich hat immer ein Spruch von meinem Vater und Jürgen Klopp geprägt: „Es ist nicht wichtig, was Leute über dich sagen, wenn du kommst. Es ist wichtig, was sie denken, wenn du gehst!“ 

JG: Darf man sich erlauben, auch Fehler zu machen? Wie ist da Deine Erfahrung?

SM: Fehler sind sogar wichtig, solange sie nur einmal passieren! Es ist wertvoll, dass man Fehler macht, um daraus zu lernen. Gleichzeitig muss die Firmenkultur das aber auch zulassen und es ist wichtig, Fehler zu teilen. Oft teilen Firmen nur die Erfolge, best practices und konzentrieren sich nicht auf die Fehler. Dabei ist das doch gerade für Jüngere eine große Chance, aus den Fehlern anderer zu lernen. Es muss ja nicht jeder dieselbe Erfahrung machen!

JG: In der Wirtschaft heißt oft, ein guter Manager kann alles verkaufen – aber eine persönliche Leidenschaft für ein Produkt kann sicher nicht schaden. Wie ist das bei dir? Du bist im Luxus-Schmuck-Uhren-Segment tätig – war das eine bewusste Entscheidung?

SM: Der Sinn für Ästhetik wurde mir schon früh in die Wiege gelegt! Das hat sicher einen Einfluss gehabt, aber es gab auch andere Gründe. Meine erste Station war Burberry vor knapp 14 Jahren, damals war Angela Ahrendts CEO, die ich sehr bewundert habe. Ich habe jeden Podcast mit ihr gehört, jedes Interview gelesen, Videos von ihr geschaut und gesagt: Für so einen Menschen möchte ich arbeiten! Sie hat mich inspiriert und gepackt, das war der ausschlaggebende Punkt. Und das war häufiger so. Ich habe nicht oft gewechselt, aber die Wechsel waren immer menschengetrieben.

JG: Wie viele Uhren hast du selbst und bist du immer pünktlich?

SM: Die eine oder andere hat sich über die Jahre angesammelt. (lacht) Ich bin ja modeaffin und die Uhr muss zum Rest des Outfits passen. Was die Pünktlichkeit angeht, waren wir das beste Beispiel: wir haben uns schon fünf Minuten vorher in das heutige Meeting eingewählt. Pünktlichkeit ist ein wichtiger Aspekt, hat viel mit dem Respekt zu tun, den man der anderen Person entgegen bringt.

JG: Apropos Outfit und Optik. Heißt immer noch: Wer als Frau im Job Erfolg haben will, muss den Idealen entsprechen, aber bitte nicht zu sehr. Nicht zu dick, nicht zu dünn, nicht zu lange Haare aber auch nicht zu kurz, nicht sexy aber auch nicht graumäusig. Du bist sehr attraktiv – wie sehr hat dich dieses Thema beschäftigt?

SM: Ich glaube, entscheidender als das Aussehen sind die Ausstrahlung, die Authentizität und eine gewisse Präsenz. Und die Empathie, also wie man auf eine persönliche Art und Weise auf andere Menschen eingeht. Das sind für mich Kompetenzen, die mehr im Vordergrund stehen sollten. Grundsätzlich sollte man sich treu bleiben. Ich trage zum Beispiel schon immer Highheels bei der Arbeit, mittlerweile ist das eher out, die meisten tragen Sneakers oder andere flache Schuhe. Aber die Heels gehören zu mir und meinem Stil, deshalb habe ich das durchgezogen. Wenn man das Gefühl hat, ein bestimmter Look repräsentiert einen, sollte man ihn authentisch weitertragen!

JG: Unsere Schlussfrage: Was war in deinem Leben ein Geschenk, eine Strafe, ein Test?

SM: Ein Geschenk war die Möglichkeit, in meiner jetzigen Position und Branche mit talentierten und inspirierenden Menschen zusammenzuarbeiten. Diese Erfahrung hat mir nicht nur beruflich, sondern auch persönlich viel gegeben und mich wachsen lassen. Der hohe Druck und die Erwartungen, die man an einen selbst hat, können sich manchmal wie eine Strafe anfühlen, wenn man sich selbst und anderen ständig gerecht werden muss. Doch aus diesen Momenten lernt man, Stress zu bewältigen und Prioritäten zu setzen. Jeder Rückschlag oder Misserfolg, den ich erlebt habe, war ein Test meiner Belastbarkeit und Entschlossenheit. Diese Tests habe mich gestärkt und gezeigt, dass jede Herausforderung eine Gelegenheit zum Lernen und Wachsen ist.

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